In mehr als 150 Ländern weltweit wollen am Freitag Menschen für eine konsequente Klimapolitik demonstrieren. Allein in Deutschland sind bisher rund 500 Demonstrationen der Initiative Fridays for Future angemeldet. Auch in Kulmbach wird es einen Klimastreik geben. Beginn ist um 11.30 Uhr auf dem Marktplatz. Stellvertretend für das Planungsteam liefert Laura Meile mit Unterstützung ihrer Mitstreiter einige Fakten zum Thema. Am Freitag geht Fridays for Future in eine neue Runde. Was sind das für Leute, die sich daran beteiligen werden? Laura Meile: Das Motto des dritten globalen Klimastreiks am Freitag ist #AlleFürsKlima. Damit soll jeder, generationenübergreifend, angesprochen werden. Wir erwarten Schüler*innen, Student*innen, Auszubildende, Eltern und Großeltern. Jeder ist vom Klimawandel betroffen und sollte sich der Verantwortung bewusst sein. Wie groß ist das Kulmbacher Aktionsbündnis mittlerweile? Ist es ein fester Kreis oder eher ein loser Zusammenschluss? Wir sind eine feste Gruppe von mittlerweile neun Jugendlichen, die die Demonstrationen und alle anderen Veranstaltungen, die im Rahmen von Fridays for Future in Kulmbach stattfinden, organisieren. Euch wird von Kritikern immer wieder vorgeworfen, die Schule zu schwänzen. Es heißt, ihr solltet lieber lernen und in eure Bildung investieren. Was sagt hr dazu? Bis jetzt haben - mit einer Ausnahme - all unsere Aktionen immer nach der Schule stattgefunden. Die Stunden, die wir verpassen, arbeiten wir sofort am Wochenende nach und versäumen dadurch keinen Stoff. Fridays for Future bekäme die mediale Aufmerksamkeit, die wir mittlerweile bekommen, niemals, wenn wir nur während unserer Freizeit protestiert hätten oder protestieren würden. Wenn wir allerdings unsere Schulpflicht verletzen, sind wir der Politik ein Dorn im Auge und bauen dadurch den Druck auf, dass jetzt gehandelt werden muss. Und dazu kann man nur das Zitat von Greta Thunberg hinzufügen: "Why should I be studying for a future that soon may be no more?" (Warum soll ich für eine Zukunft lernen, die es bald nicht mehr geben könnte?)Wenn wir nicht endlich etwas verändern, bringt uns alle Bildung nichts mehr. Es gibt auch Menschen, die ziemlich zynisch behaupten, die jungen Leute ließen sich von den Eltern mit dem SUV zur Demo fahren und gingen hinterher zu McDonalds essen. Was sagt ihr dazu? Natürlich gibt es immer schwarze Schafe, die die Demos tatsächlich nur zum Schule schwänzen ausnutzen und denen der Klimaschutz egal ist, aber das ist, dadurch dass wir mit Sanktionen zu rechnen haben und großteils unsere Aktionen in unserer Freizeit stattfinden lassen, eine geringe Minderheit der Demonstranten.

Die Personen, die zu unseren Demos gehen, wissen um die Ernsthaftigkeit des Themas und um die Notwendigkeit, sowohl als Einzelner zu handeln, als auch die Politik endlich zum Handeln zu bringen. Mit solchen Anschuldigungen wird zudem meist nur vom eigenen Unwohlsein abgelenkt und die Schuld für die Klimakrise bei anderen gesucht. Doch warum sollten wir uns davon verunsichern lassen? Könnt ihr ein paar Beispiele dafür nennen, wie man in seinem ganz eigenen Lebensbereich etwas tun kann, um klimafreundlicher zu leben? Ein einfacher Schritt ist es, auf sein Auto oder Motorrad zu verzichten und stattdessen den Bus oder das Fahrrad zu nehmen oder kurze Strecken einfach zu Fuß zu gehen. Ein großer Teil unseres CO2- Fußabdruckes ist auch durch den Konsum von tierischen Produkten bedingt, sei es durch den Methanausstoß der Tiere oder durch die Abholzung von großen Waldflächen für die Futterproduktion. Wenn man seinen Fleischkonsum reduziert oder auf eine vegetarische Ernährung umsteigt, tut man der Umwelt viel Gutes. Genauso einfach ist es, seine Einweg- Wasserflasche gegen eine wiederauffüllbare Version aus Glas zu ersetzen. Zum Bäcker, zur Käsetheke oder für Obst und Gemüse kann man seine eigenen verschließbaren Schüsseln und Beutel mitbringen und damit auf Plastik- und Einwegverpackungen verzichten.

Aber schlussendlich kommt es nicht nur auf das kleine Handeln des Einzelnen an, sondern, dass global und von der Politik gesteuert grundlegende Veränderungen stattfinden müssen. Die ganze Welt muss Klimaschutz fördern und fordern. Und dazu ist letztendlich die Politik nötig. Was wünscht ihr jungen Leute euch von den Älteren? Das Bewusstsein für die Klimaproblematik hat sich im letzten Jahr stark vergrößert, aber viele wissen immer noch nicht wie ernst die Lage ist und was eine Überschreitung des 1,5-Grad-Ziels, auf die wir gerade hinsteuern, für enorme und irreversible Folgen haben wird. Wir wünschen uns jetzt nicht nur von der älteren Generation, sondern auch von unserer Generation, dass das Bewusstsein für die Ernsthaftigkeit der Situation sich noch weiter steigert.

Auch die Bereitschaft, bei sich selbst anzufangen und etwas zu ändern sollte sich erhöhen. Von der Politik fordern wir Handlungen. Wir müssen jetzt etwas verändern, um Ziele wie die globale CO2-Neutralität bis 2050 und die CO2-Neutralität Deutschlands bis 2035, zu erreichen. Nicht umsonst hat sich auch die Gruppe Scientists for Future gegründet, die als Wissenschaftler auf die Folgen des Klimawandels für die Umwelt und unsere Gesundheit hinweisen. Darauf muss die Politik endlich hören.

Und das sagen die Schulen

Das Engagement der jungen Leute, die sich am Freitag - auch in Kulmbach - für einen besseren Klimaschutz starkmachen, stößt nicht überall auf Zustimmung. So hat beispielsweise der bayerische Kultusminister Michael Piazolo in einem Gespräch mit dem Radiosender Antenne Bayern die Schüler im Freistaat gewarnt, sich während der Schulzeit an den Fridays-for-Future-Protesten zu beteiligen. Piazolo forderte die Schulleiter auf, "angemessen zu reagieren" - und verwies auf die Schulpflicht. Das heißt: Wer nicht zur Schule geht, sondern zur Demo, muss mit Ordnungsmaßnahmen rechnen - Nachsitzen, Verweis oder gar Bußgeld. Konsequent reagieren werden deshalb die beiden Kulmbacher Gymnasien. Hatte man vor etlichen Wochen den Schülern noch unter bestimmten Voraussetzungen eine Teilnahme am Fridays-for-Future-Protest ermöglicht, um zu signalisieren, dass auch die Schulleitungen ein Engagement für den Klimaschutz unterstützen, wird es jetzt keine Sonderregelung geben. "Wir haben uns in der Schulleitung darauf verständigt, dass auch am Freitag die übliche Pflicht zur Teilnahme am Unterricht gilt", sagt Armin Motschenbacher, stellvertretender Schulleiter des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums. Das bedeutet: "Wer dem Unterricht unentschuldigt fern bleibt, muss mit einer Ordnungsmaßnahme rechnen."

Am Caspar-Vischer-Gymnasium bekommen wir eine ähnliche Auskunft. Schulleiterin Ulrike Endres betont, dass der Klimaschutz an sich durchaus unterstützenswert sei. So gebe es an der Schule auch Aktionen, bei denen die Schüler selbst einen Beitrag leisten könnten. Auch sie verweist allerdings auf die Unterrichtspflicht. Und die Fachoberschule? Auch da gelten am Freitag die Vorschriften, sagt FOS/BOS-Schulleiter Alexander-Battistella: "Wer unentschuldigt fehlt, muss Ordnungsmaßnahmen in Kauf nehmen."