Früher war nicht alles besser. Aber manches war einfacher. Zum Beispiel die Sache mit dem Telefon.

Nun höre ich leisen Protest: Wählscheibe, Schnur, kein Display für die eine oder andere Anzeige, kein Internet-Zugang, kein eingebauter Kompass - was soll da denn besser gewesen sein?

Ich erklär's Ihnen: Man konnte leichter nicht erreichbar sein. Hatte man, mal angenommen, einen harten Tag hinter sich und wollte nur noch in Ruhe auf der Couch abhängen, konnte man ein klingelndes Telefon einfach ignorieren.

Falls es der Anrufer später noch einmal probierte, oder morgen oder übermorgen... konnte man immer sagen, man sei gar nicht zuhause gewesen. Die Frage des Anrufers, ob man denn nicht gesehen habe, dass er angerufen habe, erübrigte sich, weil die Telefone von damals kein Display hatten.

Schlaue Anrufer probieren es heutzutage nach zwei, drei vergeblichen Versuchen auf dem Festnetz auf dem Handy. Will man sich dann immer noch rausreden, wird es eng. Handy verlegt, nicht gehört, Akku leer, SMS nicht gesehen... solche Ausreden wirken dünn.

Wer beharrlich alle telefonischen Kontaktversuche ignoriert und zudem seine einschlägigen Whatsapp-Gruppen stumm schaltet, gilt schnell als ungeselliger Eigenbrötler.

Das war er vor 40 Jahren vielleicht auch schon. Aber es zu verbergen - das war eindeutig einfacher!

Ach ja: Falls Sie mit mir über diese These diskutieren wollen, dann rufen Sie mich nicht an. Mein Handy ist meistens auf lautlos gestellt, der Akku ist leer und es liegt irgendwo, wo ich es gerade nicht finde!