Im Drossenfelder Bräuwerck einkehren? Geht nicht, denn die Gaststätte am Neudrossenfelder Marktplatz ist nach wie vor geschlossen. Nach dem Betriebsurlaub über den Jahreswechsel hat am Wochenende lediglich ein Außer-Haus-Verkauf begonnen. Wann das Wirtshaus wieder richtig öffnet? Das steht offenbar noch nicht fest. "Wir bieten aufgrund der aktuellen Corona-Lage bis auf Weiteres ausschließlich Essen und Trinken zum Abholen an", heißt es auf der Homepage.

Das Bräuwerck, dem wie allen Wirtshäusern die von der Politik auferlegten Hürden zusetzen, hat jetzt ein zusätzliches, gravierendes Problem. Braumeister Bernd Weibbrecht, der letzte Verbliebene aus dem Mitarbeiter-Team, das beim Start im Jahr 2014 dabei war, hatte am vergangenen Freitag seinen letzten Arbeitstag. Der Thurnauer, der um einen Aufhebungsvertrag gebeten hatte, wird künftig bei der Maisel-Brauerei in Bayreuth beschäftigt sein.

"Versorgung ist sichergestellt"

Es sei eine Personalangelegenheit, zu der er sich auch zum Schutz des Arbeitnehmers in der Öffentlichkeit nicht äußern könne, sagt Harald Hübner, der nicht nur Neudrossenfelder Bürgermeister, sondern auch Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bräuwerck AG ist. Hübner betont, dass es der Wunsch Weibbrechts gewesen sei, sich beruflich zu verändern. "Ich habe nach wie vor ein gutes Verhältnis zu ihm", so der Sprecher des Aufsichtsrates, der keine Auskunft darüber geben kann, wer künftig brauen wird. "Die Versorgung ist sichergestellt. Es wird weiterhin ein selbst gebrautes Bier geben", stellt Harald Hübner fest.

Weigler ist "sehr überrascht"

Das versichert auch Geschäftsführerin Andrea Weigler. "Über den Weggang unseres Braumeisters war ich selbst überrascht, verliert das Bräuwerck mit Herrn Weibbrecht doch einen langjährig bewährten Braumeister", erklärt Weigler. Sie sagt weiter: "Es sind noch ausreichende Mengen Bier vorhanden. Die Suche nach einem neuen Braumeister läuft aktuell." Es hätten Gespräche für eine Interimslösung stattgefunden, "sollte nicht rechtzeitig ein geeigneter Bewerber fest eingestellt werden können".

Der Führungsstil?

Weibbrechts Weggang lässt die Personaldecke weiter schrumpfen. Viele Mitarbeiter haben dem Bräuwerck in der jüngsten Vergangenheit schon den Rücken gekehrt. Auch nach der Einstellung von Andrea Weigler, mit deren Führungsstil das Personal nicht zurechtkomme, wie immer wieder zu hören ist.

"Keine leichte Entscheidung"

Einer, der die Entwicklung mit Sorge betrachtet, ist Peter Schuhmann, der von 2012 bis 2017 Vorstand der Bräuwerck AG und danach drei Jahre Prokurist war. "Ich bedauere, dass jetzt auch Bernd, der für ein gutes Bier stand, aufgehört hat. Ich frage mich, wie es so weit kommen konnte", sagt Schuhmann, der überzeugt ist: "Es ist ihm sicherlich schwer gefallen, diesen Schritt zu gehen." Ob dem so war? "Es war für mich keine leichte Entscheidung, weil ich ja von Beginn an dabei war und mir das Bräuwerck nach wie vor sehr am Herzen liegt", sagt Weibbrecht. Warum er die Brauerei verlassen hat? Dazu wollte er sich nicht äußern.

Für zeitnahe Öffnung

Peter Schuhmann hofft, dass zeitnah ein Nachfolger gefunden wird und die Gastronomie auch wieder Fahrt aufnimmt. "Ich wünsche mir, dass das Wirtshaus endlich wieder öffnet, denn trotz Corona haben ja die allermeisten Gastronomiebetriebe auch jetzt geöffnet." Er spricht von Missständen, die er auch schon in der virtuellen Hauptversammlung der Aktiengesellschaft im Dezember angesprochen habe. Sein Rat sei in den vergangenen Jahren nicht mehr gefragt gewesen. Er sei mehr oder weniger aus der Verantwortung gedrängt worden. "Die letzte Hauptversammlung im Dezember musste aber wieder ich organisieren, weil kein anderer dazu imstande war", erklärt der frühere Vorstand und Prokurist.

Kommt ein Pächter?

Ob es dem in der Kritik stehenden Führungsteam um Andrea Weigler gelingen wird, das Bräuwerck wieder in die Spur zu bringen? Ob man auf dem Weg aus der Krise nun doch auf einen Pächter setzen wird? Was viele Jahre nicht gewollt war, scheint jetzt zumindest nicht mehr ganz abwegig zu sein, wie man auch aus den Worten von Harald Hübner im Dezember heraushören konnte. Er hatte in der Aktionärsversammlung erklärt, dass derzeit für eine Verpachtung die Grundlagen fehlen, es sowohl für den Pächter als auch für das Bräuwerck unter den aktuellen Corona-Bedingungen daher ein unkalkulierbares Risiko wäre.

Vielleicht, so hoffen nicht wenige, kommt er aber ja doch noch zeitnah: der Moment, in dem Corona die Gastronomie nicht mehr geißelt und im Drossenfelder Bräuwerck ein Wirt im Wirtshaus steht.