Sechs Jahre war das Thurnauer Schlosstheater "provisorisch" im Torwärterhaus untergebracht. Nun ist es im Obergeschoss des alten Rathauses beheimatet. Dort wo einst der "Boder" für Hygiene sorgte und Pässe ausgegeben wurden, wird nun Theater gemacht. Die letzten Jahrzehnte stand das alte Rathaus leer. Landrat Klaus-Peter Söllner und Bürgermeister Martin Bernreuther freuen sich nicht nur über die gelungene Sanierung, sondern auch darüber, so einen kulturellen Schatz wie das Schlosstheater als Mieter zu haben.

Für Wolfgang Krebs ist der neue Raum aus mehreren Gründen ein Gewinn: Mehr Sitzplätze und überhaupt mehr Platz, das sind sicher die größten Vorzüge. Eine Bar ermöglicht eine Pausenverköstigung. Besonders vorteilhaft: Die Bühne ist dauerhaft installiert. Lautsprecher und Lichtanlage bleiben, wo sie sind. Der Raum wirkt wie fürs Theater gemacht, in einem Nebenraum können Requisiten gelagert werden. Alles etwas professioneller als an der alten Spielstätte.

Als erstes Stück auf der neuen Bühne hat sich Wolfgang Krebs vom Schlosstheater Thurnau für eine französische Komödie von Eric Assous entschieden. Dieses Genre hat sich im Schlosstheater bereits bewährt. Und das neue Stück "Paarungen" kommt beim Publikum sehr gut an. Es hat alles was es für einen gelungenen Komödienabend braucht: Ein paar Geheimnisse, überraschende Wendungen und eine Prise Tiefgang.

Darum geht's: Christin und Pierre sind seit 20 Jahren miteinander verheiratet und ebenso lange schon mit Bob und dessen Frau befreundet. Bob hat sich gerade von seiner Frau getrennt. Der Grund ist ein Lottogewinn von 16 Millionen Euro, dem er es zu verdanken hat, dass er sich endlich "freikaufen" kann. Er hat nun eine deutlich jüngere Partnerin. Doch ist sie nur wegen des Geldes bei ihm? Im Stück geht es nur vordergründig um die Frage: Geld oder Liebe? In Wahrheit geht es um mehr: um unterschiedliche Prioritäten, um geheime Leidenschaften über Jahrzehnte hinweg, um Offenheit und nicht zuletzt darum, sich selbst treu zu bleiben. Petra Wintersteller als Christin zeigt eine Figur mit wahrhaft Tiefgang. Wolfgang Krebs in der Rolle als Pierre zeigt eindrucksvoll, wie die meisten Männer vermutlich ticken. Stephan Menzel-Gehrke überzeugt mit gelungenen Gesangseinlagen (teilweise gemeinsam mit Petra Wintersteller) und Stefanie Mendoni spielt die Geliebte Garonce und verleiht der Figur Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit zugleich. Ist sie nur hinter dem Geld her? Und was ist eingetlich die eine wahre Liebe? Das Stück "Paarungen" bietet sehr gute Unterhaltung für Paare wie Singles, die sich vielleicht auch wenig selbst darin wiedererkennen.