Es war eine Open-Air-Veranstaltung mit etwas Anlauf. Eigentlich sollte es in der vergangenen Woche das nach dem schrittweisen Aufheben des drei Monate dauernden Lockdowns erste öffentliche Konzert im Landkreis werden. Mit Rücksicht auf die Ereignisse vom letzten Wochenende am Badesee wurde es um eine Woche verschoben.

Das Wichtigste zuerst: "Goller & Götz" können's noch. Gelernt ist eben gelernt. Und: Auf die treuen Fans ist Verlass. Auch in einer Zeit, in der alles etwas anders abläuft: Besucherzahl streng limitiert, Ticketausstellung personalisiert mit Kontaktdaten, Einhaltung des Mindestabstands, Tragepflicht für Mund-Nasen-Masken - zumindest bis man den zugewiesenen Platz eingenommen hatte. "Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt funktionierte bestens", lobte Tom Götz.

Das Netz war keine Alternative

Vier Monate ohne Konzerte und Proben, ist das nicht die Höchststrafe für einen Musiker? "Entzugserscheinungen bekommt man nicht direkt, denn man spielt ja für sich zuhause. Aber man sehnt sich schon danach, wieder mal die Instrumente einzuladen und zu einem Auftritt zu fahren", freute sich Tom Götz, die eine Hälfte von "Goller & Götz".

Viele Gruppen präsentierten sich in dieser Zeit im Netz. Das war für das Duo keine Alternative. "Wir covern ja viel. Und Coversongs im Internet zu streamen finden wir ziemlich albern. Wir genießen bei unseren Konzerten schon die prickelnde Live-Atmosphäre und den Applaus. Das fehlte natürlich die letzten Monate." Im Sommerhalbjahr spielen sie normalerweise fast jede Woche. Bis auf wenige Ausnahmen wurden mindestens zehn Konzerte - Naturbühne Trebgast, Stadtfest Rehau, Wiesenfest Münchberg, Weinfest Goldkronach, um nur einige zu nennen - bis August abgesagt. Das Duo hofft, dass zumindest die Herbst-Termine stattfinden können.

Ungezwungene Atmosphäre

Mit der Abstandsregelung hatten weder die Besucher, noch die beiden Musiker ein Problem. "Hört ihr uns überall?", fragte Thomas Goller, denn das Duo musste ja - ungewohnt unter einem Ahornbaum spielend - einen Radius von 180 Grad abdecken. Zusätzlich wehte zeitweilig eine kräftige Brise vom See her. Die Zuschauer wussten, was sie erwartet: ein Konzert in einer ungezwungenen, fast schon familiären Atmosphäre.

Mit den "besten Songs der Welt" präsentierten "Goller & Götz" dem Publikum einen Querschnitt durch die Rock- und Pophistorie der 70er- und 80er-Jahre, gefühlvoll gesungen und sparsam instrumentalisiert mit Gitarre, E-Piano und Mundharmonika, unterstützt von gefühlvollem Solo- und zweistimmigem Gesang Und das alles bei Bratwurst, Weißbier und Aperol Spritz.

Bekannte und vertraute Stücke, Ohrwürmer wie "Tequila Sunrise" von den Eagles, "Piano Man", 1973 der erste große Erfolg von Billy Joel, und "Boys of Summer" von Eagles-Sänger Donald Hugh Henley, der dafür 1986 einen Grammy erhielt, wechselten sich ab mit nicht so oft gespielten Liedern, wie "The Great Suburban Showdown" von Billy Joel, und "Wasted on the Way" von Crosby, Stills & Nash. Für viele neu war das Lied "Cello" von Udo Lindenberg, das daran erinnert, dass der Panikrocker tatsächlich mal ganz passabel singen konnte. Nicht fehlen durfte "American Pie" von Don Mac Lean, eine Hommage an Buddy Holly, Ritchie Valens und J. P. Richardson, die am 3. Februar 1959 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kamen ("The Day the Music Died"). Und nicht zuletzt einer der ältesten Songs im Programm des Duos: "Don't think twice, it's allright" von Literatur-Nobelpreisträger Bob Dylan (2017). Übersetzung von Thomas Goller: "Denk net drüber nach, es bassd scho."

Es passte wirklich alles an diesem Abend. "So scheena Bumm muss mer einfoch live seng" war dann auch der allgemeine Tenor, nachdem die Musiker die sachkundigen Besucher noch nach ihren "Autokino"-Erfahrungen befragt hatten.