"Du bist die Frau, die ich liebe, das andere sind doch nur Bettgeschichten." Und weiter : "Lass es uns mit einer offenen Zweierbeziehung versuchen." Zwei Sätze, nach denen viele Frauen ihren Mann sicher hochkant rauswerfen würden. Doch Antonia wagt in dem Stück "Offene Zweierbeziehung" von Dario Fo, das am Freitagabend im Thurnauer Schlosstheater Premiere feierte, das Experiment - mit schwerwiegenden Folgen.

Im Schlosstheater berichtet Stefanie Medonie (Schauspielerin aus Augsburg) in der Rolle der Antonia von ihrem Leben in der offenen Zweierbeziehung. Sie schafft es, dass vor allem die Frauen im Publikum oft nicht wissen, ob sie entsetzt sein oder schallend lachen sollen.

Seitensprünge und Racheakte

Auf tragisch-komische Weise spricht sie von ihren wöchentlichen Selbstmordversuchen und den Liebesbeteuerungen ihres Mannes, von Seitensprüngen und Racheakten.
Der Ehemann, der bezeichnenderweise nicht einmal einen Namen trägt, also als Mann per se angesehen werden kann, kommt als lüsterner und auf deutlich jüngere Frauen abfahrender Macho nicht gut weg. Erst zum Ende wird seine sensible Seite offenbar, dann, wenn es um sein verletztes Ego geht.

"Offene Zweierbeziehung" ist das am häufigsten auf deutschen Bühnen gespielte Stück des Literatur-Nobelpreisträgers Dario Fo und seiner Ehefrau Franca Rame. Auch im Thurnauer Schlosstheater ist die Aufführung unter der Regie von Nico Jilka ein voller Erfolg. Stefanie Medonie und Ronald Hansch (ehemaliger Schauspielschüler des Schlosstheater-Leiters Wolfgang Krebs aus München) fesselten das Publikum durch eine schauspielerisch beeindruckende Leistung. Die emotionale Achterbahnfahrt meisterten sie auf überzeugende Weise.

Zuschauer sind begeistert

Die Themen zwischenmenschliche Beziehungen und Sex, um die sich schon die Stücke "Allein in der Sauna" und "Sex?" gedreht hatten, kommen an. Die Zuschauer waren auch bei der jüngsten Premiere begeistert. "Offene Zweierbeziehung" erzählt das Stück einer Frau, die die Affären ihres Mannes nicht länger erträgt, und die eines Mannes, der zunächst eine offene Zweierbeziehung fordert, um frei seine außerehelichen Sexabenteuer genießen zu können. Als Antonia sich jedoch emanzipiert und ihrerseits eine Affäre mit einem klügeren, jüngeren und talentierteren Mann beginnt, flippt ihr Mann aus. Plötzlich ist es er, der um Aufmerksamkeit buhlt, mit Selbstmord droht, sich anbiedert.

Es ist eine Geschichte voller Witz und Wahrheit, die charmant erzählt wird von tollen Schauspielern auf der winzigen Bühne im Torwärterhaus.