Maria und Werner Löhr gehen gerne spazieren. Besonders gerne im Gründla. "Dieser Weg ist unser Naherholungsgebiet, den Weg im Tal gehen wir regelmäßig für eine eineinhalbstündige Wanderung", haben sie der Bayerischen Rundschau geschrieben. An ihre Mail haben sie ein paar Fotos angehängt. Zu sehen ist eine Ruhebank, um die herum jede Menge Müll liegt, vor allem leere Getränkeflaschen.

Von einem Müllfrevel spricht das Ehepaar Löhr. Die Kulmbacher haben es freilich nicht beim Fotografieren belassen, sondern ein paar Tage später bei einem weiteren Spaziergang den ganzen Müll eingesammelt. "Zwei Tüten voll!".

Dass Menschen ihren Abfall achtlos einfach irgendwohin schmeißen, ist in Kulmbach leider kein Einzelfall. An vielen Ruhebänken an beliebten Spazierwegen sieht es ähnlich aus. Immer wieder ergreifen Menschen, die sich darüber ärgern, die Initiative und räumen den Müll weg. Die Verursacher bleiben meist unerkannt.

Manchmal lassen sie sich ausfindig machen. Dann kann so etwas teuer werden.

Bußgeld für Müllsünder

Pinzipiell ist die Abfallentsorgung in Bayern Aufgabe der Landkreise beziehungsweise der kreisfreien Städte. Auch für wilde Müllablagerungen und die Suche nach dem Verursacher ist das Kulmbacher Landratsamt zuständig - ebenso wie für die Ahndung mit einem Bußgeld.

Geht es hingegen um die Verunreinigung von Straßen und Gehwegen, was als Ordnungswidrigkeit gilt, ist die Stadt Kulmbach zuständig. "Deutlich größere Verschmutzungen werden polizeilich geahndet und in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und dem städtischen Bauhof entsorgt", erläutert Jonas Gleich, Pressesprecher der Stadt Kulmbach. "Hier wird dann auch ein besonderes Augenmerk auf versteckte Details im Müllberg gelegt, um einen möglichen Verursacher ausfindig zu machen und diesen belangen zu können."

Wie gesagt: So etwas ist kein Einzelfall. Deswegen schlägt die Beseitigung solchen Mülls bei der Stadt auch mit einem enormen Aufwand an Personal und Geld zu Buche:

Das ganze Jahr über sind drei Mitarbeiter des städtischen Bauhofs in der Innenstadt mit Reinigungsarbeiten beschäftigt, zwei weitere übernehmen die mobile Reinigung mit der Kehrmaschine in den Außenbezirken und ein Mitarbeiter kümmert sich ausschließlich um das Gelände an der Kieswäsch. Zusätzlich gibt es noch einige Wochenenddienste.

Der Pressesprecher verweist darauf, dass es im Stadtgebiet mehr als 300 Abfallbehälter gibt. Und - das ist die gute Nachricht - meistens landet der Müll auch dort. Aber eben nicht immer. Für die Bauhofmitarbeiter, die diese Abfallbehälter leeren, sei es selbstverständlich, auch den Müll aus dem Umfeld mit aufzusammeln, betont Gleich.

Aus dem fahrenden Auto

Oft werde Müll auch aus fahrenden Autos geworfen. Die Straßen müssten deshalb gezielt abgefahren und gesäubert werden. "Dies alles kostet den Arbeitern natürlich wesentlich mehr Zeit, als die eingeplante, regelmäßige Leerung der Mülleimer, und diese Zeit fehlt dann manchmal an anderen Stellen."

Jonas Gleich appelliert deshalb an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen. "Natürlich wird die Stadt einschreiten und den Unrat entsorgen. Aber unsere Kolleginnen und Kollegen im Bauhof haben wichtigere und dringlichere Aufgaben, als tagtäglich den Müll fremder Menschen zu einzusammeln, nur weil es manche Personen nicht schaffen, diesen ordentlich zu entsorgen."

Zweiter Bürgermeister Frank Wilzok verweist in diesem Zusammenhang auf ein weiteres Problem, das vielen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes stinkt: den Hundekot. Leider komme es immer häufiger vor, dass Hundehalter die Hinterlassenschaften ihres Vierbeiners nicht ordentlich entsorgen oder sogar die bereits gefüllten Hundekot-Beutel einfach liegen lassen. "Mir persönlich fällt es insbesondere im Bereich der neuangelegten Flutmulde auf. Das ist ärgerlich, vor allem wenn dort Kinder spielen oder Spaziergänger unterwegs sind." Er bitte deshalb darum, die Tüten-Spender zu nutzen und den Hundekot ordentlich in den dafür vorgesehen Tüten zu entsorgen, so Wilzok.

Pyramide als Appell

Währenddessen belassen es die Initiative Transition Kulmbach und die Mitglieder der "Aufräumaktion Kulmbach" nicht bei Appellen an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen. Mit einer außergewöhnlichen Aktion machen deren Mitstreiter derzeit auf die Müllproblematik aufmerksam: Eine Pyramide, aus Holzresten zusammengebaut und bestückt mit Müll, der sich in der Umgebung findet, steht derzeit an wechselnden Standorten in Kulmbach.Die Menschen seien aufgerufen, ebenfalls Müll in der Umgebung zu sammeln und in den an der Pyramide angebrachten Eimer zu werfen.

Geboren worden sei die Idee im Rahmen der "Aufräumaktion Kulmbach", erläutert Karin Göppner von Transition Kulmbach. Zwei der Teilnehmerinnen an der Aktion seien entsetzt gewesen, dass die dabei gesäuberten Flächen auf dem Rückweg schon wieder mit Zigarettenkippen und anderem Abfall verunreinigt gewesen seien. "Aus der Erfahrung als Mütter wurde uns klar, dass es sinnlos ist, immer wieder für andere den Müll aufzusammeln, da dies zu keiner Verhaltensänderung führt", so Karin Göppner.

Eine neue Idee sollte deshalb her - für deren künstlerische Umsetzung Angelika Gigauri mit ins Boot geholt wurde.

Ihren ersten Standort fand die Pyramide zwischen dem Parkplatz des Real-Marktes und den Bahnschienen. Aktuell steht sie am Eku-Platz. Bis zum 6. Januar soll die Pyramide immer wieder vesetzt werden, um möglichst viele verschiedene Menschen zu erreichen.