Hunderttausende Menschen sind seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan auf der Flucht. Viele werden versuchen, Schutz in Europa zu finden. Die Bundesregierung fühlt sich einer Personengruppe besonders verpflichtet: den Ortskräften, die in den vergangenen Jahren deutsche Soldaten, Polizisten, das Auswärtige Amt und andere Behörden unterstützt und für sie gearbeitet haben. Damit haben sich diese Afghanen zur Zielscheibe der Taliban gemacht und müssen nun um ihr Leben und das ihrer Angehörigen fürchten.

26 Ortskräfte in Kulmbach und Wunsiedel

Die Verteilung der Flüchtlinge auf die deutschen Bundesländer erfolgt nach einem Quotensystem, dem sogenannten Königsteiner Schlüssel, der für eine gerechte Verteilung der Last sorgt, die jedes Bundesland und jeder Regierungsbezirk tragen muss. Bereitet man sich im Landkreis Kulmbach auf die durchaus wahrscheinliche Aufnahme einer größeren Zahl von afghanischen Ortskräften vor? Gibt es ausreichend freie Unterkünfte, um sie unterzubringen?

Zuständig für die Unterbringung von Flüchtlingen ist die Regierung von Oberfranken. Diese teilt die Geflüchteten auf die einzelnen Asylbewerber-Unterkünfte auf, von denen es auch in Kulmbach einige gibt.

Seit einige Tagen werden afghanische Ortskräfte von der Bundeswehr ausgeflogen. "Bisher organisierten die afghanischen Ortskräfte ihre Ausreise noch selbst", so die Pressesprecherin der Regierung von Oberfranken, Sabine Kerner: "In den letzten vier Wochen wurden Oberfranken bereits 26 Ortskräfte zugeteilt." Deren Unterbringung erfolgte in den Übergangswohnheimen in Kulmbach und Wunsiedel.

"Jede Gemeinde ist zur Unterbringung obdachloser Personen aus ihrer Gemeinde verpflichtet. So auch die Stadt Kulmbach", sagt deren Pressesprecher Jonas Gleich. "Die Unterkunft in der Schützenstraße 6 ist allerdings häufig ausgelastet. Deshalb ist eine Freigabe für Flüchtlinge nicht möglich."

Jedoch habe die Städtebau das Haus Hundsanger 4/6 für anerkannte Flüchtlinge komplett an die Regierung von Oberfranken vermietet. Verantwortlich für die Belegung ist hier folglich die Regierung. "Wir als Stadt stellen lediglich den Wohnraum." Das Haus hat rund 600 Quadratmeter Wohnfläche mit acht Wohneinheiten, die flexibel belegt werden können.

"Schockierende Bilder"

"Die Bilder, die uns aus Afghanistan erreichen, sind schockierend und machen uns sehr betroffen", sagt Oliver Hempfling, Leiter des Katastrophenstabs am Landratsamt. "Sollten in Folge der Machtübernahme der Taliban zahlreiche Ortskräfte und Flüchtlinge in Deutschland Unterkunft benötigen, wird der Landkreis Kulmbach seiner humanitären Verantwortung gerecht werden und im Rahmen der gesetzlichen Grundlagen eine Obhut bieten."

Im Landkreis stehen zirka 20 Plätze zur Verfügung, wobei auf Familienverbünde Rücksicht genommen werde. "Für die konkrete weitere Planung müssen wir die Abstimmungen zwischen Bund und Ländern abwarten."

Es sei grundsätzlich zu unterscheiden zwischen afghanischen Asylbewerbern und afghanischen Ortskräften, erläutert Pressesprecherin Sabine Kerner. "Die im Rahmen des Ortskräfteverfahrens aufgenommenen ehemaligen afghanischen Ortskräfte und deren Familienangehörige erhalten kraft der für sie abgegebenen Aufnahmeerklärung durch die Bundesrepublik ein Visum mit einer Gültigkeitsdauer von sechs Monaten. Innerhalb dieses Zeitraums können sie in das Bundesgebiet einreisen. Im Freistaat Bayern erhalten sie jeweils von der zuständigen Ausländerbehörde aufgrund der Aufnahmeerklärung eine Aufenthaltserlaubnis gemäß § 22 des Aufenthaltsgesetzes."

Genaue Zahlen zu freien Kapazitäten für Geflüchtete aus Afghanistan lägen bei der Regierung aktuell nicht vor. Nach dem Abzug der internationalen Truppen gibt es jedoch seit Juli 2021 einen deutlich Anstieg der Aufnahmezahlen.

Details stehen noch nicht fest

"Wir gehen davon aus, dass auf Bundes- und Länderebene die Vorbereitungen für die Aufnahme weiterer Ortskräfte laufen. Die Details befinden sich noch in Abstimmung." Erst danach werde man sehen, wie viele Menschen in den Landkreisen untergebracht werden müssen. "Es wird sicher nicht an fehlenden Unterkünften scheitern", so Sabine Kerner.

Dass die Städte und Gemeinden schnell und flexibel bereit sind, wenn es drauf ankommt, haben sie schon in der Flüchtlingskrise 2015 bewiesen. Innerhalb weniger Tage wurde die Dreifachturnhalle in Weiher zur Notunterkunft mit Feldbetten umfunktioniert. Mit derart hohen Zahlen an Geflüchteten rechnet man bei den zuständigen Stellen derzeit aber nicht.

Wer kann Flüchtlinge aufnehmen?

"Der Wohnraum in Kulmbach ist knapp, wir haben keine allzu großen Kapazitäten", sagt Zweiter Bürgermeister Frank Wilzok. Das Jahr 2015 hat allerdings gezeigt, dass wir durchaus in der Lage sind, relativ prompt in Zusammenarbeit mit den örtliche Hilfsorganisationen viele Menschen aufzunehmen."

Wer freie Wohnungen zur Verfügung stellen möchte, kann sich beim Ausländeramt des Landratsamts Kulmbach melden und per E-Mail seine Aufnahmebereitschaft signalisieren:

auslaenderamt@landkreis-kulmbach.de .