Hamburgs Polizeipräsident Ralf Meyer sieht seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Beim G20-Gipfel der Regierungschefs der führenden Industrienationen in der Hansestadt ist es zu massiven Ausschreitungen gekommen. Der Polizeipräsident spricht von "blinder Zerstörungswut".

20 000 Polizisten sind im Einsatz, darunter zahlreiche Beamte aus der Region, die ihren Kopf hinhalten. Georg Stöckel (Stadtsteinach) und Jürgen Köhnlein (Kulmbach) haben die Chaostage erlebt. "Das sind reine Randalierer, die die Sau rauslassen", sagt Köhnlein von der Deutschen Polizei-Gewerkschaft (DPolG).


Einsatzzeiten bis 14 Stunden

"Eine ganz üble Geschichte" - Jürgen Köhnlein ist entsetzt, mit welcher Gewalt seine Kollegen in Hamburg konfrontiert sind. Der Kulmbacher, beschäftigt beim Polizeipräsidium Oberfranken, war nicht dienstlich in die Hansestadt abkommandiert. Er hat Urlaub genommen und war freiwillig dort, "um als Vertreter der Gewerkschaft die Kollegen zu betreuen", so der DPolG-Bezirksvorsitzende. "Die Leute haben Einsatzzeiten von 14 Stunden. Es geht darum, dass sie mal auf andere Gedanken kommen. Wir haben für sie und ihre Sorgen ein offenes Ohr."

Trotzdem hat Köhnlein erlebt, was in Hamburg abging. "Bis Donnerstagabend war es noch relativ ruhig. Als die Staatsgäste ankamen, wurden die Aktionen der Chaoten hochgefahren. Marodierende Gruppen mit 30 bis 40 Leuten zogen durch die Stadt. Sie haben zum Beispiel in Altona einfach mal so zehn Autos angezündet", so der Kulmbacher. Und: "Es gab massive Angriffe auf Polizeibeamte. Wir hatten reihenweise Verletzte, auch Schwerverletzte, die ins Krankenhaus mussten."


Geschosse wie Pistolenkugeln

Zum medizinischen Dienst der Polizei, der sich um die Verletzten kümmert, gehört auch Georg Stöckel. Er berichtet von "bösen Verletzungen durch Stahlkugeln", die - mit so genannten Zwillen abgeschossen - die Durchschlagskraft von Pistolenkugeln erreichen. Der Stadtsteinacher Polizeihauptmeister, der sonst bei der Bundespolizei in Bayreuth arbeitet, bestätigt Köhnleins Beobachtung: "Am Donnerstag ging's richtig rund. Es war kriminell." Gegen Polizisten seien auch Brandwaffen wie Molotow-Cocktails eingesetzt worden.

Insgesamt aber, so Stöckel weiter, habe die Polizei die Lage im Griff. Vor allem deshalb, weil schon im Vorfeld viele potenzielle Gewalttäter überprüft und viele Waffen beschlagnahmt wurden.


"Wir bleiben dort, bis es vorbei ist"

Laut Stöckel ist eine Reihe von Beamten aus dem Raum Kulmbach-Bayreuth nach Hamburg entsandt und dort über das ganze Stadtgebiet verteilt. Der Stadtsteinacher rechnet damit, dass er erst am Montag nach Hause kommt: "Wir bleiben dort, bis es vorbei ist."

Seine Einschätzung, dass es sich nicht um normale Demonstranten handelt, sondern um Straftäter, "die nur Krawall und Körperverletzung im Sinn haben", teilt auch der Kulmbacher Polizeigewerkschafter: "Sie miss brauchen das Grundrecht, dass man friedlich demonstrieren darf." Er hat viele oberfränkische Kollegen getroffen: "Jeder hofft, dass es Sonntag wird und dass er gesund heimkommt."


Vorteil: Abgeschiedenheit der Alpen

Dass die Polizei eine derart schwierige Sicherheitslage vorfindet, hängt mit der urbanen Umgebung zusammen, so Köhnlein: "Wir haben den Vergleich zum G7-Gipfel vor zwei Jahren. Damals war die Abgeschiedenheit der bayerischen Alpen ein großer Vorteil. Dort konnte man ein paar Täler absperren und hatte die Lage im Griff." Warum dann so eine brisante Veranstaltung in einer Großstadt wie Hamburg? "Das ist eine politische Entscheidung. Aber wir als Polizei weisen immer auf die besondere Gefährlichkeit hin", betont der Kulmbacher. Es wäre besser, wenn man für derartige Gipfeltreffen Örtlichkeiten auswählt, die besser geschützt werden können.