8 Uhr morgens in einem Klassenzimmer der Kasendorfer Grundschule. Einzelne Schüler haben sich schon ihre Arbeitsblätter geholt und schreiben die Bedeutung von Verkehrszeichen in die Lücken, andere malen die Zeichen in den richtigen Farben aus. Die einen können schon schreiben, die anderen müssen es noch lernen. Kein Wunder, dass der Wissensstand der Schüler so unterschiedlich ist, schließlich sind einige erst vor wenigen Wochen eingeschult worden, andere gehen schon in die zweite Klasse. In Kasendorf wird seit diesem Jahr in einer der landkreisweit 16 jahrgangsübergreifenden Kombiklassen unterrichtet.

Nicht ganz freiwillig

"Am Anfang war das nicht ganz freiwillig," erklärt Schulleiterin Andrea Hofmann. "Wir hatten nur elf Abc-Schützen, für eine eigene Klasse hätten wir 13 gebraucht." Da der vorherige Jahrgang mit 27 Kindern sehr groß war, lag die Variante nahe, diese Klasse zu teilen. Viele Eltern willigten aber sofort ein.

"Für unseren Sohn ist es genau das Richtige", ist sich Heike Hammer aus Krumme Fohre sicher. Sie hat bereits einen älteren Sohn, der im herkömmlichen System unterrichtet wurde, ihr siebenjähriger Janik geht jetzt in die Kombiklasse. "Ich habe das System schon in Ziegelhütten beobachtet und war froh, als es auch bei uns die Möglichkeit gab. Die Kinder bekommen den Stoff vom Vorjahr nochmal ganz nebenbei mit. Das kann nur ein
Vorteil sein", ist sie sich sicher.

Und es gibt noch einen weiteren Vorteil, betont Klassenlehrerin Vera Ramming. "Die Maxis nehmen die Minis an die Hand, das stärkt ihr Selbstbewusstsein enorm.

Organisationstalent ist gefragt

Probleme, den Stoff durchzubekommen hat die erfahrene Lehrerin nicht. "Wenn ich der einen Gruppe in den Hauptfächern etwas erkläre, geht die zweite in den Nebenraum und erledigt dort ihre stillen Aufgaben." Dafür ist jede Menge Organisationstalent gefragt, schließlich soll keine der beiden Gruppen plötzlich ohne Arbeit dastehen.

Den Grundunterricht haben beide Gruppen zusammen. Zum Beispiel Kunst, Religion und Musik, aber auch Heimat- und Sachunterricht. "Konkret läuft das dann so ab, dass wir Themen wie die Verkehrszeichen gemeinsam durchnehmen", so Vera Ramming. "Die Maxis beschreiben, was bei welchem Zeichen beachtet werden muss und wofür es steht. Die Minis malen oder basteln dazu und können sich schon einiges von den Großen abschauen."

In der jetzigen Kombiklasse in Kasendorf sind 19 Schüler - eine vergleichsweise übersichtliche Zahl. Und das ist auch gut so, ist sich die Pädagogin sicher. "In jeder Klasse gibt es Schüler, die stärker sind, und solche, die mehr Unterstützung brauchen. Es gibt Kinder, die passen mehr auf, andere muss man der Hand nehmen, damit sie sich auch konzentrieren. In der Kombiklasse verdoppelt sich die Anzahl der Leistungsgruppen."

Förderlehrerin ist integriert

Damit auch wirklich kein Kind durchs Raster fällt, haben die Kasendorfer eine besondere Möglichkeit geschaffen: Eine Förderlehrerin ist in den Alltag der Kombiklasse integriert. Christiane Nützel kümmert sich zehn Stunden pro Woche um die Kinder, die im Nebenzimmer still arbeiten sollen. So ist sichergestellt, dass sich die Klassleiterin ganz auf den Unterricht konzentrieren kann. "In den Stunden, in denen die Kinder getrennt sind, sind jeweils nur acht beziehungsweise elf Schüler im Klassenraum, da kann man sich um jeden Einzelnen intensiv kümmern. Das ist eine tolle Chance, die man in einer vollen Klasse kaum hat", freut sich Vera Ramming.

Alle hoffen, dass es auch im nächsten Jahr eine Kombiklasse geben kann. "Schließlich sind es 2014 ja nur maximal elf Zweitklässler, da wäre es schon gut, wenn sich einige Eltern einer neuen ersten Klasse für dieses System entscheiden", bemerkt Andrea Hofmann.

Im nächsten Jahr wird ein Jahrgang mit gut 20 Kindern zur Einschulung erwartet. Daraus könnte man gut eine ganze Klasse und eine halbe Kombiklasse bilden. Nach den guten Erfahrungen ist das wahrscheinlich.