So ein Hobby hat nicht jeder. Während sich andere um Hunde, Katzen, Meerschweinchen kümmern, beschäftigen sich Armin und Klaus Huber mit: Turmfalken. Die Brüder aus Petzmannsberg wissen genau, wann die Eier gelegt wurden, wann die Jungvögel geschlüpft sind, was sie fressen und wann sie ausfliegen. Denn es sind nicht irgendwelche Greifvögel, für die sich die beiden interessieren, sondern "ihre" Turmfalken, die in ihrem alten Heustadel nisten. "Heuer sind es erstmals sechs Junge", sagt Armin. "Turmfalken brüten bei uns bestimmt schon seit 20 Jahren."

Petzmannsberg ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Ein großes Wohngebiet am Stadtrand Kulmbachs. Das alte, bäuerlich geprägte Petzmannsberg ist kaum mehr zu erkennen. Im Winkel, nicht weit vom früheren Gasthaus "Weberhof", steht das stattliche Huber-Anwesen, ein ehemaliger Bauernhof. Den schmalen Weg, der zur Burghaiger Straße hinabführt, dürften die wenigsten kennen.

Hier wohnen die Petzmannsberger Turmfalken. Ein Loch in der Bretterwand und dahinter ein geschlossener Holzkasten - das reicht den Mäusejägern als Brutplatz. Zunächst war der Horst auf der Südseite des Stadels, die zum Maintal zeigt. "Unser Vater wollte eine Nisthilfe für Stare bauen. Aber dann kamen die Turmfalken einfach von selber", so Armin Huber.

Standort suboptimal

Doch der Standort stellte sich als suboptimal heraus: Die unterhalb der Einflugschneise platzierten Tomaten bekamen durch den Vogeldreck zu viele weiße Flecken ab. Also wurde der Nistkasten auf die Nordseite verlegt. "Die Falken kamen im nächsten Frühjahr wieder und haben gewütet, weil das Loch zu war", erinnert sich Klaus Huber, "aber sie haben den neuen Platz gefunden." Deshalb gehen sie davon aus, dass die Turmfalken die Örtlichkeit kannten und - fast wie Störche - standorttreu sind.

Eine Einschätzung, die der Greifvogelexperte des LBV Kulmbach, Ralph Pfeiffer aus Berndorf, teilt. "Wenn die Turmfalken einen guten Brutplatz kennen, dann halten sie ihn langfristig besetzt", sagt er. "Manche halten sich ganzjährig in der Nähe des Brutplatzes auf, manche ziehen im Winter weg. Wichtig ist das Futterangebot für das Überleben im Winter. Das war zuletzt kein Problem, denn wir hatten gute Mäusejahre."

Die Petzmannsberger Turmfalken scheinen im Winter nicht wegzufliegen. Regelmäßig herrsche im Januar oder Februar wieder Betrieb am Heustadel, berichtet Klaus Huber. Er habe beobachtet, "wie sich vier Vögel gleichzeitig um das Nest stritten. Es war ein richtiger Luftkampf." Hier vermutet der Fachmann des Landesbunds für Vogelschutz, dass ehemalige Petzmannsberger Jungvögel versuchen, sich den Nistplatz zu sichern.

Laut Armin Huber war 2019 ein schwieriges Jahr für die Turmfalken. Die Altvögel fanden offenbar nicht genug Nahrung: "Sie waren dann auf einmal fort. Und im Nest blieben die vier Kleinen." Sie wären verhungert. Aber mit Hilfe des Nachbarn Klaus Hain vom Kulmbacher Tierschutzverein habe man die Jungen zur Wildtierstation bei Stadtsteinach gebracht. Dort seien sie per Hand aufgezogen worden und hätten überlebt. "Deswegen haben wir eine Kamera angebracht, um zu sehen, wie es den Jungen geht."

Der Nachwuchs ist gesund

Heuer zeigt der Blick in die Kinderstube, dass sich die Jungen prächtig entwickeln. Die Alten schleppen jede Menge Mäuse, aber auch mal einen Maulwurf oder eine Eidechse an. Die Eiablage erfolgte zwischen 1. und 12. April, gewissenhaft auf einem Wandkalender dokumentiert. Anfang Mai seien die Jungen geschlüpft und jetzt schon fast zu voller Größe herangewachsen.

Die Huber-Brüder erwarten, dass schon nächste Woche die ersten das Nest verlassen. "Aber wenn sie ausfliegen, bleiben sie noch zirka vier Wochen in der Nähe. Die Altvögel füttern die Jungen auf den Hausdächern", sagt Armin Huber, "danach sind sie verschollen".

Einen reich gedeckten Tisch mit Futter finden die Turmfalken, die bis zu 18 Jahre alt werden können, im Maintal. Klaus Huber: "Man sieht sie, wie sie zur Flutmulde fliegen. Dort sitzen sie auf einem Strommast oder beobachten beim Rüttelflug, was sich auf dem Boden tut. Dann stoßen sie nach unten und bringen die Mäuse zum Nest."

Dabei erreichen die Turmfalken nicht die enormen Geschwindigkeiten der Wanderfalken. Ihre größeren Verwandten jagen in der Luft und bringen es beim Sturzflug auf über 300 km/h. "Bei den Turmfalken sind es deutlich unter 100 Stundenkilometer", meint der LBV-Experte, dem die Turmfalken selten Kopfzerbrechen bereiten: "Sie sind keine gefährdete Art und die am meisten verbreiteten Greifvögel in Deutschland."

Videos im Netz

Aus technischen Gründen ist es bisher nicht möglich, dass die Huber-Brüder Live-Bilder des Petzmannsberger Horstes ins Netz stellen. Aber es gibt mehrere Videos auf ihrem Youtube-Kanal. "Kann man leicht finden: Falken im Nest", sagt er.