Die Natur kennt Nestflüchter und Nesthocker. Während es den einen gar nicht schnell genug gehen kann, die Welt auf eigene Faust zu erkunden, machen es sich die anderen noch geraume Zeit bei Mama und Papa gemütlich und lassen sich durchfüttern.

Das gilt für Hasen und Hirsche, Störche und Spechte - und auch für Menschen. Die einen werden früh flügge, die anderen verlassen das "Hotel Mama" spät und oft erst mit etwas elterlichem Nachdruck.

Die Corona-Pandemie hat, zumindest was uns Menschen betrifft, eine neue Spezies hervorgebracht. Diese neue, noch namenlose Art ist in aller Regel jung und ledig und hat das elterliche Nest schon vor geraumer Zeit verlassen, um sich in einer (meist) größeren Stadt in einer (meist) kleinen Wohnung niederzulassen, zu arbeiten oder zu studieren. Dann kamen Corona, der Lockdown, Home Office und Online-Studium. Und plötzlich zog es die ehemaligen Nestflüchter wieder heim.

Dort lebt es sich bequemer als im engen WG-Zimmer oder dem Großstadt-Single-Appartement ohne Balkon im neunten Stock. Deshalb hocken die ehemaligen Nestflüchter nun wieder im Nest, lassen sich ein bisschen betüdeln und genießen manche Annehmlichkeit, vor allem aber Mamas Küche.

Mir wurden in den letzten Wochen viele solcher Fälle geschildert. Was mich dabei fasziniert? Die Rückkehrer schaffen es problemlos, Welt und Nest in Einklang zu bringen. So erzählte mir eine Mutter, deren fast 30-jähriger Sohn seit Wochen in seinem alten Kinderzimmer im Home Office arbeitet, dass der jeden Tag frage, was es denn zu essen gibt? Ganz wie früher.

Um dann, ganz Yuppie von heute, nachzuschieben, dass er um 10 Uhr ein telefonisches Meeting und um 13 Uhr eine Zoom-Konferenz habe. Dazwischen aber gäbe es fürs warme Mittagessen ein geeignetes Zeitfenster.