Wenn heute in Bayreuth Königin Sylvia von Schweden, Kanzlerin Angela Merkel und das halbe bayerische Kabinett zum Defilee am Festspielhügel erwartet werden, bedeutet das Schwerstarbeit für Polizei und Sicherheitskräfte. Vorteil: Die Prominenz bleibt nur ein paar Stunden. Beim Bierfest hingegen gilt es, zehn Tage lang Tausende Besucher vor (gewalttätigen) Übergriffen zu schützen. Wie dieses Konzept diesmal, am neuen Standort, aussieht, wollten wir von Michael Schmid wissen, dem Projektleiter der Bierwoche.

Herr Schmid, ist aus Sicht der Verantwortlichen der Alternativstandort in der Lichtenfelser Straße mit Blick auf das Sicherheitskonzept einfacher oder schwerer zu handeln als der Zentralparkplatz?
Michael Schmid: Der Umstand, dass das Gelände in der Lichtenfelser Straße deutlich weiträumiger ist als in der Innenstadt, macht es uns grundsätzlich einfacher. Dennoch stellt ein Sicherheitskonzept in der heutigen Zeit an alle Beteiligten sehr große Anforderungen.

Müssen sich die Besucher auf verstärkte Kontrollen einstellen, zum Beispiel Taschenkontrollen?
Wie schon vergangenes Jahr wird es stichprobenartig Taschenkontrollen geben. Wir bitte alle Besucher, möglichst auf Taschen und Rucksäcke zu verzichten.

Wer kontrolliert: Polizei und/oder private Sicherheitsdienste?
Das ist nicht Aufgabe der Polizei, sondern des privaten Sicherheitsdienstes.

Wird der Platz zusätzlich gesichert, beispielsweise mit Betonabsperrungen?
Selbstverständlich wird das Ge lände zusätzlich mit entsprechenden Absperrungen gesichert.

Jüngst gab es Ausschreitungen bei einem Volksfest in Schorndorf. Lassen sich aus solchen Vorfällen Lehren für Kulmbach ziehen? Und wie steht es um Ihr eigenes Sicherheitsgefühl? Haben Sie Bedenken, Großveranstaltungen zu besuchen? Lässt sich überhaupt noch ausgelassen feiern?
Wir sind naturgemäß Woche für Woche auf vielen Großveranstaltungen im ganzen Land unterwegs. Wir erleben dort, dass die Menschen ungezwungen und heiter feiern. Und genau das wünschen wir uns auch für die Bierwoche 2017.
Wir haben für Kulmbach seit Jahren ein sehr umfassendes Sicherheitskonzept. Das wird Jahr für Jahr aufgrund aktueller Gegebenheiten bewertet, weiter entwickelt und - wenn erforderlich - angepasst. Die seit 2016 durchgeführten stichprobenartigen Taschenkontrollen sind bei den Besuchern auf großes Verständnis gestoßen und haben sich aus unserer Sicht bewährt. Außerdem freuen wir uns, dass diesmal wieder Einheiten der Bereitschaftspolizei das Sicherheitsteam verstärken.

Polizei und Rotes Kreuz
sind gut vorbereitet

Beim Thema Sicherheit sind auch Polizei und BRK mit im Boot. Kriminaloberkommissar Dominik Salosnig betont, die Polizeibeamten müssten sich aufgrund der neuen Örtlichkeit auf neue Herausforderungen einstellen - und zwar die Besucherströme betreffend. "Es wird neue Wege geben, auf denen vor allem die abwandernden Gäste das Gelände verlassen."

Im Umgriff des Zeltes, aber auch außerhalb wie beispielsweise am Stadtpark, werde die Polizei durch uniformierte Streifen regelmäßig und deutlich Präsenz zeigen. Eine Aufstockung des Personals sei dabei heuer nicht erforderlich. "Wir sind froh, dass wir an den stärker besuchten Tagen beim Bierfest wieder Unterstützung seitens der Bereitschaftspolizei erhalten."

Für BRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen Dippold bedeutet der neue Spielort keine Änderung an der grundsätzlichen Strategie der Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes: "Wir wollen ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleisten. Für uns geht es, wie immer, in erster Linie um Prävention und die medizinische Erstversorgung von Menschen im Notfall. Deswegen sind die Sanitäter überall auf dem Festgelände anzutreffen und im Notfall auch sofort telefonisch zu erreichen."
Katastrophenschutzbeauftragter Maximilian Türk muss zwar mit neuen Standorten für die Rettungsfahrzeuge kalkulieren - er rechnet aber mit ähnlichen Besucherzahlen wie in den Vorjahren. "Das ist auch die Berechnungsgrundlage für unseren Personaleinsatz."