Kulmbach
Jahrzehntenlanger Kampf

"Zustand nicht hinnehmbar": Wird Kulmbachs Bahnhof endlich barrierefrei?

Wird Kulmbachs Bahnhof nach jahrzehntelangem Kampf endlich barrierefrei? Die Stadt spricht von einem "nicht hinnehmbaren Zustand". Der Oberbürgermeister will nun eine neue Chance beim Schopf packen.
Kulmbach: Wird der Bahnhof endlich barrierefrei? Stadt startet neuen Anlauf
Trotz jahrzehntelangem Bemühen ist der Kulmbacher Bahnhof noch immer nicht barrierefrei – in vielen Augen ein Ärgernis. Doch nun gibt es neue Hoffnung. Foto: inFranken.de
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  • Nach jahrzehntelangem Kampf: Bahnhof Kulmbach soll endlich barrierefrei werden
  • Zustand laut Stadt "nicht hinnehmbar" - Bahn-Beauftragter der Bundesregierung vor Ort
  • Bayerns Verkehrsminister überzeugt: Barrierefreier Ausbau "in meinen Augen ein Muss"
  • Minister gibt Stadt wertvollen Rat - Dankbarer OB will Chance "zweifelsfrei" ergreifen

Fahrstuhl? Fehlanzeige! Weil der Kulmbacher Bahnhof nicht barrierefrei ist, stellt er für viele Menschen ein wiederkehrendes Ärgernis dar. Fahrradfahrer und Eltern mit Kinderwagen haben es schwer. Noch herausfordernder ist die Situation für Rollstuhlfahrer - sie haben ohne fremde Hilfe gänzlich das Nachsehen. Laut der Stadt Kulmbach setzen sich die politischen Verantwortlichen der Stadt seit Jahrzehnten für eine Verbesserung der Umstände am Bahnhof ein - bislang allerdings vergebens. Nun startet Kulmbach einen erneuten Anlauf - nach einem Schreiben des bayerischen Verkehrsministers.

Barrierefreier Bahnhof Kulmbach: Stadt unternimmt neuen Anlauf - "Ausbau in meinen Augen ein Muss"

Mitte Juli verschaffte sich zunächst Michael Theurer (FDP), der Bahn-Beauftragte der Bundesregierung, persönlich ein Bild vom "nicht hinnehmbaren Zustand des Kulmbacher Bahnhofes", so der O-Ton der Stadt. Er verwies hierbei auf eine mögliche Förderung des barrierefreien Ausbaus mittels des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG), bei dem sich Bund, Land und Kommune die Kosten teilen. Theurer zufolge sei es allerdings zuerst nötig, den Freistaat Bayern um die Bereitstellung der entsprechenden Gelder zu bitten. 

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Dies geschah laut Angaben der Stadt Kulmbach dann sogar persönlich: Im Vorfeld der Eröffnung der 71. Kulmbacher Bierwoche Ende Juli trafen sich Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) und Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) zu einem Gespräch. In diesem stellten OB und Landrat dem Minister die Zustände des Bahnhofs und die Möglichkeit zur Förderung eines barrierefreien Umbaus durch das GVFG dar. Der Stadt Kulmbach zufolge versprach der Verkehrsminister, sich dem Thema anzunehmen. Inzwischen hat sich Bernreiter in einem Schreiben an Oberbürgermeister Lehmann gewandt.

"Ich konnte mir bei meinem Besuch im Juli persönlich einen Eindruck vom Zustand des Bahnhofes Kulmbach verschaffen", erklärt Bayerns Verkehrsminister darin. "Der barrierefreie Ausbau ist in meinen Augen ein Muss." Gleichzeitig stellt er klar, dass eine Förderung mittels Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz durch den Freistaat Bayern voraussetze, dass der Bund die Regionalisierungsmittel massiv erhöht, um eine Kofinanzierung zu ermöglichen.

Barrierefreier Bahnhof - Kulmbachs OB will ersten Schritt gehen: "Chance zweifelsfrei ergreifen"

Bernreiter riet der Stadt Kulmbach zugleich, die Deutsche Bahn mit der Planung des barrierefreien Umbaus eigenständig zu beauftragen. Der Grund: Bahnhöfe, bei denen bereits Baurecht oder zumindest Vorplanungen existierten, hätten bei der Berücksichtigung zuletzt höhere Chancen gehabt. "Sollte dieser Anregung gefolgt werden, wird mein Haus angesichts der dann bestehenden Mittelsituation prüfen, ob eine finanzielle Unterstützungsmöglichkeit der Stadt Kulmbach im Rahmen ihres Kofinanzierungsanteils besteht", hielt der Minister fest.

Oberbürgermeister Ingo Lehmann reagierte mit Dank auf das Schreiben des bayerischen Verkehrsministers. Es sei "ein äußerst erfreuliches Signal", dass auch Bernreiter davon überzeugt sei, dass der Bahnhof-Umbau "ein Muss" und für eine Stadt wie Kulmbach im aktuellen Zustand "nicht hinnehmbar" sei. Seit über zwei Jahrzehnten setzten sich die politischen Verantwortlichen in Kulmbach für eine Verbesserung der Zustände ein. "Leider wurden wir immer wieder vertröstet, haben Absagen erhalten oder sind aufgrund unserer Fahrgastzahlen stets aus dem Förderrahmen möglicher staatlicher Förderprogramme gefallen", beklagt der OB in seiner Antwort an den Minister, die inFranken.de vorliegt.

Eine Sanierung gänzlich aus eigener Kraft, also mit voller Kostenübernahme durch die Stadt Kulmbach, sei aufgrund der angespannten finanziellen Situation nicht darzustellen, betont Lehmann. Wenn nun aber die finanzielle Unterstützung durch den Freistaat möglich sei, sofern die Stadt den ersten Schritt gehe, "werden wir diese Chance zweifelsfrei ergreifen", erklärt Kulmbachs Stadtoberhaupt. Die Stadt nimmt damit einen neuen Anlauf zu einem barrierefreien Bahnhof in Kulmbach.

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