Viel Zeit für die Presse hat er nicht. Gleich ein wichtiges Gespräch mit dem Personalchef, dann noch die Vorbereitung auf die Schlichtung bei den NGG-Tarifverhandlungen in München: Auch wenn es nur noch vier Wochen sind, bis er Abschied nimmt - Hans Georg-Prehmus setzt sich wie seit Jahrzehnten als Betriebsratsvorsitzender der Kulmbacher Brauerei, einem der wichtigsten Betriebe der Stadt, für die Belange der Arbeitnehmer ein. "Ich wollte mich vor Schwächere stellen, die sich nicht wehren können. Bei mir steht der Mensch im Mittelpunkt", sagt er. Mehr Betriebsrat geht nicht.


Erster Lohn 125 Mark

Welche Karriere Prehmus, der den Großteil seiner Jugend in Mainroth verbracht hat, einmal machen würde, ist zu Beginn seiner Lehre 1967 in der Reichelbräu nicht klar gewesen. Sein Beruf als Brauer und Mälzer hat ihm richtig Spaß gemacht. "125 Mark im Monat waren mein erster Lohn", erinnert sich der 64-Jährige, der 1981 erstmals in den Betriebsrat gewählt worden ist und ein Jahr später gleich zum Vorsitzenden.

Dann macht er das, was die Kollegen von ihm erwarten - er macht seinen Mund auf. "Es hat mir Spaß gemacht, die Interessen der Leute zu vertreten", betont das Brauerei-Urgestein mit 49 Dienstjahren.


Tür immer offen

"Die Tür zu seinem Betriebsratszimmer war immer offen gestanden für alle, die ein Anliegen hatten", bestätigt der katholischer Betriebsseelsorger Eckhard Schneider. Er charakterisiert Prehmus so: "Er ist nicht nur ein körperliches Schwergewicht, sondern ein Meinungsschwergewicht, raue Schale und weicher Kern."

Ein guter Betriebsrat, so Prehmus, nütze im Übrigen nicht nur der Belegschaft, sondern ebenso dem Unternehmen. Betriebsfrieden sei gut fürs Geschäft. Dass die Leute gerne bei der Brauerei arbeiten, dass das Betriebsklima stimmt und dass es fast keine Fluktuation gibt, dafür sei zu großen Teilen der Betriebsrat verantwortlich. Allerdings - das gilt für alle Unternehmen - müsse der Arbeitgeber gewillt sein, "mit dem Betriebsrat zum Wohle aller zusammenzuarbeiten".


Anerkennung vom alten Chef

Seine Tätigkeit hat dem Betriebsratsvorsitzenden auch Anerkennung auf der Arbeitgeberseite eingebracht. Sein früherer Chef Gert Langer (76), der als Architekt der Kulmbacher Brauerei gilt und bis 1999 ihr Vorstand gewesen ist, sagt über Prehmus: "Er war nicht immer einfach, aber wir auch nicht. Trotz der gegensätzlichen Positionen, die wir haben müssen, war die Zusammenarbeit ausgezeichnet. Er hat seine Sache hart vertreten, aber immer sachlich und menschlich einwandfrei. Er und seine Position wurden respektiert." Was Langer dem Arbeitnehmervertreter hoch anrechnet: seine Rolle bei der Zusammenführung der Reichelbräu und der insolventen EKU-Brauerei 1998: "Es ist auch sein wesentliches Verdienst, dass sich die Kulmbacher Brauerei so gut entwickelt hat."

Ein Thema, das Prehmus allerdings gehörig Bauchschmerzen bereitet hat. Beim Zusammenschluss zur Kulmbacher Brauerei seien überwiegend sozialverträgliche Lösungen gefunden, aber eben auch 20 Kündigungen ausgesprochen worden. "Mit den Familien waren 80 Leute betroffen", weiß Prehmus. Das schmerzt.

Neben Betriebsrat, Konzernbetriebsrat, Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und einer Vielzahl weiterer Posten hängt sich der Kulmbacher auch bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten voll rein. Er wird in die Tarifkommission und in den ehrenamtlichen Hauptvorstand gewählt. Die Erfolge der NGG machen ihn stolz. Er kann dazu beitragen, dass bei der Brauerei ein guter Lohn - Tarif eben - bezahlt wird.


Emma und Motorrad

Prehmus will sich im Ruhestand - ab 1. Juni - mehr seiner Familie widmen, insbesondere seiner zwei Jahre alten Urenkelin Emma. Und im Sommer Motorrad fahren - "gemütlich cruisen", wie er es nennt.

Im Betriebsrat ist die Nachfolge geregelt. Martina Weber (51) wird neue Vorsitzende, Thomas Gillich und Achim Schneider ihre Stellvertreter.


Prehmus' Maiaufruf

Und weil am 1. Mai Tag der Arbeit ist, erinnern wir uns an Prehmus' legendären Satz bei jeder Maifeier im Mönchshofgarten, die er als DGB-Ortskartellvorsitzender fast 20 Jahre organisiert hat: "Ich grüße alle Kolleginnen und Kollegen in Wald und Flur, die ihren 1. Mai mit Füßen treten." Sein Appell gilt nach wie vor: "Früh zur Maifeier gehen und nachmittags wandern mit der Familie. Ist doch kein Problem."