Bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten bemühen sich die Kulmbacher Lokalpolitiker parteiübergreifend um den barrierefreien Umbau des Kulmbacher Bahnhofs - bislang ohne Erfolg. Jetzt zeichnet sich zumindest ein Hoffnungsschimmer ab. Der Parlamentarische Staatssekretär Michael Theurer (FDP) reagierte auf ein Schreiben von Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) und Stadtrat Thomas Nagel (FDP) an das Bundesverkehrsministerium und kam am Montagvormittag in die Bierstadt, um den Bahnhof zu begutachten.

"Es ist immer besser, die Situation vor Ort zu sehen, um den Handlungsbedarf entsprechend zu bewerten." Dass in Kulmbach Handlungsbedarf bestehe, bestätigte Staatssekretär Theurer, jedoch könne er eine schnelle Abhilfe dennoch nicht in Aussicht stellen, "die Infrastruktur genügt leider in vielen Fällen in ganz Deutschland nicht mehr." Die Sanierungsliste der DB Station & Service, die für die Bahnhöfe in Deutschland zuständig ist, sei lang. Allerdings sei ein barrierefreier Ausbau für den Kulmbacher Bahnhof mit immerhin 1600 Reisenden pro Tag angemessen.

Oberzentrum, aber leer ausgegangen

Michael Theurer verstehe zum Beispiel nicht, weshalb sich Bayern 2021 im Rahmen des Barrierefreiheitsprogramms des Bundes für den Umbau der beiden Bahnhöfe Gunzenhausen und Kaufbeuren entschieden habe und Kulmbach - immerhin Oberzentrum und Universitätsstandort - leer ausgegangen sei. Ein Pilotprojekt, auf das Kulmbach stark gehofft habe, nachdem bereits der damalige Ministerpräsident Seehofer barrierefreie Bahnhöfe bis 2023 versprochen habe, ergänzte Landtagsabgeordnete Inge Aures (SPD).

Auch Landrat Klaus Peter Söllner (FW) bekräftigte, dass es wohl kaum ein Oberzentrum mit einem Bahnhof in einem solchen Zustand gebe. Im vergangenen Jahr habe es zwar Mittel aus zwei Förderprogrammen des Bundes in einer Gesamthöhe von ca. 500.000 Euro gegeben, "diese Förderung war jedoch ausdrücklich nur für die Renovierung bzw. Instandhaltung des Bahnhofsgebäudes gedacht", so Lehmann. Mit einem Kinderwagen und einem Rollstuhl ging es am Montag dann nach einem ersten Austausch zur Begehung des Bahnhofs, und Staatssekretär Theurer durfte mit anpacken.

Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) appellierte indes an Michael Theurer, den ländlichen Raum nicht zu vergessen, und dankte für das Interesse des Staatssekretärs. Die Senioren- und Behindertenbeauftragte der Stadt Kulmbach, Christina Flauder (SPD), berichtete von der Frustration, die sich inzwischen in der Bevölkerung breitmache. Mit jedem Besuch werde die Hoffnung erweckt, dass sich dieses Mal etwas ändere. "Ich will Ihnen nichts versprechen, aber am aussichtsreichsten scheint mir die Lösung mit einer Förderung über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) zu sein", sagte Staatssekretär Theurer.

Förderung bis zu 60 Prozent

In diesem Fall würde der Bund bis zu 60 Prozent Fördermittel für den barrierefreien Ausbau des Kulmbacher Bahnhofs bereitstellen, der Rest wäre Sache des Freistaats und der Kommune. "Das Land Bayern und die Stadt Kulmbach müssen gemeinsam einen entsprechenden Antrag beim Bund stellen." Darum will sich Lehmann auch schnellstmöglich kümmern.

Bei der Begehung wurde schließlich laut über weitere Möglichkeiten und Zwischenlösungen nachgedacht. So brachte Bürgermeister Ralf Hartnack (WGK) etwa einen ausklappbaren Treppenlift ins Gespräch, wobei seitens der Bahn bereits einmal das Anbringen von Rampen an den Treppen abgelehnt worden sei. Auch die Möglichkeit einer Verschiebung von Geldmitteln wurde von Lehmann und Stadtrat Thomas Nagel in Erwägung gezogen.

"Es sollen jetzt 90 Millionen in den Tunnelbau bei Kauerndorf fließen, für den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs bräuchten wir nicht so viel", so der OB. Dabei habe er nichts gegen den Tunnelbau, sondern er stelle sich die Frage: "Warum gerade jetzt? Im letzten halben Jahr hat sich die Situation stark verändert." Thomas Nagel stimmte dem OB zu, indem er befürwortete, wertvolle Mittel in sinnvolle Projekte zu investieren, "am Ende zahlt das doch der Bürger." Den Bahnhof Kulmbach barrierefrei zu gestalten käme einem Großteil der Bevölkerung zugute, denn das betreffe ja nicht nur Kinderwägen und Rollstühle, sondern auch Fahrräder oder schweres Gepäck.

"Ich bin jedenfalls sehr zufrieden, dass Michael Theurer heute nach Kulmbach gekommen ist, das ist ein wichtiges Signal." Und wenn er noch weitere zehn Jahre für die Barrierefreiheit des Bahnhofs kämpfen müsse, werde er das tun. "Jetzt geht es darum, die Mittel zu finden und dran zu bleiben."