Schmerzen, Ängste, fehlender Lebensmut - wie sich Menschen in den Wochen und Monaten vor dem Tod fühlen, ist ganz unterschiedlich. Doch eines steht fest: Wer Menschen in dieser letzten Lebensphase begleitet, hat eine ganz besondere Verantwortung. Die Arbeiterwohlfahrt setzt daher auf eine Zusatzausbildung möglichst vieler ihrer Altenpflegerinnen und Altenpfleger in den verschiedenen Einrichtungen und auch im ambulanten Pflegedienst.

Da kommt die Spende der Manfred-Roth-Stiftung genau richtig. 20 000 Euro hat sie der Awo, weitere 20 000 Euro der Diakonie im Landkreis Kulmbach für die Verbesserung der Pflege und Betreuung alter Menschen zur Verfügung gestellt. "Ich kenne beide Einrichtungen gut und wusste gleich: Die gehören unterstützt", so Stiftungsratsvorsitzender Klaus Köhler.

Wie Diakonie-Geschäftsführer Karl-Heinz Kuch mitteilt, wird das Geld den beiden Pflegeheimen zur Verfügung gestellt. Die Heimleiter können selbst entscheiden und verschiedene kleinere oder größere individuell passende Verbesserungsmaßnahmen im Sinne der alten Menschen finanzieren.

Kurs dauert 160 Stunden

Awo-Geschäftsführer Peter Konrad gibt das Geld zu hundert Prozent für die weitere Ausbildung seiner Mitarbeiter im Bereich Palliative Care aus. Im vergangenen Jahr haben bereits 16 Mitarbeiter den Kurs über 160 Stunden besucht. Zwei von ihnen sind die Psychogerontologin Rosemarie Ederer und die Pflegefachkraft Nicole Sukale aus dem Seniorendorf Kirschenallee in Thurnau. "Das große Ziel des Kurses ist es, ein Bewusstsein herzustellen, um der Arbeit mit Sterbenden und schwer Kranken nochmal eine andere Wertigkeit zu geben", so Ederer, die als Koordinatorin für die weitere Entwicklung des Prozesses in den Awo-Einrichtungen zuständig ist. Und Nicole Sukale ergänzt. "Es geht eben oft nicht darum, dass wir als Pflegekräfte eine Stunde neben dem Bett sitzen. Wichtig ist vielmehr, dass wir die Zeit, die wir für unsere Bewohner haben, zu hundert Prozent nutzen und nicht schon mit den Gedanken woanders sind. Unsere Bewohner haben unsere volle Aufmerksamkeit verdient."

Auch die Praxis ist wichtig: Welche Medikamente eignen sich zur Schmerzlinderung? Was kann man bei Atemnot noch besser machen? All diesen Fragen wird in der Fortbildung eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Und: Was tue ich, wenn jemand einfach nicht mehr essen möchte oder Getränke verweigert? Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. "Wir nehmen den Willen des Bewohners sehr ernst, denn wir wollen in seinem Sinne handeln. Schließlich gilt es, das Leben für den Bewohner so angenehm wie möglich zu gestalten," so Ederer.
Nicole Sukale ergänzt: "Mir hat es sehr geholfen, mich in die Situation der Bewohner und auch in die der Angehörigen hineinzuversetzen Wir müssen die Gefühle und Gedanken nachvollziehen."

Deshalb gibt es nun auch nach jedem Todesfall eine Nachbesprechung, in der noch einmal erörtert wird, was gut oder schlecht gelaufen ist. All das hilft dem Personal, sich zu verbessern, auch die Frage, wie es den Pflegenden selbst ergangen ist.

In so genannten Palliativbögen sollen die Patienten und die Angehörigen außerdem rechtzeitig ihren Willen bekunden. "Wir müssen wissen: Will der Patient nochmal ins Krankenhaus? Was soll der Arzt im Falle des Falles tun? Nur so können wir im Sinne des kranken Menschen handeln."

Um ihr Wissen in den Häusern weiterzutragen, haben die Teilnehmer des letzten Kurses für ihre Kollegen Schulungen angeboten. Aber das ist natürlich nicht so effektiv, wie wenn mehr Pflegepersonal den vollen Kurs nutzen kann. Und so kommt das Geld der Stiftung über den Kurs direkt der optimalen Betreuung der Seniorinnen und Senioren zu Gute.

Wilhelm Polster von der Manfred-Roth-Stiftung, der zu Lebzeiten ein enger Freund des Stifters war, zeigt sich zufrieden. Ein solcher Kurs - genau wie die Verwendung des Geldes für Anschaffungen,wie es die Diakonie tut - ist ganz im Sinne der Stifter.

Hintergrund

Manfred Roth Stiftung Die Stiftung wurde nach dem Tod von Norma-Gründer Manfred Roth aus dessen Nachlass ins Leben gerufen. Sie verfolgt verschiedene Ziele, unter anderem die Altenpflege. Die Höhe des Stiftungskapitals wollen die Stifter nicht preisgeben.