Graf Otto VI., der sich als einziger Orlamünder im 14. Jahrhundert als "Herr zu Plassenburg" bezeichnete, hätte sich das wohl nicht träumen lassen: Statt schnaubender Rösser mit Reitern in klirrender Rüstung kämpfen sich motorgetriebene Benzinkutschen mit Gummireifen den Burgberg hinauf. Damit gewinnt man keinen Krieg.

Wohl aber Liebhaber und Bewunderer. Am Wochenende 18./19. Juni ist es wieder so weit: Der Oldtimer Stammtisch Kulmbach (OSK) veranstaltet sein Treffen für die Fans historischer Autos und Motorräder - zum 20. Mal. Und zum Jubiläum haben sich die Mitglieder, an der Spitze Walter Schaller, für die Teilnehmer aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich etwas Besonderes einfallen lassen: Bei der Ausfahrt steuern die Oldtimer-Piloten zur Mittagsrast zwischen 11.30 und 15 Uhr die Plassenburg an - Chromglanz zwischen alten Mauern, ein imposantes Bild.


Durch den Buchwald

Schaffen eigentlich alle betagten Fahrzeuge die Auffahrt? Immerhin hat der Burgberg eine Steigung von 22 (!) Grad. "Vorkriegsmodelle und schwächer motorisierte Oldtimer können - aus Richtung Tierheim kommend - beim Waldschlösschen abbiegen und über den Buchwald zur Burg fahren", sagt Walter Schaller, der in Bezug auf die Vorbereitung des Treffens besonders die gute Zusammenarbeit mit Christine Maget von der bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen hervorhebt. Die Behörde, die der OSK als Partner für die alljährlich als Publikumsmagnet geltende Veranstaltung gewinnen konnte, ermöglicht es den Besuchern am Samstag, die auf dem gesamten Areal der Plassenburg parkenden rund 120 Oldtimer zu besichtigen. Deren Fahrer können inzwischen ihre Wertungsprüfungen absolvieren, sich stärken und eine Burgführung genießen.

Christine Maget, Verwaltungsvorstand der bayerischen Schlösserverwaltung, gibt das Kompliment zurück. "Ich treffe selten jemand, der eine Veranstaltung so perfekt plant wie Walter Schaller", betont sie und würdigt außerdem die Arbeit von Stephan Lauterbach, der die Stellpläne angefertigt hat. "Man sieht, dass hier wahnsinnig viel Erfahrung vorhanden ist und dass sorgsam und umsichtig mit den Anlagen umgegangen wird. Deshalb kooperieren wir gerne mit dem Oldtimer Stammtisch, weil diese Veranstaltung auch etwas Besonderes für uns und eine gute Werbung für die Plassenburg ist."


Raritäten aus der Vorkriegszeit

Wer die Autos und Motorräder bewundern will, sollte aber entweder gut zu Fuß sein oder die Pendelbusse nutzen. "Walter Schaller: "Von 10.45 bis 15 Uhr ist der Festungsberg für den Individualverkehr gesperrt." Unter den Raritäten sind auch zahlreiche Vorkriegsveteranen. Ältestes Auto ist ein Willys Overland aus dem Jahr 1910, gefolgt von einem Ford A Roadster (1928) und einem Chevrolet International (1929). Bei den Motorrädern hat eine 1929er Harley Davidson 750 die meisten Jahre auf dem Buckel, und mit Triumph Nürnberg Kongress, Magnat-Debon und DKW SB 200 sind noch drei Vertreter aus den dreißiger Jahren am Start.


Sonntag ist Ausstellungstag

Der Sonntag, 19. Juni, ist wie immer Ausstellungstag. Um 9.30 Uhr öffnet der OSK das Mönchshof-Gelände, die Zufahrt ist für alle Oldtimer-Besitzer kostenlos. Wer sein Schätzchen präsentiert, erhält ein Erinnerungsgeschenk. Fehlt eigentlich nur gutes, möglichst warmes Wetter. Denn wegen der kalten Nächte musste die Oldie-Night mit Live-Musik in den vergangenen Jahren mehrmals abgesagt werden.

Der Triumph TR 6, den Walter Schaller 1994 besaß, war damals schon 20 Jahre alt. Der Kulmbacher, der dem rauen Charme des britischen Klassikers erlegen war, hätte den schnittigen Roadster um nichts in der Welt gegen ein modernes Fahrzeug eingetauscht. "Die Liebe zu alten Autos war bei mir schon immer da", so Schaller, dem es vor allem die englischen Oldtimer angetan haben.

Was dem heute 65-Jährigen damals aber fehlte, war ein Forum, eine Gemeinschaft Gleichgesinnter, in der man sich austauschen kann. "Es gab halt noch kein Internet, wo man sich schnell über technische Dinge oder Ersatzteile informieren konnte." Schaller ergriff deshalb die Initiative: Er lud zu einer Info-Veranstaltung zur Gründung des Oldtimer Stammtisches ein.

Die Geburtsstunde der Kulmbacher Vereinigung, heute auch kurz OSK genannt, schlug am 18. Juli 1994 in der Kommunbräu. In der Gaststätte, die gerade eine Woche alt war, trafen sich die Oldtimer-Fans fortan jeden zweiten Montag im Monat - um Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und die Geselligkeit zu pflegen.


Noch acht Gründungsmitglieder aktiv

Von den 18 Gründungsmitgliedern sind Horst Beyer, Roman Geyer, Jochen Illing, Horst Kneitz, Walter Schaller, Iris Schröppel, Robert Weichart und Horst Weiß immer noch dabei. Insgesamt zählt die Gemeinschaft heute fast 50 Mitglieder.

Schon das erste Treffen im Jahr 1996 (Schaller: "Ein Tag mit Traumwetter") war ein voller Erfolg: Auf dem Gelände der Mönchshof-Brauerei, mit der der OSK von Anfang an einen verlässlichen Partner gefunden hatte, fuhren 220 Fahrzeuge vor. Ein Jahr später wurde erstmals zusätzlich am Samstag die Ausfahrt gestartet - ein Angebot, das gleich von 85 Oldtimer-Fahrern angenommen wurde. Inzwischen musste das Teilnehmerfeld auf 120 beschränkt werden, das Treffen hat sich zum wohl größten in Nordbayern entwickelt. 2014 ging mit über 650 Fahrzeugen als Rekordjahr in die Annalen des OSK ein.


Geschichtsträchtiges Datum

Ein geschichtsträchtiges Datum ist auch der 4. Juli 2005, als der OSK den Stammtisch in den Schalander der Mönchshof-Brauerei verlegte. Die monatlichen Zusammenkünfte sind seitdem wesentlich besser besucht. Das hat freilich nichts mit der Kommunbräu zu tun, sondern mit den räumlichen Gegebenheiten: In dem heimeligen "Braumaster-Stübla" kann man sich eben ungestörter unterhalten als in einem Wirtshaus.

Übrigens: Im Schalander sitzt an besagten Montagen auch der neue Besitzer des alten TR 6, der immer noch in Kulmbach herumfährt. Dafür hat Walter Schaller jetzt zwei andere "Engländer". Alte Liebe rostet eben nicht. Und das ist bei seinen Fahrzeugen durchaus wörtlich zu nehmen.

Start Die Ausfahrt durch den Landkreis, die etwa 130 Kilometer lang ist, beginnt gegen 9.30 Uhr auf dem Mönchshof-Gelände, wo bereits die erste Sonderprüfung stattfindet.

Stationen und Zeiten Um 9.30 Uhr passieren die Oldtimer den Stadtteil Forstlahm, um 10 Uhr Thurnau (Ortsmitte), um 10.30 Uhr Kasendorf (Sonderprüfung auf dem Firmengelände des Maja-Werks), um 11 Uhr Mainleus (von Willmersreuth kommend in Richtung Schwarzach) und um 11.15 Uhr Untersteinach (Bahnhof). Gegen 11.30 Uhr wird die Plassenburg erreicht (Mittagsrast). Restart ist um 15 Uhr in Richtung Trebgast (15 bis 15.15 Uhr, Brauerei Haberstumpf), Neuenmarkt-Wirsberg (15.30 Uhr) und Stadtsteinach (16 Uhr, Abzweigung nach Gumpersdorf). Ab 16.30 Uhr treffen die Fahrzeuge wieder auf dem Mönchshof ein (alle Zeiten sind Zirka-Angaben).

Burgberg Wegen der Oldtimer-Ausfahrt wird der Burgberg am Samstag, 18. Juni) von 10.45 bis 15 Uhr für den gesamten Verkehr gesperrt. Davon ausgenommen sind nur die Buslinien.