Die Gemeinde Wonsees hat den Biologen Martin Feulner damit beauftragt, eine Biotop-Kartierung der Hüllweiher in und um die Ortsteile Feulersdorf, Großenhül und Gelbsreuth durchzuführen. Ziel ist es, die ökologische Bedeutung der Kulturgüter für Einheimische und Besucher herauszustellen.

Wildbienen lieben steile Uferböschungen

"Für Wildbienen ist das die perfekte Stelle", sagt Feulner und deutet auf eine steile Uferböschung oberhalb des Wassers. Dort verschwinden rötliche Bienen in Erdlöchern und schwärmen aus diesen aus. Feulner zufolge handelt es sich um die Wildbienenart Andrena clarkella, die am Hüllweiher in Gelbsreuth einen Lebensraum gefunden hat. Sie lebt in kleinen Kolonien und baut ihre Brutröhren in lehmigen oder sandigen Boden. Um ihre Hauptnahrung, Weidenpollen, zu finden fliegt sie etwa drei Kilometer weit.

Auch ein Blick ins Wasser lässt auf eine verborgene Welt schließen. Zwischen dem vielen Laub, das von den umliegenden Eichen, Linden und Buchen in den Hüllweiher gefallen ist, schwimmen winzige Ruderfußkrebse. Ab und zu versteckt sich ein Taumelkäfer zwischen den Blättern am Wassergrund. "Man darf die Qualität eines Ökosystems nicht immer an Superfunden festmachen", erklärt der erfahrene Biologe. Das Makrozoobentos - so nennt man die Gesamtheit der kleinen Tiere, die man in Gewässern mit bloßem Auge erkennen kann - bilde die Nahrungsgrundlage für zahlreiche weitere Arten, etwa für Amphibien- oder Libellenlarven.

"Hier werde ich nachts einmal mit der Taschenlampe ins Wasser leuchten", so Feulner. Denn auf diese Weise entdecke man Frösche, Kröten oder Molche wie den bedrohten Kammmolch, für den der schattige Weiher im Wald ein ideales Habitat darstelle. Etwa vier bis fünf Mal wird Feulner dieses Jahr noch den Hüllweiher bei Gelbsreuth besuchen, Fotofallen aufstellen und auswerten und sowohl Wasser und Uferbereiche nach Pflanzen- und Tierarten absuchen.

Wertvolle Biotope

Feulner ist freiberuflich auf Biotop-Kartierungen und Gutachten spezialisiert. Die Gemeinde Wonsees hat ihn beauftragt, einen Blick in die Hüllweiher im Gemeindegebiet zu werfen. Den Gewässern kommt auf Jurahochfläche eine große ökologische Bedeutung zu. Hüllweiher, auch Hüllen oder Hülen genannt, sind wichtige Bestandteile der historischen Kulturlandschaft des Frankenjuras. Auf der verkarsteten Hochfläche versickert Niederschlagswasser schnell, natürliche Gewässer sind selten.

Daher schichteten die Menschen früher Vertiefungen im Boden mit Lehm aus, um das Regenwasser aufzufangen. Die Hülen dienten als Viehtränken oder Löschwasserteiche, für Trinkwasser hatten die Häuser eigene Zisternen.

Die Wonseeser Ortsteile Kleinhül und Großenhül erhielten ihren Namen von den künstlich angelegten Wasserreservoiren. Einer der beiden Hüllweiher im Ortszentrum von Großenhül wurde vor etwa 50 Jahren verfüllt, der andere dient als unterirdische Löschwasserzisterne. Lediglich die außerorts gelegene Badehül, in fränkischer Mundart Bodhül genannt, ist erhalten geblieben.

70 Meter Hecke gepflanzt

Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Kulmbach hat Flächen um die Bodhül gekauft und gemeinsam mit den Rangern des Naturparks Fränkische Schweiz-Frankenjura und den Wonseeser Bauhofmitarbeitern einen etwa 70 Meter langen Heckenabschnitt gepflanzt, um Lebensraum und Rückzugsmöglichkeit für Wildtiere zu schaffen. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wonsees soll dort noch dieses Jahr ein Lehrpfad zur Kulturlandschaft der Jurahochfläche entstehen.

Neben der Bodhül bei Großenhül und dem Löschwasserteich in Kleinhül sind auch im Ortszentrum von Feulersdorf und in einem Waldstück nahe Gelbsreuth Hüllweiher erhalten geblieben. Um zu erfahren, welche Tier- und Pflanzenarten den Lebensraum nutzen, macht der Biologe Feulner derzeit eine Bestandsaufnahme, die er im Herbst der Gemeinde Wonsees vorlegen wird.

Was man sich davon erhofft, erklärt Bürgermeister Andreas Pöhner: "Hülen sind wichtige Kulturgüter, die das Gemeindegebiet entscheidend geprägt haben. Ihre Geschichte sowie ihre ökologische Bedeutung wollen wir für Einheimische und Besucher festhalten und so die Wertschätzung fördern." Dies solle in Form von Infotafeln und Broschüren umgesetzt werden. Auch ein Rundwanderweg sei geplant, eine "Hül- und Lindenrunde", die von Sanspareil aus über die Hüldörfer führt.

Wasserkäfer und Feldlerchen

Was Feulner bereits jetzt verraten kann, ist, dass alle drei zur Kartierung in Auftrag gegebenen Hüllweiher ganz unterschiedliche Ökosysteme sind. "Die Hül in Gelbsreuth ist ein schattiger Tümpel und vor allem für Amphibien interessant. Die in Feulersdorf ist eher teichartig mit vielen blühenden Wasserpflanzen", erklärt er. Dort habe er auf den ersten Blick Seerosen, Rohrkolben und Wasserschwaden, eine Süßgrasart, entdeckt und im Wasser zahlreiche Rückenschwimmer. Das sind räuberisch lebende Wanzen, die Jagd machen auf andere Insekten oder Kaulquappen. Wie es der Name verrät, schwimmen sie mit der Bauchseite nach oben.

Die Bodhül bei Großenhül ist tiefer und hat Feulner zufolge eine bessere Wasserqualität. Dort habe er neben Mückenlarven und Wasserläufern auch die Larven von Wasserkäfern gefunden. Rund um die Bodhül, die wie eine Oase mitten in der Feldflur liegt, hört man derzeit den Gesang von Feldlerchen. Sie und zahlreiche weitere Vogelarten fangen über dem Wasser Insekten und brüten im Gestrüpp. Mit ihrem leuchtend gelben Gefieder fallen zwischen den Zweigen vor allem Goldammern auf. Neben der Hül liegt der gerupfte Körper einer Drossel. "So wie das aussieht, ein Falkenriss", vermutet der Biologe.