Man stelle sich die Flotte von 73 000 Lastwagen vor, die hintereinander in Reihe stehen und eine Fracht von 1,3 Millionen Tonnen transportieren. So viele Lebensmittel wandern jedes Jahr in Bayern in die Mülltonne oder bleiben bereits bei der Produktion auf der Strecke. Statistisch gesehen wirft jeder Bürger im Freistaat pro Jahr 65 Kilogramm Nahrungsmittel weg. Das muss nicht sein und soll sich - wenn es nach Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) geht - ändern. Am Freitag stellte er seine Initiative gegen Lebensmittelverschwendung im Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) auf dem Mönchshof-Gelände vor.

Um die Wegwerfquote zu vermindern seien Erzeuger, Handel und Verbraucher gefragt, sagte der Minister zum Auftakt der 3. Bayerischen Ernährungstage, die unter dem Motto stehen "Restlos gut essen - nachhaltige Ernährung im 21. Jahrhundert". Besonders betroffen mache es ihn, dass ein Großteil der Lebensmittel zum Zeitpunkt ihrer Entsorgung noch genießbar gewesen wäre. "Das können wir uns nicht leisten", sagte Brunner, der mehr Wertschätzung für die Lebensmittel forderte.

Die Verlustrate in der bayerischen Landwirtschaft (3,4 Prozent), bei der Lebensmittelverarbeitung (1,5 Prozent) und beim Handel (3,3 Prozent) bleiben im Rahmen. Um hier noch etwas zu verbessern, so der Minister, fördert der Freistaat moderne Lagerhallen für Obst, Gemüse und Kartoffeln sowie Maßnahmen zur Verbesserungen der Tiergesundheit.

Handlungsbedarf bei Haushalten

Den dringendsten Handlungsbedarf sieht Brunner bei den Privathaushalten, wo der meiste Lebensmittelabfall produziert wird - Wegwerfquote sechs Prozent. Deshalb wird ein Bildungs- und Aufklärungsprogramm für Verbraucher aufgelegt. Insgesamt fallen in bayerischen Haushalten jedes Jahr 836 000 Tonnen Lebensmittelabfälle an. Nach Einschätzung der KErn-Wissenschaftler, die im Rahmen einer Studie den Abfall untersuchten, könnte fast die Hälfte davon durch korrekte Lagerung, planvolles Koch- und Essverhalten vermieden werden.

Vor Fachpublikum aus ganz Bayern diskutierte eine Reihe von Experten über die Herausforderungen der Ernährungswirtschaft. Professor Franz-Theo Gottwald von der renommierten Schweisfurt-Stiftung stellte fest, dass mit frischen, regionalen Produkten ("Bio ist nicht prinzipiell besser") und weniger Fleisch die richtige Richtung vorgegeben ist. Und darin liegt nach seinen Worten auch ökonomisches Potenzial: "Da tut sich ein neuer Trend auf mit der Chance für die Unternehmen, den Markt zu gestalten."

"Was ist enkeltauglich?"

Gottwald zufolge geht es um die Frage: "Was ist enkeltauglich?" Jeder könne mit seinem Ernährungsstil zu Veränderungen beitragen. "Nichts ist alternativlos, wir gestalten diese Welt als denkende Menschen."