Im Melkendorfer Baugebiet am Siegberg regt sich Unmut. Stein des Anstoßes: Ein Erdhaufen am Rande des Baugebiets. Es ist, das muss man einfach so sagen, ein gewaltiger Erdhaufen. Aber nicht die schiere Größe ist es, die viele Anwohner verärgert.

"Braun vor Dreck"

"Wir haben hier seit einem Jahr Dreck und Lärm", sagt Brigitte Schwarz, deren Haus dem Erdhaufen am nächsten liegt. Die Wände des neuen Hauses seien bereits nach kurzer Zeit "braun vor Dreck". Zudem wachse im Umfeld des Haufens das Unkraut meterhoch, same in die Hausgärten aus. "Und zeitweise haben wir eine Fliegeninvasion."

Ähnlich äußern sich Nachbarn des Ehepaares Schwarz. So berichtet Thorsten Olbrich, dass Lastwagen, die ständig neue Erde anliefern, und Bagger zu einer ständigen Geräuschkulisse führten. "Das Piepsen der Baumaschinen ist nervig." Auch Olbrich spricht von Staubwolken, die übers Wohngebiet ziehen, wenn der Wind ungünstig wehe. Und Daniela Erlmann sagt uns, dass sie die Fenster ihres Wintergartens in sehr, sehr kurzen Abständen putzen muss: "Der Staub liegt überall."

Mehrfach haben sie sich schon an die Stadt Kulmbach gewandt, sagen die Anwohner. Bislang vergeblich.

Die Stadt nämlich ist, wenn man es so salopp sagen will, der Verursacher des Ärgernisses. "Bei dem Erdmaterial handelt es sich um Rohboden, den wir voraussichtlich für den Bau eines Lärmschutzwalls entlang der neuen Umgehungsstraße brauchen, wenn wir eine Erweiterung des Baugebiets Richtung Umgehung vornehmen wollen", erläutert der Pressesprecher der Stadt, Jonas Gleich.

Das Material stammt Gleich zufolge von verschiedenen Baustellen. "Bevor man die Erde von anderen Baustellen teuer entsorgt und dann gegebenenfalls für einen Wall neu erwerben müsste, scheint die Lagerung als Zwischenlösung akzeptabel."

Gleich betont, dass man den Anwohnern am Siegberg schon ein Stück weit entgegengekommen sei. Anfangs sei die Zu- und Abfahrt zu der sogenannten Erdmiete unmittelbar über die Wohnstraßen geführt worden. "Wir hatten ständig Lehm und Dreck auf der Straße" erinnert sich Daniela Erlmann.

Nachdem sich die Beschwerden gehäuft hatten, so Pressesprecher Gleich, habe man reagiert. Zum einen sei der Erdhaufen "umgelagert" worden und befinde sich jetzt nicht mehr direkt an der Wohnbebauung, sondern Richtung Katschenreuth dort, wo die Ortsdurchfahrt von Melkendorf in die neue Ortsumgehung einmündet. Außerdem habe man die Zufahrt verlegt, so dass die Laster den Erdhügel jetzt über einen eigens geschaffenen Weg in Höhe des Sportplatzes ansteuern.

Zudem gibt es nach den Worten des Pressesprechers seit dem Herbst einen Anlieferstopp. Allerdings sei in jüngster Zeit wieder Material abgefahren worden, das für die Baustelle in der Hofer Straße benötigt wird.

Staub ist normal

Dass es in einem Baugebiet - gerade wenn es noch nicht voll erschlossen ist - und bei so starken Winden wie aktuell immer wieder mal zu Verwehung von Staub und Dreck kommt, sei normal, so Jonas Gleich. Das passiere auch bei der Bearbeitung von landwirtschaftlichen Flächen.

"Selbstverständlich ist es unser Ziel, die Beeinträchtigungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren und mögliche Belastungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten."

Ungeliebter Lärmschutzwall

Ob diese Argumentation die Anwohner überzeugt, ist fraglich. Was den angesprochenen Lärmschutzwall angeht, ist ihre Haltung klar: "Wir wollen keinen Lärmschutzwall", sagen sowohl Thorsten Olbrich als auch seine Nachbarin Daniela Erlmann. Den freien Blick wollen sie sich nicht verbauen lassen.

So ein Wall wird ohnehin nur notwendig werden, sollte das bestehende Baugebiet in Richtung der Umgehung erweitert werden. Was genau am Siegberg geplant ist - das könne ihnen niemand genau sagen, klagen die Anwohner. Fakt sei, dass ein Ende der Belästigung nicht in Sicht ist. Sie habe ein Schreiben der Stadt erhalten, demzufolge auch in diesem Jahr mit der Anlieferung von weiterem Erdmaterial zu rechnen sei, sagt Daniela Erlmann. "Das ist das, was uns so ärgert: Da hat man uns teure Bauplätze verkauft - und lässt uns nun auf dem Dreck sitzen."