"Nicht nur Wort und Sakrament sind Garanten der Realität der Liebe Gottes. Auch jedes Kirchengebäude ruft uns zu: Dein Glaube ist real, vertrau darauf." Diese Aussage stellte Dekan Thomas Kretschmar an den Schluss seiner Festpredigt zur Weihe der St. -Johannis-kirche, die sich am Sonntag, 20. Juni, zum 275. Mal jährte.

Der Festgottesdienst in der wunderschönen und stolzen Markgrafenkirchen fand unter den gegenwärtigen Corona-Beschränkungen statt und für die musikalische Ausgestaltung sorgten Wolfgang Pinkow an der Orgel und der Posaunenchor Wirsberg unter der Leitung von Andreas Dietz. Bürgermeister Jochen Trier (FW) erinnerte an die Einweihung im Juni 1746, der auch Markgräfin Wilhelmine als Ehrengast beiwohnte. Deshalb prangt auch das markgräfliche Wappen mit dem Namenszug des Markgrafen Friedrich über dem Eingangsportal.

Pfarrer Peter Brünnhäußer freute sich, dass man den großen Tag des Gotteshauses miteinander feiern könne, dabei auch mit dem Blick auf die Corona-Pandemie, die noch nicht ganz vorbei ist. Pfarrer Brünnhäußer verwies auf die lange Kirchengeschichte: "Eine Geschichte von Menschen, die diese Kirche vor langer Zeit in dem Vertrauen darauf gebaut haben, dass hier die Erfahrung und die Nähe Gottes spürbar wird. Gottesdienste und Konzerte gefeiert und gesungen haben, zu Gott um seinen Segen gebetet haben. Dafür sind wir heute dankbar und wollen Gott loben und preisen, dass er uns diese Johanneskirche geschenkt hat."

Dekan Thomas Kretschmar räumte ein, dass gerade in der evangelischen Kirche, im evangelischen Glauben, gerne einmal der Glaube vorne hingestellt werde und auch die Beziehung zu Gott: "Unser evangelischer Glaube sagt ganz schnell: Engagiert er oder sie nicht vielleicht doch so sehr, weil er oder sie vor Gott gut dastehen will? Ist das Engagement wirklich so selbstlos oder steckt dahinter persönliche Profilierung? Ein Helfer-Syndrom? Oder gar Werk-Gerechtigkeit?"

An Kirchweih ist nicht nur Lob und Dank angesagt, sondern jedes Jahr aufs Neue die Frage, ob der Kurs, die Ausrichtung der Kirche und der Gemeinde stimmt: "Gerade jetzt, wo wir nach langen Monaten ohne Gemeindearbeit, ohne Gemeinschaft ohne Seniorenkreis und Kindergruppe jetzt endlich wieder starten dürfen, gerade jetzt ist eine Chance zu fragen, wohin soll unser Kurs als Gemeinde gehen?" Um das Seelenheil der Gemeindemitglieder zu sichern und zu erhalten, werden die Kirchen auch weiterhin gebraucht.

Und die St. Johanniskirche in Wirsberg steht jetzt seit 275 Jahren: "Sie ist wunderschön und ein Ort, in dem man beinahe Gott spüren kann. Hier haben die Eltern und Großeltern gebetet, geheiratet, getauft. Ja, jede Kirche ist ein Zentrum der Glaubensstärkung, ein Ort, wo der große, unendliche Gott ein Zuhause hat." Dekan Thomas Kretschmar ließ nicht unerwähnt, dass die Kirche in der Corona-Pandemie viel präsenter im Internet sei als das früher der Fall gewesen sei. Vieles habe sich dabei neu entwickelt, aber dennoch gab sich Dekan Kretschmar überzeugt: "Wir brauchen unsere Kirchen als Kristallisationspunkte des Glaubens, als Orte, an denen wir Gottes Gegenwart ganz besonders spüren könne. Kirche will den unendlichen Gott, unendlich groß und unendlich weit weg, sichtbar machen, gegenwärtig machen. In seinem Wort, in Brot und Wein, in seiner Liebe.

So wie wir reales Abendmahl brauchen, um die Realität des unsichtbaren Gottes uns selber zu bestätigen, so brauchen wir reale Kirchen, um die Realität des Glaubens für mein Leben zu spüren." Und für wichtig hielt es Dekan Kretschmar am Ende der Pandemie, dass der Glaube real sein müsse: "Wieder real werden, so wie Gott real ist." Bürgermeister Jochen Trier (FW) blickte mit Stolz auf die Vorfahren zurück, die mit dem Bau der Kirche Herausragendes geleistet haben: "Handwerklich, wie auch in finanzieller Hinsicht. Die Markgrafenkirche St.-Johannis, gehört zu Wirsberg und gehört in die Stammbücher unserer Familien. Wir sind hier nicht nur an einem Ort voller Geschichte, sondern vor allem an einem Ort des Glaubens, an einem Ort, wo wir den Dialog mit Gott suchen. An einem Ort, der uns Kraft gibt, der uns annimmt und uns immer willkommen heißt. Einem Ort, wo wir zur Ruhe, Besinnung und Demut kommen."

Bürgermeister Jochen Trier stellte fest, dass die St.- Johannis-Kirche mit ihrer traumhaften Lage nicht nur optisch ein Aushängeschild, ist sondern als Markgrafen und Radwegekirche für viele Gäste auch das Ziel einer Reise, eines Ausflugs ist. Der Markt Wirsberg hat in seiner langen Geschichte schon viele Schreckensereignisse erlebt, aber immer fanden die Menschen hier in der Kirche Trost, Hoffnung und den Felsen in ihrem Leben. Das Kirchenjubiläum ist für Bürgermeister Jochen Trier heute ein Grund für große Dankbarkeit: "Dankbarkeit für diesen Platz, wo Glaube und Zusammensein gelebt werden können. Wenn man sieht, wie vielschichtig unser Gotteshaus in unseren Familiengeschichten vertreten ist, kann man mit Fug und Recht behaupten, die St. Johannis Kirche ist eine Generationenkirche." Wirsberg.

Mit einem Festgottesdienst wurde das Jubiläum der Kirchenweihe der St. Johanniskirche gefeiert. Unser Bild zeigt im Vordergrund von links Bürgermeister Jochen Trier, Pfarrer Peter Brünnhäuser und Dekan Thomas Kretschmar. Mit auf dem Bild auch die Kirchenvorsteher und die Vertreter des Gemeinderats.

Zu einem Konzert lud der Posaunenchor Wirsberg auf dem neu geschaffenen Kirchplatz vor der stolzen Markgrafenkirche ein.