Beim Zeitpunkt hatten sich die Wetterfrösche ein wenig vertan. Im Grundsatz lagen sie mit ihrer Prognose aber richtig: Der Winter ist ins Kulmbacher Land zurückgekommen. Und er kam, einige Stunden später als ursprünglich angekündigt, mit Macht. Erst ein knapp einstündiger Eisregen am Sonntagabend, dann ergiebige Schneefälle während der Nacht - und dadurch erhebliche Beeinträchtigungen im morgendlichen Berufsverkehr.

Seit den frühen Morgenstunden waren auch im Kulmbacher Land die Winterdienstfahrzeuge im Einsatz. Zu spät, zu wenig? Vor allem in den sozialen Netzwerken wurde viel geschimpft. Zu Unrecht, wie zwei Bürgermeister meinen, die wir stellvertretend für alle fragten.

"Katastrophal" sei die Situation zunächst gewesen, sagt der Marktleugaster Bürgermeister Franz Uome. Wie in den anderen Oberland-Gemeinden auch hatten die Mitarbeiter des Winterdienstes gegen deutlich mehr Schnee als üblich anzukämpfen. "Stellenweise fielen in kürzester Zeit 20 Zentimeter."

Etwa 40 Kilometer lang ist das Marktleugaster Straßennetz. Acht Mann waren mit Fahrzeugen oder im Handstreudienst damit beschäftigt, Straßen und Wege von den weißen Massen zu befreien. "Seit 3 Uhr morgens", wie der Bürgermeister betont. Gegen Mittag waren im Raum Marktleugast dann auch die Seitenstraßen frei. "Ich glaube, das ist schon ein Grund, dem Bauhof einfach mal ,Danke' zu sagen", so Uome.

Auch im südlichen Landkreis Kulmbach ist es gebirgig. Und auch dort stellte der Schnee den Winterdienst vor erhebliche Herausforderungen. Zum Beispiel im Markt Thurnau. Ein Teil des Gemeindegebietes liegt oben auf dem Jura. Das Problem dort: Bevor der Schneefall einsetzte, war ein Eisregen niedergegangen, der es besonders aufwendig machte, die Straßen wieder frei zu bekommen.

Mehr Schnee als sonst

"Das war schon deutlich mehr Schnee als sonst", sagt Bürgermeister Martin Bernreuther. 65 Kilometer lang sei das Straßennetz der Marktgemeinde. Um das frei zu bekommen, seien die Mitarbeiter seit 3.45 Uhr in zwei parallelen Schichten gefahren. Üblicherweise dauere eine solche Schicht vier bis sechs Stunden. Gestern, so Bernreuther, seien die Mitarbeiter hingegen acht Stunden lang im Einsatz gewesen.

Auch Martin Bernreuther kennt die Kritiker, die monieren, dass ihre Wohnstraße erst spät frei wurde oder der Schneepflug den Schnee ausgerechnet vor das eigene Grundstück geschoben hat. Bernreuther verweist auf den begrenzten Platz auf den Straßen. Irgendwo müsse der Schnee ja hin. "Wir versuchen wirklich, es allen Recht zu machen."

Mit Blick auf die Wetterprognosen hatte die Stadt Kulmbach schon am Freitag alle Fahrzeuge für den Winterdienst aufgerüstet. Das teilt Jonas Gleich, Pressesprecher der Stadt Kulmbach, mit. Der städtische Bauhof rückte seinen Worten zufolge dem Schnee mit viel Gerät und viel Manpower zu Leibe: 50 Mitarbeiter, davon 16 im Fahrzeugdienst und der Rest im Handstreudienst, zehn Fahrzeuge zum Räumen und Streuen der Straßen, drei für die Gehwege.

Schon am späten Sonntagnachmittag sei mit Blick auf den angekündigten Eisregen gestreut worden. Bis Mitternacht seien die Fahrzeuge unterwegs gewesen. Um 3 Uhr morgens sei der Winterdienst dann erneut ausgerückt, um die Straßen von Schnee und Matsch zu befreien. Weil es auch da noch ausdauernd schneite, seien mehrere Durchläufe nötig gewesen, um die Straßen dauerhaft frei zu machen, so Gleich.

Mehrere Durchläufe

Darauf, dass mehrere Räumdurchläufe nötig seien, beruft sich auch das Staatliche Bauamt Bayreuth, das dafür kritisiert worden war, dass die B 289 zwischen Kulmbach und Mainroth am Vormittag noch nicht schneefrei war.

Stattlich ist auch die Bilanz der Straßenmeisterei des Landkreises: 194 Kilometer Kreisstraßen und 50 Kilometer Gemeindestraßen, vier kreiseigene Fahrzeuge und drei Fremdfahrzeuge, 25 Mann im Schichtdienst.

Im kreiseigenen Depot der Straßenmeisterei Leuchau lagern 650 Tonnen Auftausalz, weitere 250 Tonnen in drei Silos, erläutert Pressesprecher David Buchwald. Zudem habe der Landkreis für die für den Winterbezug benötigte Menge von 1300 Tonnen Streusalz bei der Firma Schott reserviert.

Mit dem Wintereinbruch stiegt der Bedarf an Streusalz überall rapide an. Mit fatalen Folgen für die Stadt Stadtsteinach. Die Stadt werde derzeit nur nachrangig mit Streusalz beliefert, so Bürgermeister Roland Wolfrum gestern Mittag auf der Facebook-Seite der Stadt. "Dies bedeutet, dass derzeit nur noch sehr wenig Salz bei der Stadt vorhanden ist. Deshalb werden in den nächsten Tagen nur die Strecken an Steigungen und außerorts mit Splitt gestreut. Die ebenen und nicht gefährlichen Streckenabschnitte werden, wenn es notwendig ist, lediglich geräumt."

Für etliche Autofahrer blieben die winterlichen Verhältnisse nicht ohne Folgen: Auf den glatten, verschneiten Straßen ereigneten sich etliche Unfälle (die oberfränkische Polizei spricht von über 30 allein in der Nacht), die meisten allerdings mit glimpflichem Ausgang und ohne Personenschaden.