Nein, ein ganz übler Krimineller ist es nicht, der sich am Mittwoch vor dem Jugendschöffengericht verantworten muss. Wohl eher liegt Amtsgerichts direktor Christoph Berner richtig mit seiner Einschätzung, als er zu dem Angeklagten sagt: "Der volle Ernst der Lage ist Ihnen nicht bewusst."

Gleichwohl ist es eine ganze Latte von Straftaten, die dem 19-Jährigen zur Last gelegt wird: Hausfriedensbruch in 22 Fällen, versuchte Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Im Laufe der Hauptverhandlung wird deutlich, dass der Angeklagte angeleitet von den falschen Freunden im Umfeld des Busbahnhofs und unter Alkoholeinfluss auf die schiefe Bahn geraten ist. Seit er vor einem halben Jahr den Kontakt zur ZOB-Clique abgebrochen hat, ist auch nichts mehr vorgekommen.

Konkret wird dem jungen Mann vorgeworfen, dass er trotz Hausverbot das "Fritz"-Einkaufszentrum und den Kulm bacher Bahnhof betreten hat.
Zwischen Oktober und Januar geht er dem Sicherheitsdienst beziehungsweise der Bahnpolizei 22-mal ins Netz. Vor Gericht kann er nicht erklären, warum er das gemacht hat. Offenbar ist aber immer Alkohol im Spiel gewesen - auch harte Sachen. Einmal ergibt der Alkotest deutlich über zwei Promille.

Gar nicht mehr nüchtern mischt er sich auch in die Arbeit der Polizei ein, die wegen eines Messerangriffs in einer Kulm bacher Wohnung ermittelt. Er ist Zeuge, als eine junge Frau mit einem Messerstich in den Bauch einen Mann schwer verletzt. Der 19-Jährige verhält sich - mit der Bierflasche in der Hand - aggressiv gegenüber der Polizei und gibt erst Ruhe, als man ihn fesselt.

Urteil fast völlig ignoriert

Erschwerend kommt für den Angeklagten hinzu, dass er eine Vorverurteilung vom Oktober fast völlig ignoriert hat. Außer dass er einen vierwöchigen Jugendarrest absitzt, kümmert er sich um keine Weisung des Gerichts: 120 Arbeitsstunden, Suchtberatung, soziale Trainingsmaßnahmen oder Eingliederungsvereinbarung mit dem Arbeitsamt - alles wurscht.

Auch damals sind Straftaten im ZOB-Umfeld abgeurteilt worden: versuchter Einbruch, Sachbeschädigung, Sieg-Heil-Rufe und Schwarzfahrten mit der Bahn. Zeitweise tagelang im Dauerrausch, völlig orientierungslos hinsichtlich der eigenen Zukunft und respektlos gegenüber den Behörden kommt er mit dem Gesetz in Konflikt.
Das hat sich inzwischen geändert, betont der Angeklagte, der ein umfassendes Geständnis ablegt. Er habe zur ZOB-Clique, die es nach den Worten des Richters so auch nicht mehr gibt, den Kontakt abgebrochen und seinen Alkoholkonsum deutlich reduziert. Zudem gehe er einer regelmäßigen Arbeit nach und habe die berechtigte Hoffnung, dass die geringfügige Beschäftigung in ein Lehrverhältnis umgewandelt wird. Verteidiger Ralph Pittroff bestätigt, dass sich sein Mandant von dem problematischen Umfeld in Kulmbach fernhält und dass der Jugendarrest Wirkung gezeigt hat.

Die Oma kümmert sich

Das Gericht gibt dem jungen Mann eine allerletzte Chance. "Wir glauben Ihnen, dass Sie sich geändert haben", sagt der Richter, dem es besonders imponiert, dass sich jetzt die Oma intensiv um den Enkel kümmert. Der Angeklagte, bei dem erhebliche Reifeverzögerungen festzustellen sind, wird unter Einbeziehung der Vorverurteilung zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Dazu kommen 150 Arbeitsstunden, Drogenverbot, Termine bei der Suchtberatung und soziale Trainingsmaßnahmen.