Es war eine kluge Entscheidung der Verantwortlichen, die diesjährige Bürgerversammlung vom Rathaus in den großen Saal der Dr.-Stammberger-Halle zu verlegen: So konnten nicht nur die corona-konformen Abstände eingehalten werden. Es war auch Platz für gut 70 Besucher - so viele, wie bei den Bürgerversammlungen der letzten Jahre lange nicht registriert wurden. Entsprechend umfangreich war die Zahl der Beiträge.

Wie zu erwarten, war auch die Erschließung der Plassenburg ein Thema - eines, zu dem es durchaus kontroverse Äußerungen gab. So bekannte Oberbürgermeister Ingo Lehmann, kein Freund der von der Schlösserverwaltung angedachten Straße durch den Buchwald zu sein. Die ermögliche zwar Reisebussen die Anfahrt, bringe aber nicht zwangsläufig mehr Besucher auf die Burg. Gegen eine solche Straße gebe es bereits Einwände aus der Gemeinde Ködnitz und vonseiten des Naturschutzes.

Deutliche Kritik übte Lehmann an der Informationspolitik der Schlösserverwaltung, die sich offensichtlich schon auf die Buchwald-Trasse als einzige Lösung festgelegt habe. "So geht man nicht miteinander um."

Gutes Angebot bringt Besucher

Für Lehmann hängen die Besucherzahlen vom Angebot ab. "Bei den Plassenburg-Open-Airs funktioniert das ja auch."

Der vom Verein "Freunde der Plassenburg" angeregte Burggipfel ("eine charmante Idee") habe keine Eile, sagte er. "Wir werden uns zu gegebener Zeit in Ruhe und Sachlichkeit mit dem Thema befassen."

Anders sieht das Peter Weith, Vorsitzender der "Freunde der Plassenburg". Ein Burggipfel sei weniger eine charmante Idee denn ein Gebot der Stunde, und er müsse zeitnah stattfinden. Weith verwies darauf, dass der Verein, der rund 330 Mitglieder habe, die Plassenburg stetig unterstütze: finanziell, mit Dauerleihgaben "und mit Man-Power".

In der Diskussion um die Erschließung der Burg sieht Weith viele unsachliche und unangebrachte Beiträge und Unwahrheiten. Er wünsche sich eine Betrachtung der Angelegenheit ohne Polemik oder Vorurteile. Es sei erschreckend, dass das Projekt unter anderem von Stadtratsfraktionen abgelehnt werde, ohne dass man über detaillierte Informationen verfüge.

"Moderater Ausbau"

Es werde nicht funktionieren, Reisegruppen mit einem Pendelbus auf die Burg zu transportieren, so Weith. Varianten, die Plassenburg anders als über den Buchwald anzufahren, seien geprüft, aber wieder verworfen worden, weil sie technisch nicht umsetzbar seien.

Bei der Buchwald-Trasse handle es um einen moderaten Ausbau einer bereits vorhandenen, geschotterten Zufahrt, die jetzt schon von Harvestern und Lastwagen befahren werde. Im Gegensatz zu Teilen der Plassenburg, die als FFH-Gebiet ausgewiesen seien, sei der Buchwald kein schützenswertes Gebiet, sondern ein Nutzwald - "in dem der Besitzer jederzeit Bäume fällen darf".

Weith wies zudem darauf hin, dass dann, wenn für eine Straße Bäume gefällt werden, Ausgleichsflächen geschaffen werden müssen.

Zur Frage, ob man nicht zunächst einmal das Angebot auf der Burg verbessern müsse, meinte Weith, dass man ja das eine tun könne, ohne das andere zu lassen. Die "Freunde der Plassenburg" sähen hier durchaus auch Handlungsbedarf. Deshalb werde man in der Sitzung des Stiftungsrates am 11. November die Wiederbesetzung der Stelle des Museumsleiters oder der Museumsleiterin beantragen.

Ganz anders stellt sich die Situation für Wolfgang Hoh dar. Der frühere Förster, der lange im Forsthaus hinter der Plassenburg gewohnt hat, warnte eindringlich davor, Autoverkehr durch den Buchwald zu lenken. Auf der angedachten Trasse gebe es zwei Steilstrecken, die je nach Witterung schwer zu befahren sein könnten. Bei der bestehenden Straße handle es sich um einen sandgebundenen Schotterweg mit einem sogenannten Dachprofil: "Das heißt, dass die Straße zu den Seiten hin abfällt, um die Entwässerung zu gewährleisten. Im Begegnungsverkehr von Bussen besteht das Risiko, dass die in den Graben rutschen."

Autos heraushalten

Hoh kann sich vielmehr einen Aufzug von der Innenstadt zur Burg vorstellen. Der Brunnen im Kasernenhof könne dabei zum Aufzugschacht umgebaut werden. "Wir sollten auf jeden Fall Autos aus der Burg und aus dem Buchwald heraushalten."

Bericht des Oberbürgermeisters

Ein knappes halbes Jahr erst ist Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) im Amt. Dennoch konnte er bei der Bürgerversammlung in der Dr.-Stammberger-Halle einen umfangreichen Rechenschaftsbericht vorlegen. Er habe, so Lehmann eingangs, in seinen ersten Monaten als Oberbürgermeister stets versucht, die Kulmbacher in Entscheidungen einzubeziehen. "Ein Stadtoberhaupt muss das Ohr am Menschen haben."

Lehmann zufolge ist Kulmbach gut aufgestellt, was Schulen und Kinderbetreuung angeht. An jeder Schule gebe es ein Angebot über den eigentlichen Unterricht hinaus.

Um den heimischen Handel zu unterstützen, habe man den Händlern mit Thomas Tischer einen "Kümmerer" zur Seite gestellt. Er freue sich, so Lehmann, dass Kulmbach in Kürze auch wieder einen Supermarkt in der Innenstadt habe.

Die Entscheidung darüber, was auf dem ehemaligen Kaufplatz-Gelände entstehen soll, müsse man sorgfältig treffen, damit die Stadt dadurch wirklich attraktiver werde, so der OB weiter. Er persönlich sei gegen eine reine Wohnbebauung.

Die Corona-Pandemie schließlich bereitet auch der Stadt Kulmbach Sorgen. Das Veranstaltungsleben und die Gastronomie hätten stark gelitten. "Wir erwarten deutliche Einschränkungen beim Steueraufkommen", so Lehmann, der davon ausgeht, dass deswegen im neuen städtischen Haushalt rund elf Million Euro fehlen werden und erst 2023 wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht werden wird.

Von Fremdparkern und neuen Häusern

Straßen, Parkplätze, Baugebiete: In Bürgerversammlungen gibt es dazu üblicherweise viele Wortmeldungen. Das war auch am Donnerstag in der Dr.-Stammberger-Halle nicht anders.

So ging es um die Klage von Anwohnern aus Katschenreuth. Sie wünschen sich zur Lärmreduzierung auf der Staatsstraße 2190 Flüsterasphalt. Der soll nach Aussagen des Staatlichen Bauamtes bei der nächsten Sanierung auch kommen.

Saniert werden soll auch die Untere Buchgasse, wo im Zuge der Bauarbeiten für Sprungturm und Kletterwand im Freibad Schäden in der Fahrbahndecke entstanden sind. In der Taubmannstraße wünschen sich die Anwohner Ausbesserungsarbeiten auf der Fahrbahn und beklagen das Fehlen eines Gehsteigs.

Lehmann machte zu all dem deutlich, dass immer erst die Finanzierung gesichert sein müsse: "Wir können das Geld halt nur einmal ausgeben."

In der Meranierstraße sorgen Autos von Schülern des beruflichen Schulzentrums, die die Anwohnerparkplätze belegen, ebenso für Ärger wie eine große Eiche, die jetzt im Herbst viel Laub abwirft.

Auf dem Gelände der Gärtnerei Büttner sollen Häuser mit insgesamt 40 Wohneinheiten gebaut werden. Unklar ist noch, ob die Erschließung über die Wickenreuther Allee oder über den Erlenweg erfolgt. OB Ingo Lehmann versprach, dass es hier vor den ersten Maßnahmen auf jeden Fall einen Ortstermin mit den Anwohnern geben wird.

In der Hardenbergstraße sind in der Nähe der Bücherei die Parkplätze saniert worden. Die neuen Markierungen entsprechen den alten - und sind sehr eng. Ingo Wolfgramm von der Tiefbauabteilung zufolge hat man es hier mit einem Provisorium zu tun. Die Parkplätze sollen auf 2,50 Meter (bisher 2,35 Meter) verbreitert werden.

Im Bereich Hopfenweg/Amselweg wird es kein großes neues Baugebiet geben. Das versicherte OB Lehmann. Im Stadtrat sei lediglich eine "Abrundung" der bestehenden Bebauung beschlossen worden. Der Flächennutzungsplan besteht laut Stadtbaudirektor Gerd Belke in der alten Version fort und wurde nicht geändert.

Am 7. September hat es in der Tiefgarage unter dem Eku-Platz gebrannt. Seitdem ist die Tiefgarage gesperrt. Die Frage, wann sie endlich wieder geöffnet wird, wird öfter an die Stadt herangetragen. Oberbürgermeister Ingo Lehmann zufolge hat auch die Stadt ein Interesse daran, die Folgen des Brandes schnell zu beseitigen. Allerdings warte man noch auf die Freigabe der Versicherung. "Vorher dürfen wir nicht anfangen." Bei dem Brand war ein Schaden von mehr als 250 000 Euro entstanden. Wesentlich dabei war vor allem die Verrußung.

Als "eine der größten Herausforderungen für die Stadt Kulmbach" bezeichnet Oberbürgermeister Ingo Lehmann den Uni-Campus. Man befinde sich hier weit hinter dem ursprünglichen Zeitplan, was vor allem an den Grundstücksverhandlungen liege. Auf die habe die Stadt freilich keinen Einfluss. "Das ist eine Sache zwischen der Kulmbacher Brauerei und der Immobilien Freistaat Bayern. Wir sind hier nur Zaungäste." Lehmann zufolge wird es Ende November in München einen runden Tisch zum Thema Campus geben, an dem auch er teilnehmen werde. "Wir müssen hier alle an einem Strang ziehen. Es darf in der Angelegenheit keine Grabenkämpfe geben."

Solange der Uni-Betrieb, der in Kürze starten soll, provisorisch in den Räumen der ehemaligen Spinnerei laufe, könne man diese Räume nicht, wie ursprünglich geplant, für Vereine zur Verfügung stellen, so Lehmann auf eine Anfrage von Willi Kastner, dem Leiter der ATS-Boxabteilung.