Viele erinnerten sich, dass von Seiten des Architekten immer wieder und sehr lange betont wurde, dass man sich im geplanten Kostenrahmen bewege. Noch bei der Einweihung war von einer geringfügigen Überschreitung von vier Prozent die Rede, die voll zu Lasten der Kirchengemeinde gehe. Jetzt stellte sich für die Gemeinderäte die Frage, ob, und wenn ja in welcher Höhe sich die Kommune an diesem Fehlbetrag beteiligt.

Besonders an einem Punkt der detailliert aufgelisteten Kostenüberschreitungen entzündete sich in der Sitzung am Montagabend eine rege Diskussion: Übereinstimmend reagierten alle Mitglieder des Gremiums mit Unverständnis auf die Erhöhung der Planungskosten um etwa 35 000 Euro.

"Nicht solide kalkuliert"

Eine Auswahl der durchwegs kritischen Kommentare: "Der Architekt hat die Höhe der Gesamtmaßnahme immer damit gerechtfertigt, bei der
Ansetzung der einzelnen Gewerke extrem hochpreisig geplant zu haben, um damit von vornherein Mehrkosten auszuschließen. Ich muss jetzt feststellen: Es wurde nicht solide kalkuliert" (Mark Ständner, CSU/NWG); "Die vom Architekt vorgebrachten Begründungen für die Planungsmehrkosten sind schon dreist" (Friedrich Weinlein, WB); "Bis zur Einweihung hörte man vom Architekt: Wir sind im grünen Bereich. Für mich sind die Mehrkosten durch Planungsfehler entstanden" (Emil Lauterbach, CSU/NWG); "Die Erhöhung der Planungskosten sind im Finanzausschuss allen aufgestoßen. Das können wir nicht unterstützen" (Zweiter Bürgermeister Albert Kolb, SPD/WG).

Zumindest bei den Mehrkosten im baulichen Bereich erhielt der Architekt Unterstützung von Helmut Küfner (SPD/WG): "Wir sind bei den Ausschreibungen in eine Hochkonjunkturphase geraten. Die Auftragsbücher der Firmen waren voll, entsprechend fielen die Angebote aus."

Die Leiterin der Verwaltungsgemeinschaft, Karin Holzbecher, wies auf Anfrage darauf hin, dass auf die Mehrkosten keine Zuschüsse zu erwarten sind: "Die Höchstförderung hierfür ist bereits ausgereizt."
Genauso ergeht es der Kirchengemeinde. "Wir müssen und wir können auch mit der Situation leben", sieht es Bauherr Pfarrer Peter Ahrens realistisch. Auch er müsse schauen, wie er mit den Mehrkosten zurechtkomme. "Der Zuschuss, den wir von der Landeskirche erhalten haben, war gedeckelt. Da können wir nichts mehr erwarten. Wir werden uns im Kirchenvorstand darüber unterhalten, ob wir bei den derzeit günstigen Bedingungen eventuell ein kleines Darlehen aufnehmen."

Letztendlich folgten die Räte gegen die Stimme von Mark Ständner der Empfehlung des Finanzausschusses, vom rein baulichen Anteil des Defizits die Hälfte, das sind 35 000 Euro, zu übernehmen.