Was sich bereits Ende September hinter den Kulissen angedeutet hatte, wurde gestern öffentlich. Am späten Nachmittag verschickte die Sparkasse Kulmbach-Kronach eine Mitteilung an die örtlichen Medien, in der sie ihren Rückzug aus dem Projekt Gesundheits- und Dienstleistungszentrum Thurnau bekannt gab.

Dabei hatte alles so gut geklungen: An einem Standort in der Marktgemeinde wären das BRK mit einem Rettungswagen-Stellplatz inklusive Schulungsräumen, ein Therapiezentrum, eine Arztpraxis und mehrere Wohnungen im obersten Stockwerk sowie eine moderne Zweigstelle der Sparkasse Kulmbach-Kronach entstanden.
Die Sparkasse als ein potenzieller Investor erklärte, es gehe ihr vor allem darum, "unseren Kunden vor Ort eine zeitgemäße Beratungsinfrastruktur bieten zu können". Das bisherige Geschäftsstellengebäude in der Bahnhofstraße 4 genüge diesen Anforderungen im derzeitigen Zustand nicht mehr.

Vor diesem Hintergrund habe die Sparkasse bis zuletzt die Möglichkeit einer Beteiligung an dem Projekt geprüft. In der Mitteilung heißt es weiter: "Allerdings stellten sich zuletzt Kostenrisiken heraus, die nach kaufmännischen Grundsätzen von der Sparkasse nicht übernommen werden können."

Nach Angaben des Kreditinstituts bestehen die Kostenrisiken im Wesentlichen in den erhöhten Anforderungen an die notwendige Gebäudegründung, in der veränderten konjunkturellen Lage in der Baubranche mit gestiegenen Preisen sowie im Verkaufsrisiko der geplanten Wohneinheiten, zum Beispiel auf Grund erhöhter Baukosten und geteilter Akzeptanz des Gesundheits- und Dienstleistungszentrums in der Bevölkerung. Zudem wird auf die Klage einer Seniorin verwiesen, die Beeinträchtigungen für ihr nahe gelegenes Grundstück auf Grund der geplanten Gebäudehöhe des Zentrums sowie eine aus ihrer Sicht unzumutbare Lärmbelästigung befürchtet. Damit sei die


Baugenehmigung nicht rechtskräftig

In der Mitteilung der Sparkasse heißt es abschließend: "Die zuletzt geführten Gespräche und die Prüfung der Chancen und Risiken führten nun zu der Entscheidung, dass die Sparkasse und die übrigen Investoren
eine getrennte Realisierung ihrer Vorhaben beabsichtigen."

Die Sparkasse fasse nun an dem vorhandenen Geschäftsstellengebäude in der Bahnhofstraße eine Modernisierung ins Auge. Thurnau sei auf jeden Fall für die Sparkasse von "grundsätzlich großer Bedeutung" als Träger- und Gründungsgemeinde sowie wegen der Präsenz der Sparkasse in diesem südlichen Teil des Landkreises Kulmbach.

Bürgermeister Dietmar Hofmann (SPD/Offene Liste) bedauerte gestern auf Nachfrage die Entwicklung. Damit könne ein "schlüssiges und zukunftsweisendes Gesamtkonzept" nicht verwirklicht werden. Immerhin wäre dort in zentraler Lage alles unter einem Dach vorgesehen gewesen.


Bürgermeister ist zuversichtlich

Gleichwohl sei er sehr zuversichtlich , dass alle Investoren am Standort Thurnau festhalten. Das sei für ihn, betonte Hofmann, positiv.

Für die Rettungswache des Roten Kreuzes sei möglicherweise schon in näherer Umgebung ein alternativer Standort gefunden. Dies konnte der Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands, Jürgen Dippold, gestern noch nicht bestätigen. Das Rote Kreuz wäre in dem Gesundheits- und Dienstleistungszentrum auch nur Mieter, kein Investor gewesen. Dippold betonte aber, dass das Rote Kreuz am Standort Thurnau festhalten wolle. Man sei dabei, zielführende Gespräche mit der Marktgemeinde zu führen.

Wichtig sei jetzt für den Rettungswachen-Standort des Roten Kreuzes, "verbindliche Strukturen" zu schaffen. Die provisorische Unterbringung im Feuerwehrhaus sei den Mitarbeitern - zwei seien täglich dort - nicht mehr länger zuzumuten. Daher müsse das BRK jetzt ein deutliches Zeichen aussenden. "Noch heuer wird eine verbindliche Entscheidung fallen."

Die Ärzte und Therapeuten werden nach Kenntnis von Bürgermeister Hofmann an dem geplanten Standort festhalten. Gestern wollte sich zumindest Volker Seitter, Thurnauer Allgemeinarzt, nicht äußern. "Da müssen Sie die Sparkasse fragen. Ich möchte nichts dazu sagen", erklärte er am Telefon.

Noch Ende September hatte er erklärt: "Wir sind weiterhin sehr daran interessiert, dass das Projekt verwirklicht wird." Damals hatte er Meldungen ins Reich der Fabel verwiesen, wonach er sich bereits von dem Projekt distanziert und nach alternativen Praxisräumen umgesehen habe. Zum damaligen Zeitpunkt hatte er gegenüber unserer Zeitung noch erklärt: "Ich bin überzeugt, dass das Zentrum ein Erfolg wird. Vor allem mit Blick auf die integrierte Rettungswache wären für die Gesundheitsversorgung in Thurnau viele sinnvolle und notwendige Dienstleistungen gebündelt an einem Ort abgedeckt." - Daraus wird nun nichts mehr. Die potenziellen Investoren und Mieter gehen getrennte Wege.