Sind Sie Raucher und mehr der Blumen-Typ? Oder der Maler, der Matrose oder die qualmende Venus vom FKK-Strand? Kein Problem, für fast jeden Geschmack ist bei den neuen Kulmbacher Kippendösla etwas dabei. Sie wurden gestern im Kulmbacher Stadtrat vorgestellt und sollen dazu beitragen, dass Kulmbach sauberer wird.

Nach Ansicht von Dagmar Keis-Lechner (Grüne) und Dieter Hägele (CSU) ist es eine Sauerei, Zigarettenkippen einfach wegschmeißen. Auf Straßen, Gehwegen, in Parks und auf Kinderspielplätzen schaut es nicht selten entsprechend aus. Die Hinterlassenschaften der Raucher zu beseitigen, sei ein immenser Aufwand. Die Problemlösung der kleinen grün-schwarzen Koalition heißt: Taschenaschenbecher.

Kulmbacher Kippendösla sollen Straßen und Parks sauberer machen

Laut Keis-Lechner seien zunächst 500 Kippendösla mit einem "netten Design" von der Firma BAT geliefert worden. Ihr Kollege Hägele möchte innen noch eine Beschriftung anbringen: "Kulmbach bleibt sauber." Wegen der Coronabeschränkungen konnten die Taschenaschenbecher noch nicht verteilt werden, sagte Keis-Lechner. Die Ausgabe solle nun ab Dienstag im Rathaus beginnen. Danach wolle man auch Geschäfte und Gastronomie beteiligen.

Die Kippendösla sind fast mit null Kosten verbunden, hier kommt es vor allem auf den guten Willen der Raucher an. Dafür wäre der geplante siebengruppige Aqua-Kindergarten eine teure Angelegenheit für die Stadt Kulmbach gewesen. Kulmbach wollte als erste Kommune beim Hallenbad einen Kindergarten mit eigenem Schwimmbecken bauen. Das Prestigeprojekt wurde gestern aus Kostengründen eingestampft.

"Es hatte Charme, es war interessant, aber wir sind zur Überzeugung gekommen, es nicht weiter zu verfolgen", sagte Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD). Man habe keinen Träger gefunden, die Verlegung der Parkplätze und die Beseitigung der Altlasten wären teuer gewesen. Die Stadt Kulmbach hätte Kosten von 4,8 Millionen Euro schultern müssen. Lehmann: "Wir müssen in Coronazeiten die Finanzen im Auge behalten. Das Projekt ist aus unserer Sicht nicht darstellbar."

Aus für Aqua-Kindergarten

Widerspruch gab es von Thomas Nagel (FDP), der wie Wolfram Brehm (CSU) gerne an dem Vorhaben festgehalten hätte. Der Aqua-Kindergarten wäre für Kulmbach ein Alleinstellungsmerkmal gewesen. Denn in Coronazeiten lernen immer weniger Kinder schwimmen. Bei der Kinderbetreuung dürfe man sich nicht zurückziehen. "Man muss von einem toten Pferd absteigen. Wir steigen ab, bevor das Rennen begonnen hat", sagte er. Sein Vorschlag: "Planen, Fördergelder akquirieren, einen Betreiber suchen - und noch einmal einen Versuch starten."

Nagel war ferner der Ansicht, dass man die Maskenpflicht im Freien in der Kulmbacher Innenstadt aufgrund der sinkenden Inzidenzwerte lockern könnte. Hier könne die Stadt, so Geschäftsleiter Matthias Schmidt, nichts entscheiden. Man müsse sich nach den Vorgaben des Landratsamts richten. Die aktuelle Verordnung gelte bis zum 2. Juni. OB Lehmann sicherte zu, dass er deswegen Landrat Klaus Peter Söllner ansprechen werde.

Hagen Hartmann (AfD) ist es "unangenehm aufgefallen", dass bei der Oberflächensanierung der Buchbindergasse der Gehsteig auf der Seite der "Alten Feuerwache" ein merkwürdiges Gefälle ("sehr schief") aufweist. Ingo Wolfgramm vom Tiefbauamt der Stadt wies darauf hin, dass es sich in der Buchbindergasse nicht um einen kompletten Neubau handelt. Früher habe es Bordsteinhöhen von zehn Zentimetern gegeben, jetzt seien wegen der Barrierefreiheit nur noch drei Zentimeter zulässig. Aber dennoch habe man "Zwangspunkte", die eingehalten werden müssten: Anschlüsse, Eingänge, Zufahrten. Deshalb sei die Querneigung des Gehsteigs ein Kompromiss. "Das ist technisch nicht anders möglich", sagte er. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sei die Neigung "nicht ganz so groß".

Mittelau-Kreuzung wird aufgewertet

Die Kreuzung beim Media-Markt in der Mittelau ist seit langem ein problematischer Verkehrsknoten. Es wäre ein Segen, wenn man heute den von OB Inge Aures (SPD) auf den Weg gebrachten, aber von ihrem Nachfolger Henry Schramm (CSU) gestoppten Kreisverkehr hier hätte.

Aber jetzt ist die Kreuzung so, wie sie ist, und Dieter Hägele (CSU) monierte, dass sich die Verkehrssituation aktuell noch verschlechtert habe - besonders für Linksabbieger von der E.-C.-Baumann- in die Saalfelder Straße und von der Saalfelder in die Albert-Ruckdeschel-Straße. Die Problematik ist im Tiefbauamt der Stadt bekannt. Erstens, so Ingo Wolfgramm, seien die Detektoren defekt, die den Verkehr in der E.-C.-Baumann-Straße erfassen und steuern. Es gebe derzeit Lieferschwierigkeiten. Aber der Austausch erfolge schnellstmöglich. Zweitens habe eine Verkehrsschau ergeben, dass es beim Linksabbiegen in die Albert-Ruckdeschel-Straße teilweise zu kritischen Situationen kommt. Hier werde in den nächsten Wochen die Programmierung geändert. Dann hätten die Fußgänger und die Geradeausfahrer grün. Für die Linksabbieger werde eine nachlaufende Grünphase eingerichtet. "Dann sollte alles funktionieren", meinte er.