"Ich laufe für mein Leben gerne!" Lina Ilse Vogel - genannt "Biene" - hat sich immer viel bewegt. Spazieren gehen und wandern, das war Zeit ihres Lebens die Leidenschaft der Thurnauerin. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass sie auch jetzt, im hohen Alter noch geistig und körperlich mobil ist. Am heutigen Samstag feiert sie ihren 100. Geburtstag.

"30 Jahre lang bin ich jeden Tag 30 Mal durchs Springseil gehüpft. Viele haben mich dafür belächelt, aber jetzt zeigt sich doch: Das war vielleicht gar nicht so dumm." Aber auch sonst war Biene Vogel nie jemand, der gerne auf der faulen Haut liegt. "Ich bin sehr gerne gereist, nach Turin zum Beispiel oder nach Mallorca und Athen."
Die gebürtige Coburgerin hat aus erster Ehe zwei Söhne. Den Jüngeren, Franz Lothar, hat sie bereits beerdigen müssen. Der Ältere, der 80-jährige Holger, der heute in Bad Aibling lebt, wird ihren Geburtstag aber mit ihr feiern können.
Mehr noch: Er hat die Feier im Gasthaus "Fränkischer Hof" in Thurnau organisiert und alle Verwandten eingeladen. "Bisher hat noch keiner abgesagt", freut sich die Jubilarin. Wie viele Leute heute tatsächlich kommen, das kann sie gar nicht abschätzen. "Einer meiner Söhne war fünf Mal verheiratet. Die Enkel und Urenkel krieg' ich gar nicht alle zusammen. Aber ich freue mich auf jeden Einzelnen."

Nach der Trennung von ihrem ersten Mann ist Biene Vogel nach Kulmbach gezogen und hat dort in der Stadtverwaltung gearbeitet. Viele Jahre war sie im Schwimmbad an der Kasse gesessen, bis sie vor 40 Jahren nach Thurnau gekommen ist.


Mit dem Cabrio "stolz wie Oskar"

Ihren späteren Ehemann Andreas hatte sie mit 60 Jahren auf einem Valentinsball in Kulmbach kennen gelernt. Er war damals mit seiner Schwester auf dem Ball und hat seine Biene von der Galerie aus entdeckt und beschlossen: Mit ihr will ich tanzen. Und so kam es dann auch - Eine romantische Liebesgeschichte. Biene Vogel erinnert sich noch gut an den Abend: "Er hatte ein Cabriolet, da war ich stolz wie Oskar, als wir durch die Gegend gefahren sind." Kurze Zeit später ist sie zu ihm nach Thurnau gezogen. Doch nach nur sieben gemeinsamen Jahren ist ihr Andreas gestorben.

Doch in ihrer neu gewonnenen Familie hatte sie längst ein zweites Zuhause gefunden. Mit den Kindern ihres Mannes, Rainer und Gisela, hat sie ein gutes Verhältnis, und die Enkel hat sie quasi mit aufgezogen. Enkel Stefan Vogel erinnert sich noch gut daran, was er mit der "Tante Biene" alles angestellt hat. Wenn die Eltern in die Firma gegangen sind, haben die Kinder viel Zeit in dem Haus auf dem Speditionsgelände bei ihrer Tante Biene verbracht. "Das war immer eine Gaudi", weiß Stefan Vogel noch genau, "die Tante Biene war schon früher für jeden Unfug zu haben."

Aber Stefan Vogel und die anderen Enkel haben auch jede Menge bei ihr gelernt - zum Beispiel Räuberrommé. "Das ist wie normales Rommé, nur dass Du Deinen Hirnkasten einschalten muss", witzelt Biene Vogel.
Dass ihre Familie gerne zu Besuch kommt und auch Freunde sich in diesem fröhlichen Haus wohlfühlen, ist nicht verwunderlich. Einmal die Woche kommen ihre Freundinnen zum Räuberrommé vorbei. "Die sind alle viel jünger als ich", bemerkt die Jubilarin. Auch im Strickkreis, den sie selbst mit gegründet hat, war sie eine der Ältesten. Das Stricken hat sie erst vor wenigen Jahren aufgegeben. Genauso wie das Autofahren.
Jetzt bleibt sie eben häufiger zu Hause.

Aber das macht nichts, schließlich kommt ihre Familie ja oft vorbei, um sie zu besuchen.