Ein Schlaganfall kann das ganze Leben verändern. Doch wenn man sich gegenseitig unterstützt, kommt man besser mit den Folgen zurecht. Davon jedenfalls sind die aktuell 22 Mitglieder der Selbsthilfegruppe Schlaganfallbetroffener überzeugt.

Die Erfahrungen und Einschränkungen der Mitglieder sind unterschiedlich, aber doch irgendwie ähnlich. In der Selbsthilfegruppe, die es seit fünf Jahren im Landkreis Kulmbach gibt, treffen sie sich regelmäßig einmal im Monat zum Erfahrungsaustausch, aber auch um sich gegenseitig zu unterstützen und sich weiterzubilden.

Garten statt BRK-Heim

Normalerweise finden die Treffen im BRK-Heim in Kulmbach statt. Coronabedingt war das zuletzt nicht möglich. Daher lud die Vorsitzende der Gruppe, Anita Hofmann, die Betroffenen kurzerhand zu sich in den Garten neben ihrem Nachttopfmuseum in Partenfeld ein.

Auch Inken Damman war gekommen. Sie hatte vor gut einem Jahr einen Schlaganfall. Seither besucht sie die Selbsthilfegruppe regelmäßig. "Wir machen uns gegenseitig Mut. Wir jammern nicht über unsere gesundheitliche Situation, sondern wir unterstützen uns", sagt die 81-Jährige.

Und ein Stückweit ist die Selbsthilfegruppe auch ein Teil der Therapie. Eine Logopädin kommt regelmäßig und macht mit den Mitgliedern Sprach- und Lautübungen. Auch motorische Ertüchtigungen und kreative Arbeiten gehören zum Programm.

"Wir malen einfach drauflos"

In Partenfeld zum Beispiel war die frühere Galeristin und Kunstpädagogin Elisabeth Arndt zu Gast. Unter ihrer Anleitung bemalten die Gäste Steine. "Es geht nicht darum, Kunst zu schaffen, wir malen einfach drauflos. Bei einem leeren Blatt haben wir oft den Anspruch, dass es besonders schön werden muss, wenn wir malen. Die Steine nehmen den Druck. Jeder von ihnen ist für sich genommen schön", so Elisabeth Arndt.

Auf einem Blatt Papier sollten die Gruppenmitglieder außerdem verschiedene Gesichtsausdrücke malen. Durch die Übung wird die Feinmotorik trainiert, die kreative Arbeit wirkt entspannend und anregend zugleich.

Es war ein schöner Nachmittag im Garten in Partenfeld. Anita Hofmann hofft trotzdem, dass die Treffen bald wieder in Kulmbach stattfinden können. "Es wird schließlich auch kälter", sagt sie. Und auch auf weitere Ausflüge freuten sich alle schon.

Bald wieder Ausflüge?

Gemeinsam werden bei diesen Ausflügen zum Beispiel Vorträge in Fach- oder Rehakliniken besucht. Auch Fahrten zu Konzerten, in Museen oder ins Theater stehen auf dem Programm. Wann das wieder möglich ist, steht in den Sternen.

Die Selbsthilfegruppe

Die Selbsthilfegruppe Schlaganfallbetroffener Stadt und Landkreis Kulmbach trifft sich regelmäßig an jedem ersten Freitag im Monat von 14 bis 17 Uhr. Wer Interesse an einem Betritt hat, kann sich bei Anita Hofmann unter Telefon 09228/5902 melden. Die Gruppe gibt es seit über fünf Jahren, seit 2018 ist sie ein eingetragener Verein. Sie ist in Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurologie am Klinikum Kulmbach entstanden und wird gefördert durch die Krankenkassenverbände, den Bayerischen Verband Schlaganfallbetroffener, das Zentrum Bayern Familie und Soziales, die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe sowie den BRK-Kreisverband Kulmbach.