"Messing", das deutsche Wort für "Brass", bezeichnet zwar das Material, aus dem besondere Instrumente gefertigt sind. Aber es war beileibe kein "Blech", was die Besucher in der St.-Johannes-Kirche zu hören bekamen. Sie konnten sich an einem sehr abwechslungsreichen Programm erfreuen - angefangen von ganz alter Musik bis zu modernen Stücken, die teilweise extra für das Quintett neu arrangiert wurden.

"Das Wort ‚Blechbläser‘ klingt fast schon etwas abschätzig. Denn die, die darauf spielen, verstehen etwas von ihrem Handwerk", erkannte Hausherr Pfarrer Peter Ahrens bereits nach dem ersten Musikstück "Trumpet Voluntary" des englischen Komponisten William Boyce. Die Musiker blieben zunächst im England des 16. Jahrhundert.
Einer Galliarde, einem frischen Sprint, folgte der zweite, etwas wehmütige und schwere Satz "Last Will and Testament". Aber ganz so traurig wollten die bestens aufgelegten und präparierten Musiker England dann doch nicht verlassen und präsentierten dem Publikum mit dem schmissigen "New-Yeres-Gift" von Anthony Holborne ein vorgezogenes Neujahrsgeschenk. Eine weitere Galliarde leitete zum ersten Orgelsolo über.

Souveränes Orgelspiel

Gewohnt souverän interpretierte Thomas Grünke eine Variante des Abendliedes "Werde munter, mein Gemüte" von Johann Pachelbel. Symptomatisch bei diesem Stück aus der Barockzeit: Das dabei sehr sparsam benutzte Pedal, eine typische Besonderheit der süddeutschen Orgelschule.

Mit einem Sprung in die Wiener Klassik zu Joseph Haydn zeigten die Musiker die ganze Breite ihres Repertoires. Sie eröffneten den zweiten Block mit dem im ungarischen Stil verfassten "Gipsy Rondo", einem ursprünglichen Klavierstück. Bei zwei folgenden Spirituals ("Sometimes I feel like a..." und "Go, tell it on the Mouintains") bewiesen sie ihre Vielseitigkeit.

Nach diesen zeitgenössischen Klängen drehte Thomas Grünke mit dem sehr ruhigen und feinen zweiten Orgel-Präludium in G-Dur von Felix Mendelssohn-Bartholdy die musikgeschichtliche Uhr wieder in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Aber die Bläser zeigten gleich darauf sofort ihr bekannt breites musikalisches Spektrum auf: Zwei zeitgenössische Suiten von Chris Hazell, der sich bei "Mr. Jums" und "Kraken" von seinen Hauskatzen inspirieren ließ.

Hintergründige Information

Harald Streit moderierte sehr informativ und mit viel Hintergrundwissen. Er trug damit wesentlich dazu bei, dass den Zuhörern auch weniger bekannte Stücke verständlicher und leichter zugänglich wurden. Er war der Meinung, dass "Fiesta" aus "American Images" von Richard Roblee das passende Stück für den Ausklang des Jubiläumsjahres war. Präzise und überzeugend, dabei flott und flüssig, ging die Post ab. So, als wollten sie möglichst schnell zum anschließenden Herbstfest der Kirchengemeinde ins gegenüberliegende Kantorat gelangen.

Bevor es soweit war, gingen Wolfgang Kleinlein (Posaune), Norbert Lodes (Trompete/Piccolotrompete, seine Zahnschmerzen merkte man ihm nicht an), Harald Streit (Trompete/Flügelhorn), Leszek Waskowski (Horn) und Joel Zimmermann (Tuba) aber noch eine besondere Verbindung ein. Sie wechselten zum gemeinsam intonierten "March Triumphale" vom Altarraum zur Orgel und Thomas Grünke. Organist und Bläser zogen dort noch einmal "alle Register".

Ein Abschluss mit Fanfarenklängen von der Empore. Ein besonderes Konzert zu einem besonderen Anlass.