Bekommt Thurnau einen hauptamtlichen Bürgermeister? Seit Monaten wird darüber diskutiert. Seit Montag steht nun fest: Auch künftig wird das Gemeindeoberhaupt ehrenamtlich tätig sein. Der Gemeinderat hat sich mit 8:6-Stimmen dafür ausgesprochen, die bestehende Regelung beizubehalten.

Der Kostenvergleich

Die Verwaltung hatte auf Antrag der CSU-Fraktion einen Kostenvergleich erstellen lassen. Daraus ging hervor, dass ab der kommenden Legislaturperiode der ehrenamtliche Bürgermeister 4295 Euro brutto bekäme (derzeit liegen die Bezüge etwas darunter). Zusammen mit der Sozialversicherung würde das für die Gemeinde eine monatliche Belastung von 5048 Euro bedeuten. Der hauptamtliche Bürgermeister würde rund 6030 Euro verdienen - eine mögliche Zulage ist da enthalten. Auf die Gemeinde kämen zudem hohe Versicherungskosten zu.
Der hauptamtliche Bürgermeister schlüge mit 8964 Euro zu Buche.

Das sagt der Bürgermeister

"Ganz so einfach ist die Rechnung aber nicht", sagte Bürgermeister Dietmar Hofmann (SPD/OL) in der Sitzung. Denn ein ehrenamtlicher Bürgermeister verursache für die Gemeinde über seine Amtszeit hinaus Kosten. So erhalte der Bürgermeister, sofern er mindestens zehn Jahre im Amt war, nach seiner Amtszeit zwölf Monate lang ein Übergangsgeld in Höhe von 50 Prozent seiner monatlichen Bezüge. Ab einem Alter von 65 erhalte er eine lebenslange Rente in Höhe von 33 Prozent seiner monatlichen Bezüge. "Je älter ein ehrenamtlicher Bürgermeister wird, desto höher fällt der gemeindliche Mehraufwand aus", so Hofmann. Will heißen: Je länger der Bürgermeister lebt, desto teurer wird es. Beim Hauptamtlichen fallen nach dessen Amtszeit keine Kosten mehr an - die Pensionsansprüche werden durch die Versicherung abgedeckt. Bei der Berechnung der Gesamtkosten hatte die Gemeinde eine Lebenserwartung von 85 Jahren zugrunde gelegt. Ein Bürgermeister, der zwölf Jahre im Amt war, hätte die Gemeinde demnach hauptamtlich knapp 1,2 Millionen Euro gekostet. Bei einem Ehrenamtlichen lägen die Kosten knapp unter einer Million Euro.

CSU für Hauptamt

Die CSU hat sich geschlossen für die teurere Variante ausgesprochen. "Bürgermeister sein ist eine Berufung", sagte Jürgen Kieslich und führte an: "Wer etwas 100-prozentig machen will, der muss sich auch darauf konzentrieren können und nicht noch einen anderen Beruf nebenher haben." Die SPD sprach sich wie die Freien Wähler, dafür aus, es bei der ehrenamtlichen Regelung zu belassen. Volker Seitter (SPD/OL) betonte, man könne auch den ehrenamtlichen Bürgermeister Vollzeit einstellen. Fraktionskollege Adolf Häußinger stellte fest, dass bei der derzeit angespannten Haushaltslage eine weitere Investition nicht vertretbar sei.

Im Sinne des Bürgermeisters

Dietmar Hofmann hatte sich für eine Beibehaltung der Ehrenamtlichkeit ausgesprochen. Er sieht die Gefahr, dass sich sonst nur noch Menschen für das Bürgermeisteramt bewerben, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind. Wer aus der freien Wirtschaft sei, laufe Gefahr, nach seiner sechsjährigen Amtszeit auf der Straße zu stehen. Er sei vielmehr dafür, "bei der Entschädigung an die obere Grenze zu gehen", um damit zu gewährleisten, "dass der ehrenamtliche Bürgermeister von diesem Posten seinen Lebensunterhalt bestreiten könnte", stellte der Bürgermeister fest.