Physiotherapie und Osteopathie für Hund und Pferd? Ja, das gibt es. Manuela Knaus (45) hat sich seit 2009 ihrer Leidenschaft für Tiere und deren Gesundheit verschrieben. Durch eine Erkrankung ihres damaligen Dalmatiner-Rüdens Essex und den Erfolgen, die eine Behandlung von Osteopathin Doris Reimann zeigen, keimt in der Guttenbergerin der Wunsch: Das will ich auch können!

Frau Knaus, wenn die Begriffe Tier und Physiotherapie in einem Atemzug genannt werden, denken viele unweigerlich an den verstorbenen Tamme Hanken. Wie viel hat Ihre Behandlung mit der des TV-bekannten "Knochenbrechers" zu tun?
Manuela Knaus: Er war als Chiropraktiker ja mehr der Mann fürs Grobe, der Einrenker. So brutal geht es bei mir nicht zu (lacht). Wobei auch ich natürlich darauf achte, dass zum Beispiel die Muskulatur gut gedehnt wird, wenn ich Blockaden manuell behandle. Ich sehe die Tierphysiotherapie als ein Mittel zur Ergänzung und Erweiterung der bestehenden Tiermedizin. Mir geht es vor allem um einen ganzheitlichen Ansatz in der Therapie.

Dazu gehört für Sie auch die richtige Ernährung beispielsweise für den Hund. Immer wieder ist von Menschen zu lesen, die sich vegetarisch oder gar vegan ernähren und das auch für ihren Vierbeiner planen. Was halten Sie davon?
Ich sehe das sehr kritisch. Ich selber kenne keinen Hund, der so ernährt wird. Der Hund ist ein Karnivore, also ein Fleischfresser. Die Ernährung auf fleischfreie Kost umzustellen, wäre demnach gegen die Natur. Ich würde auch nie auf die Idee kommen, ein Pferd mit Fleisch zu ernähren. Beim Hund ist es so, dass er bedingt Getreide verträgt. Fest steht aber auch: Manche Krankheiten, etwa Allergien, entstehen erst dadurch, dass der Hund mit Getreideprodukten gefüttert wird. Deswegen rücken auch viele Firmen, die Hundenahrung industriell fertigen und früher mit einem hohen Getreideanteil warben, davon mittlerweile wieder ab. So finden sich immer mehr Trockenfuttersorten mit hohem Proteinanteil, also Fleisch.

Welche Ernährungsform bevorzugen Sie für Ihre Hunde?
Ich selber barfe meine Hunde. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, gerade bei kranken Tieren steigt die Heilungsrate dank dieser Ernährung stark an, etwa bei hartnäckigen Allergien, aber auch Gelenkproblemen - und sogar Zahnstein.

Was bedeutet "barfen"?
Der Begriff wurde von der Kanadierin Debbie Tripp eingeführt. Es ist die Abkürzung für "born-again raw feeders", also übersetzt wiedergeborene Rohfütterer. Die Idee dahinter ist, sich den Vorfahren des Hundes, den Wolf, und seine Beute als Vorbild zu nehmen. Wer barft, simuliert sozusagen das Beutetier des Wolfes. Wenn der ein Tier erlegt, etwa einen Hasen, dann frisst er alles: Fleisch, Knochen, Innereien, aber auch den Mageninhalt mit Gemüse und Kräutern. Das bilden wir mit BARF-Futter ab: Der tierische Anteil liegt bei 75 Prozent, der pflanzliche bei 25 Prozent. Letzteren stellen wir nach mit Obst, aber auch Gemüse wie Salat, Kohl und Gurken.

Wie kamen Sie darauf?
Mein Rüde hatte große Probleme mit dem Bewegungsapparat und konnte nur noch schlecht laufen. Meine Hündin hatte eine starke Allergie entwickelt. Beiden Hunden geht es nicht zuletzt dank der Futterumstellung wieder sehr gut, das hat mich überzeugt. Es kann jedoch sein, dass sich bei bestimmten Krankheitsbildern eine andere Form der Ernährung anbietet.

Nicht jeder mag seinem Hund aber rohes Fleisch vorsetzen.
Wer das partout nicht mag, für den gibt es auch gutes Trockenfutter, das in seiner Zusammensetzung ähnlich ist. Dr. Jutta Ziegler etwa verkauft über ihren Onlineshop ein eigenes, sehr gutes und gehaltvolles Trockenfutter. Viele Fertigmischungen im Handel hingegen haben einen zu geringen Fleischanteil. Und wenn, dann ist es häufiger von mangelhafter Qualität.
Ungesund ist auch der bisweilen zu hohe Zuckeranteil, das hat nicht unbedingt etwas im Futter zu suchen. Anders als beim Menschen, der seine Energie unter anderem aus Zucker gewinnt, zieht der Hund seine Kraft in erster Linie aus Fett und Eiweiß. Deswegen sollte das Fleisch einen bestimmten Fettanteil habe. Gut eignet sich dafür zum Beispiel durchwachsene Rinderbrust.
Die Gesundheit des Haustieres, egal ob Hund oder Pferd, liegt vielen Menschen am Herzen. Die Bereitschaft steigt, dafür auch Geld auszugeben.
Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Die Sensibilität bei den Tierhaltern steigt, sie wollen sich bei der Behandlung ihrer Lieblinge auch nach Alternativen umsehen. Wobei ich klarstellen will: Ein Besuch bei mir ersetzt nicht den Tierarzt. Oft ist gerade das Zusammenspiel zwischen beiden Seiten das Beste für das Tier. Ich kann schließlich weder ein Blutbild erstellen, noch kann ich röntgen oder einen Bruch operieren. Ich kann aber nach der Behandlung - oder begleitend dazu - meinen Beitrag zur Genesung leisten.

Dafür bieten Sie auch Akupunktur und sogar Blutegel-Therapie an.
Ja, das funktioniert wie bei menschlichen Patienten auch. Die Akupunkturpunkte sind bei den Organismen ähnlich. Blutegel haben ihre heilende Wirkung schon vor Hunderten von Jahren unter Beweis gestellt. In meiner Praxis setze ich sie bei Ekzemen und zur Wundheilung ein. Das gleicht dem Aderlass von früher und funktioniert auch bei Tieren. Ich kombiniere beide Vorgehensweisen und erreiche sehr viel etwa bei den vielen Erscheinungsformen von Lahmheit der Hinterhand beim Pferd.

Sie sind Mitglied im Bundesverband zertifizierter Tierphysiotherapeuten, kurz BZT. Ist Ihre Ausbildung staatlich anerkannt?
Nein, das ist sie nicht. Allerdings werden meine Behandlungen von den meisten Tierkrankenversicherungen akzeptiert, die Hunde- oder Pferdebesitzer können die Rechnungen entsprechend einreichen.


Das sagt die Tierärztin zum Barfen:


Eine Expertin, die das Barfen von Hunden - also das Füttern mit rohem Fleisch - durchaus kritisch sieht, ist die Mainleuser Tierärztin Christine Kammerer. "Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, aber man sollte zum einen aus der Ernährung eines Haustieres per se keine Religion machen. Zum anderen muss beim Barfen auch auf die Schattenseiten eingegangen werden."

Festzuhalten ist, so die Medizinerin: "Wer rohes Fleisch verfüttert, muss berücksichtigen, dass damit bakterielle oder virale Erkrankungen übertragen werden können. Nicht auszuschließen ist auch, dass eine sogenannte Zoonose eintritt: Das bedeutet, dass Erreger etwa über die Ausscheidungen des Tieres auf den Halter übergehen können. Bei immunschwachen Menschen kann das gravierende Folgen haben."

Rohes Fleisch kann mit Salmonellen belastet sein, aber auch mit Finnen des Bandwurms. "Es ist daher ratsam, das Haustier regelmäßig entwurmen zu lassen, um parasitären Befall auszuschließen. Auf keinen Fall sollte man rohes Geflügel verfüttern."

Einen weiteren Knackpunkt sieht die Tierärztin in der Gestaltung der Rationen. "Jeder will das Beste für seinen Hund - aber wie viel ist das genau? Woher weiß ich, dass beispielsweise die Proteinzufuhr ausreicht? Ich müsste dafür die Mengen regelmäßig überprüfen lassen. Beim Fertigfutter ist der Fehler eigentlich ausgeschlossen."

Für Christine Kammerer kommt es auch darauf an, welches Fleisch im Napf landet. "Ich habe erlebt, dass Hunde oft mit Schlund gefüttert werden, also Luftröhre und Schilddrüse. Damit werden natürlich auch die Hormone des Futtertieres mitgefressen. Das wiederum kann zu einer Schilddrüsen-Überfunktion führen."

Sie selber kenne Halter, die ihre Hunde mit Rohfleisch ernähren. "Mir persönlich wäre es zu aufwendig. Aber es ist prinzipiell, was den Nährwert angeht, sicher nicht verkehrt. Und wenn es der Hund verträgt, kann man es machen. Aber sobald sich beim Tier Allergien einstellen oder Unverträglichkeiten, sollte man Abstand nehmen. Bei Hunden mit Erkrankungen von Niere und Leber rate ich generell vom Barfen ab."