Neulich hatte ich Geburtstag. Keinen runden, also eigentlich nicht der Rede wert - aber dennoch bemerkenswert. Mehr als einmal nämlich schrieb oder sagte mir jemand, der mir gratulierte: "Und bleib immer schön negativ!" Ein merkwürdiger Wunsch.

Aber wir leben ja auch in merkwürdigen Zeiten, hatte man sich und seinen Mitmenschen doch vor nicht einmal einem Jahr doch noch aus ganzem Herzen gewünscht, bei allen Widrigkeiten und Wehwehchen, die das Leben so mit sich bringt, positiv gestimmt zu bleiben. Positiv, das hieß glücklich, optimistisch, bejahend. So wollten wir sein.

Klar, es gab die Fälle, in denen das Wörtchen "positiv" nichts Gutes verhieß: Der Alkoholtest bei der Polizeikontrolle, der Befund nach einer Vorsorgeuntersuchung. Da freute man sich eher nicht. Wenn der Schwangerschaftstest positiv ausfiel, war die Gemütslage bei manchem gemischt. Nun aber fällt uns, wenn wir "positiv" hören, vor allem Corona ein. Ein Virus, das die Welt seit fast einem Jahr in Atem hält. Im Freundes- und Bekanntenkreis häufen sich die Fälle, in denen das Wörtchen "positiv" ganz und gar nichts Gutes bedeutet.

Ich erinnere mich noch eindringlich an den Tag, an dem ich selbst mich einem Corona-Test unterziehen musste. Nach nicht einmal einem Tag kam das Ergebnis: Negativ! Wenn das mal keine positive Nachricht war! Deshalb freute ich mich auch sehr über den Geburtstagswunsch "Und bleib immer schön negativ!" Denn dass ich Freunde habe, die mir zum Geburtstag vor allem Gesundheit wünschen, ist in Zeiten wie diesen nicht hoch genug zu schätzen.