Stefan Dettl kam mit einem Mercedes-S-Klasse-Oldtimer, der Rest seiner "LaBrassBanda" fuhr in einem VW-T2-Bulli vor. Dann ließen es die sieben Chiemgauer eine halbe Stunde lang im Biergarten der Kulmbacher Kommunbräu krachen - wie immer energiegeladen und barfuß, ganz bodenständig eben, dafür werden sie geliebt.

Es ist aber keine normale Konzertreise, die die Band aus Oberbayern in diesem Sommer unternimmt. Sondern es ist eine Mutmacher-Tour - für Gastronomen wie Musiker gleichermaßen. "Es sind schwierige Zeiten für die Wirte und auch für uns Musiker, da wollen wir ein bisschen gute Laune verbreiten", erklärte Stefan Dettl dem Publikum. Der Sänger will aber auf der Tour nicht nur bayerische Lebensfreude verbreiten, sondern vor allem für "das Miteinander in der Krise" werben, wie er sagt - aber natürlich auch ein bisschen für das neue Album "Danzn".

Ihre Mission führt die Kapelle durch ganz Bayern, gespielt wird ausschließlich unter freiem Himmel und kostenlos. 27 Konzerte stehen in sieben Tagen an, Kulmbach war Station Nummer 22 und bereitsdie dritte an diesem Tag. Zuvor traten "LaBrassBanda" auf dem Spezialkeller in Bamberg auf, am Vormittag schon in Würzburg. Jeweils eine halbe Stunde, in der die Band auch Stücke ihres neuen Albums präsentierte. Von Kulmbach ging's zum Abschluss auf den Herzogkeller in Bayreuth.

"Ein bisserl Energie haben wir noch, ist Vollgas für euch in Ordnung?", fragte Bandchef Dettl die rund 300 Kulmbacher Gäste und bat sie, sich alle brav an die Corona-Regeln zu halten. Das taten sie auch, wie bislang überall auf der Tour. Die etwa 200 Sitzplätze im Kommunbräu-Biergarten hatte Wirt Frank Stübinger - ohne Werbung machen zu müssen - in kürzester Zeit an den Mann und die Frau gebracht. Doch auch die etwa 100 Zaungäste auf der Straße ließ er nicht im Trockenen stehen. Stübinger ist stolz, dass sein Wirtshaus für die our auserwählt wurde. "Das ist ein Höhepunkt in der Kommunbräu-Geschichte." Und Vater und Senior-Wirt Peter Stübinger, selbst Vollblutmusiker ("Telstars"), meinte anerkennend: "Instrumental sind die Jungs super".

Eigentlich auf der Plassenburg

Eigentlich hätte "LaBrassBanda" schon vor zwei Wochen in Kulmbach spielen sollen, da allerdings vor zehn Mal so vielen Leuten und im "Schönen Hof" der Plassenburg. "Ein wahnsinnig schöner Ort", erinnert sich Stefan Dettl an den ersten Auftritt dort 2018. Doch wegen der Corona-Pandemie musste die Band heuer 110 Konzerte absagen. "Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir uns in den letzten Jahren etwas zurücklegen konnten, um so ein Jahr zu überstehen", sagt der 39-Jährige.

Die Konzert-Tour hat übrigens den höchsten bayerischen politischen Segen. Ministerpräsident Markus Söder war von der Idee sofort begeistert und habe sich selbst als Schirmherr angeboten, verrät Stefan Dettl. "Wir haben mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband ein Sicherheitskonzept ausgearbeitet und der Staatsregierung präsentiert." Unterstützt wird die siebentägige Aktion auch vom ADAC Südbayern, der sich um den Transport der Instrumente und der Band kümmert. Stefan Dettl bezeichnet die Biergarten-Reise selbst als spannendes Experiment: "Es ist eine Mischung aus Konzerttour und Urlaub, ein Tourlaub sozusagen."