"Ich habe so etwas schon länger befürchtet." Gerhard Theuer klingt entmutigt. Rugendorfs Bürgermeister (Pro Rugendorf) hat, wie er gegenüber der BR am Donnerstag sagte, von Bürgern erfahren, dass die VR-Bank Oberfranken Mitte Ende Oktober die Zweigstelle in seiner Gemeinde schließen will. "Das trifft vor allem unsere älteren Mitbürger, die dann keine Anlaufstelle und auch keinen Ansprechpartner mehr vor Ort haben werden, für die aber Online-Banking keine Option darstellt."

Er hege zwar die Hoffnung, dass es die Möglichkeit gibt, diese Entscheidung seitens des Bankvorstandes womöglich nochmals zu überdenken. "Ich glaube aber nicht daran, denn der Entschluss scheint schon eine Weile gereift zu sein. Am Schluss entscheiden immer die Zahlen und geben den Ausschlag, ob es weitergeht oder nicht. Negative Bilanzen kann sich keine Bank auf Dauer leisten, das ist auch klar."

Die Zweigstelle der VR-Bank ist die letzte Bankfiliale in der Kommune. Keine Post, nun bald kein Kreditinstitut mehr vor Ort: Die Infrastruktur auf dem Land blute aus, so der Bürgermeister. "Ich hoffe, dass man uns wenigstens einen Geldautomaten hier belässt." Neben Rugendorf trifft es auch Harsdorf. Dort hat die Filiale passenderweise in der Raiffeisenstraße 5 ihren Sitz. Aber nicht mehr lange, denn Ende Oktober heißt es auch hier: dauerhaft Schalterschluss.

Rückläufige Nutzung

Bankvorstand Stephan Ringwald erklärt, man habe alle betroffenen Kunden vorab angeschrieben und über den Sachstand informiert. Die Entwicklung der einzelnen Zweigstellen sei seit längerer Zeit auf dem Radar. "Das Filialnetz wird nicht etwa nur ab und an überprüft, sondern permanent beobachtet, gerade unter dem Aspekt der Betriebswirtschaftlichkeit", sagt Ringwald.

Im Laufe des Jahres habe sich herauskristallisiert, dass die Nutzung des Beratungsangebots und der Bankleistungen in den betroffenen Geschäftsstellen zurückgegangen sei. Das liege zum einen an der wachsenden Nutzung des Online-Bankings, zum anderen suchten Mitglieder und Kunden zunehmend eine umfassende Beratung, die bei den genannten Geschäftsstellen jedoch wegen der personellen und räumlichen Situation nicht überall sichergestellt werden könne.

Ringwald betont, man müsse die Gegebenheiten sich ändernden Gewohnheiten der Kunden anpassen. "Die Entwicklung zeigt dezidiert schon längere Zeit in diese Richtung. Zu hoffen, dass sich diese Tendenz umkehrt, wäre in der aktuellen Zeit und bei unseren Erwartungen nicht realistisch. Als Bankvorstand kann ich mich dem nicht entziehen - und irgendwann muss man reagieren."

Auch kein Geldautomat

Was das für die Kunden bedeutet? Die Hoffnung, die Verantwortlichen mögen zumindest weiterhin einen Geldautomaten zur Verfügung stellen, erteilt Ringwald eine Absage. "Ich bitte um Verständnis. Der Automat würde ebenso Kosten für Service und Leitung verursachen und ergibt somit keinen Sinn." Eine mobile Filiale, wie sie Mitbewerber anbieten, komme ebenfalls wohl nicht in Betracht. "Bei einem solchen Konstrukt würden wir nur Kosten tauschen."

Ringwald verweist auf die nächst gelegenen Geschäftsstellen. "Wir bleiben in der Fläche ja weiterhin präsent. Für Rugendorf liegt Stadtsteinach nicht sehr weit weg, als Ersatz für für Harsdorf können sich die Kunden mit ihren Beratungs- und Servicewünschen ab 1. November an die Filiale in Trebgast wenden."

Was Kulmbach angeht, so bleiben die Hauptstelle am Holzmarkt sowie die Geschäftsstelle Hansaviertel. Die Kundenbetreuung finde Montag bis Freitag wie gewohnt statt. Auf Wunsch sei auch ein Wechsel in eine andere Geschäftsstelle möglich. Dazu kommt, so Ringwald, die Erweiterung der telefonischen Servicezeiten: Kunden können die Bank demnach montags bis freitags von 6 bis 22 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen von 9 bis 14 Uhr erreichen.

Keine Kündigungen

Arbeitsplätze gingen mit den Schließungen keine verloren, erklärt der Vorstand. "Es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen. Die Kunden werden ihre vertrauten Gesichter - wenn auch an anderer Stelle und in anderen Räumen - wiedersehen."

Filialschließungen

Juli 2009/ Dezember 2010

Die Sparkasse Kulmbach-Kronach schließt die Filialen in Grafengehaig, Mannsflur, Burghaig sowie Ende 2010 die Zweigstellen in Wartenfels, Ludwigschorgast und Weiher.

Dezember 2014/April 2015

Die Sparkasse gibt in Kulmbach die Filialen im Vereinshaus und in der Blaich sowie in Rugendorf und Wonsees auf.

Juli 2017

Die Sparkassen-Zweigstellen Metzdorf, Melkendorf und Trebgast machen dicht.

Oktober 2018

Die VR-Bank Oberfranken-Mitte schließt die Filialen in Höferänger, Lanzendorf, Wirsberg und Ludwigschorgast.

Oktober 2020

Die VR-Bank Oberfranken-Mitte gibt die Zweigstellen in Weiher, Melkendorf, Harsdorf und Rugendorf auf.

KOMMENTAR von Alexander Müller

Ein gewisses Verständnis

Binnen zwölf Jahren haben die beiden großen Banken im Landkreis gemeinsam 21 Filialen geschlossen. Orte wie Harsdorf, Ludwigschorgast oder Rugendorf haben keine Zweigstelle mehr, in Kulmbach gibt es neben den jeweiligen Hauptstellen nur noch jeweils eine Niederlassung von Raiffeisenbank und Sparkasse. Schlecht für alle Kunden, die nicht online-affin oder mobil sind.

Die Reaktionen auf die jüngste Nachricht sind vorhersehbar. Wie auch schon in der Vergangenheit werden sie jedoch folgenlos bleiben - die Entscheidung ist gefallen, Zahlen geben den Ausschlag. Dass die Bank damit wieder ein wenig an Nähe zu ihren Kunden verliert, wird hingenommen.

Die Diskussion muss aber ehrlich geführt werden. Im Grunde sind es die Kunden, die es in der Hand haben, ob Bankfilialen, Einzelhandelsläden oder Zeitungsgeschäftsstellen bestehen bleiben. Kein regionales Unternehmen ist auf Gewinnmaximierung programmiert - jedes muss aber seine Kosten im Auge behalten, um langfristig bestehen zu können.

Zweigstellen sind keine Selbstverständlichkeit und kosten Geld. Bei den Banken werden aufgrund der aktuellen Finanzpolitik die Margen ständig geringer - insofern muss man wohl auch ein wenig Verständnis haben.