Die Brauer schlagen Alarm. "So etwas habe ich in 30 Jahren noch nicht erlebt", sagt Jürgen Münch von der Brauerei Schübel in Stadtsteinach. Stark steigende Rohstoff-, Energie- und Transportkosten setzten der Branche zu, die auch für Bierflaschen und -kästen sowie Kronkorken und Etiketten tiefer in die Tasche greifen muss. "Ich frage mich, wohin das alles noch führen wird", erklärt der Braumeister, der sich sicher ist: "Wer die Mehrkosten nicht weitergibt, der hat irgendwann verloren." Die Brauerei Schübel will überleben und wird die Preise erhöhen. Münch: "Wir werden angesichts der Preissteigerung auf allen Ebenen von den Gastronomen fünf bis acht Euro pro Hektoliter mehr verlangen müssen."

Wird das Malz knapp?

Um eine Erhöhung kommt auch die Kulmbacher Kommunbräu nicht umhin. "Wir mussten die Preise erstmals seit Jahren anziehen. In der Gaststätte kostet das Seidla jetzt 3,30 statt bis dato 3 Euro", sagt Braumeister Alexander Matthes, der auch Vorstandsmitglied der Genossenschaft ist. Froh ist er darüber, dass die Kommun die steigenden Energiekosten nicht belasten. "Durch unsere Wasserkraftanlage sind wir glücklicherweise autark." Was ihm Sorge bereitet, das sind nicht nur die in vielen Bereichen steigenden Kosten, es ist auch die Tatsache, dass ein Rohstoff mehr und mehr knapp werde: das Malz. Die Kommunbräu hat durch das Aus der Kulmbacher Mälzerei Zeitler Ende 2021 ihren Lieferanten verloren. Sie wird nun von der Ireks mit Malz versorgt. "Wir sind froh, dass wir einen heimischen Partner gefunden haben", sagt Matthes, der befürchtet, dass für nicht wenige Brauereien die Malzknappheit zu einem Problem werden wird.

Die schlechte Ernte

Die Brauerei Schübel bekommt ihr Malz ebenfalls von der Ireks - seit Jahrzehnten. Dafür, dass die Malzpreise erhöht werden, hat Chef Jürgen Münch Verständnis. Die Rohstoffknappheit, die auch in der schlechten Ernte begründet sei, treffe die Ireks. "Und das Unternehmen muss ja kostendeckend arbeiten."

Auch das Malz wird teurer

Warum der Malzpreis angezogen hat? Wir haben nachgefragt.Wie Prokurist Robert Sprinzl mitteilt, der bei der Ireks für die Malzabteilung zuständig und gleichzeitig Vorsitzender des Bayerischen Mälzerbundes ist, hat sich der Preis für den Rohstoff Braugerste, aus dem das Malz produziert wird, auf rund 360 Euro pro Tonne verdoppelt. Weil zudem die Energiepreise durch die Decke gingen und die Transporte teurer würden, müsse man beim Malzpreis anziehen. Für die Tonne, die im vergangenen Jahr 380 Euro kostete, werde man 2022 um die 600 Euro verlangen müssen. Dass der Rohstoff Braugerste nicht in Überfluss vorhanden ist, hat Sprinzl zufolge vielerlei Gründe. Weil 2021 pandemiebedingt der Bierabsatz in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um fünf Millionen Hektoliter eingebrochen sei, hätten die Mälzereien ihre Produktion zurückgefahren und daher von den Landwirten weniger Gerste abgenommen. Diese hätten in der Folge weniger angebaut. Die geringe Ernte, die es dann noch aufgrund der schlechten Witterung gegeben habe, habe die Situation verschärft.

"Sudhäuser werden nicht stillstehen"

"Die Sudhäuser werden aber nicht stillstehen", versichert der Vorsitzende des Mälzerbundes und führt an: "Malz ist sicher genügend da, um die heimischen Brauereien zu versorgen."

Es sei für manche Brauer zuletzt jedoch schwieriger als sonst gewesen, die benötigten Mengen einzukaufen. "Hat sich der Brauer wegen der steigenden Preise erst spät mit dem Einkauf befasst, dann konnte es sein, dass die Mälzerei bereits ausverkauft war", sagt Sprinzl, nach dessen Worten sich in Oberfranken auch die Schließung der Kulmbacher Mälzerei Zeitler ausgewirkt hat. Was ihn zuversichtlich stimmt: "Braugerste ist für den Anbau 2022 für Landwirte preislich eine lohnende Alternative. Denn sie benötigt wenig Dünger, der derzeit ebenfalls sehr teuer ist. Der Absatz ist zudem immer gesichert."

Auch "Kulmbacher" zieht an

Der hohe Rohstoffpreis trifft die Braubranche. Ein großer Kostenfaktor ist außerdem die Energie. Nicht nur für Schübel und Kommunbräu, auch für die Kulmbacher Brauerei. "Wir bekommen die Auswirkungen der stark steigenden Preise für Strom, Erdgas und Erdöl zu spüren", hat Vorstandssprecher Markus Stodden jüngst erklärt und von signifikanten Kostensteigerungen in allen Unternehmensbereichen gesprochen. Eine Weitergabe der Kosten an die Endverbraucher werde unumgänglich.

Wirt muss "behutsam vorgehen"

Wer gerne Bier trinkt, der wird nicht nur beim Kauf eines Kastens im Getränkemarkt mehr bezahlen müssen, sondern auch beim Wirtshausbesuch. Wie im "Seelöwen", in dem das Seidla zurzeit noch 3,10 Euro kostet. Die Brauerei habe eine Erhöhung angekündigt, "die wir an unsere Gäste weitergeben müssen", sagt Wirt Werner Glaser, der betont, dass er aufgrund der ohnehin angespannten Lage in der Gastronomie keinen riesigen Preissprung vornehmen könne.

Zumal die Kunden mit immer höheren Lebenshaltungskosten zu kämpfen hätten. "Da muss man behutsam vorgehen", sagt Gastwirt Werner Glaser, der wohl künftig 3,30 Euro für ein Glas Bier verlangen wird.