Für zehn Kreisräte des Landkreises Kulmbach hat gestern ein unfreiwilliger Urlaub begonnen. Und auch Landrat Klaus Peter Söllner und sein Stellvertreter Jörg Kunstmann müssen vorläufig daheim bleiben: Sie alle wurden vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt, nachdem sie am Montagnachmittag an der Sitzung des Kreisausschusses im Landratsamt teilgenommen hatten.

Ebenfalls im Sitzungssaal anwesend: ein leitender Mitarbeiter des Landratsamtes. Wenig später stellte sich heraus, dass sich der mit dem Coronavirus infiziert hatte. Die Konsequenz: Alle weiteren Sitzungsteilnehmer gelten nun als Kontaktpersonen ersten Grades und müssen sich für zwei Wochen in häusliche Isolation begeben.

Kulmbach: Corona-Fall im Kreisausschuss - auch Landrat in Quarantäne

In einer Pressemitteilung ließ Landrat Klaus Peter Söllner gestern Nachmittag wissen, dass er und sein Vertreter Kunstmann der Anordnung selbstverständlich nachkommen werden.

"Wir werden versuchen, per Homeoffice den Dienstbetrieb im Hinblick auf unsere Führungstätigkeiten bei der Pandemiebekämpfung weiter aufrecht zu erhalten", so Söllner.

Für die wenigen Präsenzveranstaltungen in den nächsten Tagen sowie für die Vertretung des Landkreises im Allgemeinen stünden die weiteren Stellvertreter Christina Flauder und Dieter Schaar zur Verfügung. Beide hatten nicht an der genannten Sitzung teilgenommen. Für Angelegenheiten im Landratsamt und alle Belange des allgemeinen Geschäftsbetriebs ist Regierungsdirektorin Kathrin Limmer als "Vertreterin im Amt" zuständig", so Söllner weiter.

Mitarbeiter nach freiwilligem Corona-Test positiv

Dem Kreisausschuss gehören die Kreisräte Doris Leithner-Bisani, Gerhard Schneider (alle CSU), Werner Burger, Anita Sack (beide Freie Wähler), Simon Moritz (SPD), Pia Kraus (Grüne), Ralf Hartnack (Wählergemeinschaft Kulmbach) Georg Hock (AfD) und Veit Pöhlmann (FDP) an. Martin Bernreuther (CSU) war nicht anwesend.

Wie aus dem Landratsamt zu erfahren war, hat sich der Mitarbeiter, dessen positiver Test die Quarantäne-Anordnung zur Folge hatte, in den letzten Tagen einem sogenannten Jedermann-Test unterzogen, ohne dass ein Verdacht bestand oder corona-typische Symptome vorgelegen hätten. Die Teilnehmer an der Sitzung konnten wegen des derzeit enorm hohen Arbeitsanfalls in der Abstrichstelle gestern nicht mehr getestet werden. Bei ihnen sollen heute die erforderlichen Abstriche genommen werden. "Wichtig war zunächst, dass alle informiert werden und wissen, dass sie zuhause bleiben müssen", so ein Sprecher des Amtes gestern Nachmittag.

Auch gestern sind die Corona-Zahlen im Landkreis Kulmbach noch einmal enorm gestiegen. Am Montagabend hatte das Landratsamt 72 aktuelle Fälle gemeldet. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert, der Aufschluss gibt über die Zahl der Neu-Infektionen innerhalb einer Woche, hochgerechnet auf 100 000 Einwohner, lag auf 97,81 und kam damit der Grenze kritischen Grenze von 100 schon sehr nahe.

Corona-Ampel im Kreis Kulmbach auf Dunkelrot

Gestern wurden dann weitere 43 positive Fälle registriert. Aktuell liegt die Zahl der Infizierten im Kreis damit bei 111. Der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert ist auf 155,1 gestiegen und bewegt sich damit weit über dem Wert, bei dem die Corona-Ampel auf Dunkelrot springt. Sobald dieser Wert auf der Verkündungsplattform des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege veröffentlich wurde, gelten - vermutlich also ab Donnerstag - über die bestehenden Beschränkungen hinaus noch weitere. Aktuell gilt folgendes:

  • Maximal fünf Personen oder zwei Hausstände bei Kontakten, privaten Feiern und im öffentlichen Raum
  • Maskenpflicht, wo Menschen dicht und länger zusammen sind, unter anderem auf stark frequentierten öffentlichen Plätzen, in öffentlichen Gebäuden, Arbeitsstätten, Freizeiteinrichtungen, Kulturstätten, auch am Platz in Schulen aller Jahrgangsstufen und Hochschulen. Sperrstunde ab 21 Uhr, Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen ab 21 Uhr, Alkoholverkaufsverbot an Tankstellen ab 21 Uhr
  • Maximal 50 Personen für Veranstaltungen aller Art; mit Ausnahme von Kirchenveranstaltungen, Demonstrationen und Hochschulen.

Derzeit befinden sich im Landkreis Kulmbach 1001 Menschen in Quarantäne. Drei Infizierte, davon einer aus dem Landkreis, werden im Klinikum behandelt. Allerdings braucht keiner eine intensivmedizinische Betreuung.