Es war ein trauriges Bild, das sich da in den Tagen vor Weihnachten zum Teil in der Kulmbacher Innenstadt bot. Vor allem an den Nachmittagen, gerade auch samstags, konnte man die Bummelnden und Kunden in den Geschäften an einer Hand abzählen. Gähnende Leere in der Fußgängerzone statt brummendem Weihnachtsgeschäft. Hat Corona den Kulmbachern die Kauflaune verdorben oder lag es an der für Teile des Einzelhandels verhängten 2G-Regel?

Die Kulmbacher Geschäftsleute haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht, wie auch Christoph Hofmann, der Vorsitzende der Händlervereinigung "Unser Kulmbach", weiß. "Einige waren ganz zufrieden, andere haben beklagt, dass schon sehr wenig los war in der Innenstadt." Die Rahmenbedingungen seien aber insgesamt und nicht erst seit Corona schwieriger geworden für alle Händler.

"Schlimmer vorgestellt"

Bis vergangene Woche von der 2G-Regelung betroffen war Gudrun Stübinger mit ihrem Geschäft "Wäschetraum". Nur Geimpfte und Genesene durften in ihrem Laden einkaufen, sie hatte dafür eine provisorische Kontrollstation am Eingang aufgebaut. "Wir als kleines Geschäft können uns kein extra Personal dafür leisten." Alle ihre Kunden hätten sehr verständnisvoll auf die Kontrollen reagiert. Das Weihnachtsgeschäft sei nicht wie in den Jahren vor Corona gewesen, "aber auf unsere Stammkunden können wir uns verlassen", so Stübinger, deren Fazit einigermaßen zufriedenstellend ausfällt. "Ich habe es mir mit der 2G-Regelung schlimmer vorgestellt. Wir haben gedacht, wenn das so bleibt, müssen wir im Januar verkürzte Öffnungszeiten einführen." Aber nachdem am vergangenen Mittwoch ein Gericht festgestellt hat, dass Bekleidung, und damit auch Wäsche, zum täglichen Bedarf zählt, herrscht seit Donnerstag auch im "Wäschetraum" wieder Normalbetrieb. "Wir schauen jetzt nach vorn", betont die Einzelhändlerin voller Optimismus.

Ab 2G war es vorbei

Die Verschärfung der Corona-Maßnahmen hat Werner Türk in seinem Herrenmoden-Geschäft deutlich zu spüren bekommen. "Das Weihnachtsgeschäft war in Ordnung bis zu dem Tag, als 2G kam. Danach war es schlagartig vorbei. Das hätte es nicht gebraucht, damit hat man den Einzelhandel kaputt gemacht", sagt er. Erstaunt über diesen Einbruch sei er schon gewesen, denn so viele Ungeimpfte gebe es ja auch nicht. Seine mögliche Erklärung: "Die Männer gehen eh nicht gerne einkaufen, vielleicht haben sie das jetzt als Grund vorgeschoben."

Durchwachsen fällt auch die Bilanz von Silvia Canola-Haußner von "Sissis Schmückburg" aus. "Das Weihnachtsgeschäft war nicht so schlecht wie erwartet, aber auch nicht so gut wie erhofft", lautet ihr Fazit. 30 bis 40 Prozent Einbußen, die manche Händler beklagen, habe sie glücklicherweise nicht gehabt.

Die letzte Saison

Für Alexandra Hofmann von der Parfümerie Benker war es die letzte Saison, denn nach 51 Jahren bei Benker, davon die letzten 36 Jahre als selbstständige Inhaberin, macht sie das Kulmbacher Traditionsgeschäft im Februar zu. Deshalb habe es vor Weihnachten auch einen 20-Prozent-Christmas-Sale gegeben, der dazu beigetragen habe, dass sie mit dem Weihnachtsgeschäft "relativ zufrieden" sei. "Wir hatten gute Tage, und wir hatten schlechte Tage", sagt sie.

40 Prozent Einbußen

Von 35 bis 40 Prozent Umsatzeinbußen im Weihnachtsgeschäft, nicht zuletzt durch 2G, spricht Florian Ascherl, der Leiter der "Tragwelt"-Filiale im "Fritz". Dazu komme: Die Stimmung sei bei Kunden und Mitarbeitern angespannt, viele seien von den Regeln und Kontrollen genervt. "Natürlich beantragen wir staatliche Hilfen, wo immer es möglich ist, aber die Unterstützung deckt nicht einmal die Fixkosten eines Monats ab", gibt er zu bedenken.

"Es gibt etliche Facheinzelhandelsgeschäfte, die mit dem Weihnachtsgeschäft nicht zufrieden waren, wie ich aus vielen persönlichen Gesprächen mit Einzelhändlerinnen und Einzelhändlern auch aus Kulmbach weiß", bestätigt IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner. Die Vorsicht vieler Verbraucher und vor allem die für bestimmte Geschäfte geltende 2G-Regel hielten viele Kunden ab. Einzelhandelsunternehmen berichten im Extremfall von bis zu zwei Drittel Umsatzverlust.

Diese staatlichen Hilfen gibt es

Überbrückungshilfe Für die meisten Unternehmen, die mit einem deutlichen Umsatzrückgang zu kämpfen haben, ist vor allem die Überbrückungshilfe interessant. Wichtigste Voraussetzung ist, dass die Unternehmen einen Umsatzrückgang von mindestens 30 Prozent zum Referenzmonat nachweisen können. Bei mindestens 30 Prozent Umsatzeinbruch werden bis zu 40 Prozent der förderfähigen Fixkosten bezuschusst. Je höher der Umsatzrückgang, desto höher der Fördersatz. So werden ab 70 Prozent Umsatzeinbruch bis zu 100 Prozent der förderfähigen Fixkosten bezuschusst.

Eigenkapitalzuschuss Überschreitet der Umsatzeinbruch die 50-Prozent-Marke, kann außerdem zusätzlich ein sogenannter Eigenkapitalzuschuss bewilligt werden. Die Antragstellung erfolgt über Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und vereidigte Buchprüfer und ist noch bis zum 31. März 2022 möglich. Bei Erstanträgen werden Abschläge von 50 Prozent der beantragten Förderung gewährt.

Einzelhändlerinnen und Einzelhändler, aber auch andere Branchen, die im ersten Quartal 2022 einen entsprechenden Umsatzrückgang verzeichnen, können auch für diese Monate Überbrückungshilfe beantragen.