Die Bundesnetzagentur, Bundeswirtschafts minister Sigmar Gabriel, Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer und die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner haben Post aus Kulmbach bekommen: In seiner Resolution bringt der Kulmbacher Kreistag deutlich zum Ausdruck, dass man eine Monstertrasse mit bis zu 70 Meter hohen Strommasten durch den Landkreis - betroffen wären nach den derzeitigen Planungen die Gemeinden Himmelkron und Marktschorgast - nicht haben will. "Wir sind vehement dagegen", versichert Landrat Klaus Peter Söllner.

Er legt dem Kreisausschuss am Montag die verschickte Stellungnahme vor. Darin heißt es, dass die grundsätzliche Notwendigkeit der Trasse angezweifelt wird. "Die Gleichstrompassage Süd-Ost stellt für die betroffenen Kommunen und den gesamten Landkreis eine Belastung ohne Nutzen dar", schreibt der Kreistag. Der Landkreis leiste mit zahlreichen Windkraft- und Photovoltaikanlagen seinen Beitrag zur Energiewende. "Weitere Belastungen durch eine Stromautobahn sind den Bürgern nicht zumutbar." Stattdessen sei eine sinnvolle Ausgestaltung einer dezentralen Energieversorgung in Bayern notwendig, schreibt der Kreistag und begründet sein Nein zur Monstertrasse auch mit Gesundheitsgefährdung durch elektrische und magnetische Felder.

Landrat Söllner bezeichnet es als "gute Nachricht", dass sich auch Ministerpräsident Seehofer gegen die Gleichstrompassage Süd-Ost ausgesprochen hat. "Aber wir sollten nicht nachlassen, unsere Position mit Nachdruck zu vertreten", sagt er.

"Die Trasse darf als Freileitung nicht gebaut werden", betont der CSU-Fraktionsvorsitzende und Himmelkroner Bürgermeister Gerhard Schneider. Allenfalls komme eine Erdleitung in Frage. "Im Kampf gegen die Monstertrasse brauchen wir jede Unterstützung", erklärt er.

Energiewende "gefrostet"

Nach Ansicht von Hermann Anselstetter (SPD) müsste man das Motto der Monstertrassen-Gegner "Das lassen wir uns nicht gefallen" auch auf die Energiewende in Bayern übertragen. Denn mit der von der Staatsregierung ausgegebenen 10 H-Regelung beim Bau von Windrädern, die demnach mindestens zwei Kilometer - zehnmal die Höhe - von Wohnsiedlungen entfernt sein müssen, sei die Windkraft in Bayern gestorben.

"Die Menschen sind gefrustet - die Energiewende ist gefrostet", so Anselstetter. Man solle der Staatsregierung zu verstehen geben: "Das lassen wir mit uns nicht machen!"


"Oberfranken darf nicht mit Windrädern vollgepflastert werden"

Dagegen äußert Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) Verständnis für die Bürger, die in der Nähe von geplanten Windparks wohnen: Denen gebe die 10 H-Regelung die Gewähr, dass ein entsprechender Abstand eingehalten wird. "Oberfranken darf nicht die Region sein, die mit Windrädern vollgepflastert wird, während die Gewinne in die Regionen abfließen, wo die Investoren wohnen und keine oder wenige solcher Anlagen stehen", meint Schramm.