Als Kind habe ich die Märchen der Gebrüder Grimm geliebt. Das abgegriffene Buch mit dem hellen Einband steht immer noch in meinem Bücherregal, und viele der unendlich oft gehörten Schallplatten kann ich immer noch passagenweise auswendig nachsprechen.

Erst im Laufe der Jahre ist mir aufgefallen, dass uns die Gebrüder Grimm... ja, was eigentlich: Märchen erzählt haben! Erstunken, erlogen, ohne jeden Bezug zur Realität! Denn mal ehrlich: Man muss als Hexe schon sehr einfältig sein, um sein Haus im Wald mit Pfefferkuchen zu dämmen, wenn es mit Polyurethan und einem KfW-Zuschuss doch viel einfacher und preiswerter geht.

Man muss als Eltern die regelmäßigen Augenuntersuchungen der kleinen Tochter schon sehr vernachlässigt haben, damit diese so verschwommen sieht, dass sie eine Wolfsfratze nicht vom Damenbart der Großmutter unterscheiden kann.

Kinder, die sich in Rehe verwandeln, Tischlein, die sich selber decken... völlig an der Wirklichkeit vorbei. Königstöchter, die am Brunnen mit goldenen Kugeln spielen - abseits jeder Realität. Lesen Sie beim nächsten Friseurbesuch einfach mal die "Bunte". Da steht, was die Damen wirklich treiben.

Für mich ist einzig nachvollziehbar die Sache mit Dornröschen: In meinem Garten gibt es Brombeertriebe, die von irgendwoher aus der Nachbarschaft kommen. Da braucht es nicht mal einen Bruchteil der märchenhaften 100 Jahre - und schon ist wieder eine schier undurchdringliche Dornenhecke gewachsen. Allerdings hilft da dann auch kein Prinz, auch wenn natürlich gerne einmal einer auf seinem weißen Pferd vorbeikommen dürfte.

Das einzige Mittel ist eine Motorsäge. Nicht romantisch. Aber effektiv.