Mit einem verzweifelten Hilferuf auf Facebook hat sich der Kulmbacher Matthias W. an die Internet-Gemeinde gewandt: "Auto geklaut - bitte teilen! Hallo zusammen, mir wurde von gestern auf heute Nacht mein Auto in 95326 Kulmbach gestohlen! Keine Fake! Ein Audi A4 Avant in Schwarz, Modellreihe B8. Wäre prima wenn Ihr meinen Post teilen würdet, jede Hilfe nehme ich dankend an!"

Das Auto hatte das amtliche Kennzeichen KU-MW 3 und stand Sonntagnacht laut Polizeiangaben in der Hannes-Strehly-Straße 14 in Weiher - mitten in einem Wohngebiet. Es war abgesperrt. Am Montagmorgen kurz nach 6 Uhr bemerkte der Eigentümer den Diebstahl und verständigte die Polizei. Der etwa fünf Jahre alte Audi war mit dem sogenannten S-Line-Paket ausgestattet und hatte einen Zeitwert von 20.000 Euro.

Offenbar haben die Diebe keinerlei Lärm gemacht. In der Umgebung hat niemand etwas bemerkt. Eine Frau sagt: "Wir schlafen mit offenem Fenster und haben nichts gehört." In der Hannes-Strehly-Straße sind vor allem die Nachbarn besorgt und verunsichert, die ihr Auto auch im Freien stehen haben.


Polizei geht von Einzelfall aus

Nach Angaben der Kulmbacher Polizei handelt es sich bei dem aktuellen Diebstahl in Kulmbach wohl um einen Einzelfall. Nähere Hinweise auf den oder die Täter sowie den Verbleib des Wagens gebe es bislang nicht.

In den sozialen Netzwerken sind das Interesse an dem Fall und die Anteilnahme groß. Der Bitte des Geschädigten, den Vorfall auf Facebook zu teilen und so den Kriminellen womöglich auf die Spur zu kommen, kamen mittlerweile mehrere tausend Nutzer nach. Zu ihnen gehört auch Heidi Bittermann. Sie schreibt, ihr sei in Marktrodach bei Kronach ein Quad aus der Garage entwendet worden - auch in der Nacht zum Sonntag.


Dreister geht es kaum

Allgemeines Kopfschütteln über die Dreistigkeit der Diebe - aber es werden auch Hinweise darauf gepostet, dass die Marke Audi offenbar besonders im Fokus steht. Barbara Seiler merkt an, dass Anfang Mai in einer Nacht drei Limousinen mit den vier Ringen in Drosendorf bei Bamberg gestohlen wurden. "Da sind Organisierte unterwegs", mutmaßt sie.

Hier geht die Polizei vom Raubzug einer organisierten Bande aus. "Grundsätzlich deutet viel darauf hin, dass die Taten zusammenhängen", erklärt Peter Müller, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken. Die Autobahnnähe des Tatorts spreche für überörtliche Diebe.

Solche Täter gehen der Polizei immer wieder bei Schleierfahndungen im Raum Selb ins Netz. Die Diebe seien meist mit mehreren Autos unterwegs, die ins osteuropäische Ausland gebracht werden sollten.


Digitale Schlüsselgewalt

In der öffentlichen Diskussion stellt sich mancher die Frage, wie ein modernes Fahrzeug so leicht geknackt werden kann. Markus Arnold meint dazu auf Facebook: "Leider ist das ziemlich einfach. Signal abgreifen, wenn du das Auto absperrst, und schon haben die Täter die Schlüsselgewalt. Audi und andere Premiummarken wissen das und entwickeln nichts anderes ..."

Ramona Amtmann äußert auf Facebook einen Verdacht: "Ist wahrscheinlich leider schon tief im Ostblock verschwunden und hat schon keine Seriennummer mehr."


Bayern am sichersten

Jedes Jahr veröffentlicht der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft eine Diebstahlstatistik. Für 2016 liegen noch keine Zahlen vor, aber für das vorherige Jahr: Demnach wurden 2015 in Deutschland 18.659 Autos gestohlen. Bayern ist mit 812 geklauten Fahrzeugen das sicherste Bundesland. Auf 10.000 Fahrzeuge kommt im Freistaat laut Statistik ein Diebstahl. Berlin ist auch die Hauptstadt der Autodiebe: Hier wurden 3223 Fahrzeuge geknackt - das ist eine Quote von 35 Diebstählen pro 10.000 Autos.