Die "unendliche Geschichte" mit den Aufzügen an der Fußgängerbrücke über die Gleise am Bahnhof gehe "gefühlt in die 20. Runde". Das merkte Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD) in der Bürgerversammlung am Mittwochabend an. Die Gerüste sollten am 3. November aufgestellt werden, der Termin sei zwischenzeitlich auf den 1. Dezember verschoben worden. Telefonisch habe die Bahn in dieser Woche mitgeteilt, dass auch dieser höchstwahrscheinlich nicht eingehalten kann. Mehr könne er dazu nicht sagen, da das Projekt ausschließlich eine Angelegenheit von Wasserwirtschaftsamt und Bahn sei.

Einen konkreten Termin nannte Schmiechen jedoch, was die Eröffnung der Ortsumgehung angeht. Diese werde zwischen dem 8. und 11. Dezember stattfinden. Dies sei zumindest die Zusage des Staatlichen Bauamts, das coronabedingt auf die Entsendung eines Mitarbeiters verzichtet, ersatzweise aber eine kurze Präsentation zur Verfügung gestellt hatte - mit einer Luftaufnahme des gesamten Projekts und einer Befahrung der Umgehung aus Richtung Kauerndorf über die Talbrücke bis zur Einmündung in die B 303 vor Ludwigschorgast.

Bis Juni geht's noch weiter

Auf eine festliche Eröffnung wird unter den gegenwärtigen Kontaktbeschränkungen verzichtet, teilt das Straßenbauamt mit. Mit der Eröffnung wird laut Schmiechen der bisherige westliche Ortszugang aus Richtung Kulmbach geschlossen, dieser soll bis Ende Mai 2021 dann an die Umgehung angeschlossen sein. Bis Ende Juni 2021 solle dann auch die Straßenführung zum Ost-Anschluss endgültig fertiggestellt sein.

In der Übergangszeit von Dezember bis Juni werden auch die Busse umgeleitet; Haltestellen wird es vorübergehend nur an der ehemaligen Apotheke und am Netto-Markt geben.

Eine ebenso ausführliche wie kritische Darstellung des Projekts Umgehungsstraße hatte Bernhard Herrmann vorbereitet. Er zeigte sich "erschrocken über die Zerstörung der Natur" und erstaunt "über die Gigantomanie" und prangerte die "Mondlandschaften" an. An dieser Stelle unterbrach ihn Bürgermeister Schmiechen mit dem Hinweis, sich kürzer zu fassen und eine konkrete Frage zu stellen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass das Umfeld ja noch begrünt werde, die Umgehung für die Anwohner der bisherigen B 289 aber sehr wohl die Befreiung von Verkehrslärm bedeute.

Bei der Nachfrage nach den Ausgleichsflächen für den massiven Eingriff verwies Schmiechen Herrmann an das Staatliche Bauamt direkt.

Im Zeit- und Kostenplan

Zur zweiten Großbaustelle, der Komplettsanierung und Erweiterung der Wasserver- und Abwasserentsorgung, gab Ralf Brünkmann vom Büro BaurConsult einen Überblick. Für die gesamte Maßnahme nannte er Kosten von gut 6,7 Millionen Euro. Bisherig sei man im Zeit- und Kostenplan.

Abgeschlossen seien inzwischen der Regenrückhalteteich und die Erneuerung von Kanal und Wasser in der Rudolf-Diesel-Straße, ausgehoben auch der Grund für den Löschwasserbehälter im Industriegebiet, der möglicherweise noch im Dezember betoniert werden könnte, erläuterte er.

Zurzeit würden die Kanäle befahren, um etwaige Reparaturen festzustellen. Ergebnisse lägen zurzeit noch nicht vor, beantwortete Brünkmann eine Nachfrage von Gemeinderat Helmut Bergmann. Für 2021 sein dann der Bau der FWO-Leitung bis Hummendorf vorgesehen. Die geschehe im Spülbohrverfahren, so dass nicht gegraben werden muss. Innerorts sei dieses Verfahren allerdings nicht anwendbar, beantwortete er die Nachfrage von Bergmann; dort müsse die Straße aufgegraben werden, auch um an die Hausanschlüsse zu kommen.

Der Brunnen Pressecklein wird Brünkmann zufolge eine neue Installation und einen Oxydator bekommen. Kleine Eingriffe brauche es auch am Hochbehälter. Ob dies reicht, bezweifelte Bergmann. Welche Eingriffe das genau seien, wollte Bernhard Herrmann wissen. Weitere Einzelheiten dazu würden die Veranstaltung sprengen, warf Schmiechen ein. Beschlossen habe der Gemeinderat zumindest Maßnahmen für 188 000 Euro. Bergmann gab sich mit dieser Erklärung zumindest in der Versammlung zufrieden - der Umfang und Sinn der Hochbehältersanierung ist neben der Beurteilung, ob der hohe Wasserverlust in den maroden Leitungen vorrangig zu beseitigen ist, einer der Streitpunkte, die Bergmann und Schmiechen in der Vergangenheit teils heftig austrugen.

Das Wort entzogen

Zu weiteren Fragen zum Abwasserkanal Richtung Kulmbach verwies der Bürgermeister Herrmann an den Abwasserzweckverband. Nach weiteren Bemerkungen entzog er ihm das Wort, was Herrmann mit der Anmerkung, dass er solche "Stoffeleien", ihm ins Wort zu fallen, nicht schätze.

Zum Wasserverlust in den etwa 20 Kilometer langen Untersteinacher Leitungen fragte Helmut Bergmann, ob man die lecken Stellen nicht konsequent ausmachen könne. Er verwies auch auf die regelmäßigen Rohrbrüche. Dies wäre durch Druckmessungen jeweils zwischen zwei Hydranten möglich, sagte Ralf Brünkmann, aber abstandsbedingt doch ungenau; es sei denn, man grabe zwischen den beiden Messstellen auf.

Anträge von Tobias Eichner, Niederschriften der öffentlichen Sitzungen auf der Homepage der Gemeinde zu veröffentlichen, sich wieder um einen Radweg nach Guttenberg zu kümmern und den Bauhof zu bitten, Verunreinigungen neben den Rad- und Spazierwegen zu beobachten, nahm Verwaltungsleiterin Christiane Schuck zur Weiterbearbeitung mit ins Rathaus.