Das Coronavirus hat das Senioren- und Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt "Am Rasen" fest im Griff. 27 Bewohner und zehn Mitarbeitende sind mit Covid-19 infiziert. Sechs Männer und Frauen befinden sich im Klinikum, keiner muss dort jedoch intensivmedizinisch behandelt werden. Die allermeisten Betroffenen hätten zum Glück nur leichte bis gar keine Symptome gezeigt, sagte die Leiterin des Staatlichen Gesundheitsamtes, Camelia Fiedler, gestern bei einem Pressegespräch im Landratsamt.

Was die Lage im Seniorenheim in der Siedlung, das knapp über 100 Beschäftigte zählt, allerdings verschärft hat: Neben den zehn infizierten Mitarbeitern gelten 23 weitere Kollegen als Kontaktpersonen. Sie mussten sich in Quarantäne begeben.

Helfer aus anderen Heimen

Um den Pflegebetrieb aufrechtzuerhalten, hatten schon Ende vergangener Woche Kräfte aus den Awo-Einrichtungen in Thurnau und Neuenmarkt ausgeholfen. Am Wochenende hat sich die Situation zugespitzt: Nachdem am Samstag weitere positive Testergebnisse vorlagen, wurde bei einem Krisentreffen der Führungsgruppe Katastrophenschutz im Kulmbacher Landratsamt gemeinsam mit Awo-Geschäftsführerin Margit Vogel über das weitere Vorgehen beraten. Das Kulmbacher BRK hat sich dabei laut Landrat Klaus Peter Söllner (FW) spontan bereiterklärt, die Belegschaft in der Heiner-Stenglein-Anlage in der absoluten Notlage zu unterstützen.

"Schon am Sonntagmorgen waren drei unserer Ehrenamtlichen, die Fachkräfte sind, Am Rasen im Einsatz", stellte BRK-Katastrophenschutz-Beauftragter Maximilian Türk fest. Wie er mitteilte, werden auch in den kommenden Tagen zwei bis fünf Rotkreuzler dem Awo-Pflegepersonal zur Seite stehen. Es sei eine schwierige Situation. "Da hilft jede Kraft", führte der Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landkreis, Oliver Hempfling, an.

Wie es im Seniorenheim weitergeht, hängt auch davon ab, welche Testergebnisse in den nächsten Tagen vorliegen. Alle Mitarbeiter und Bewohner, die bis dato nicht infiziert waren, wurden am Montag nämlich noch einmal getestet. Nicht nur ein PCR-Test, auch ein Schnelltest wurde vorgenommen, weil beim Schnelltest die Ergebnisse binnen weniger Minuten vorliegen. "Das haben wir gemacht, damit wir auch zeitnah reagieren können", betonte Amtsärztin Camelia Fiedler.

Kein fröhliches Fest

Für die allermeisten Senioren Am Rasen wird es wohl kein allzu fröhliches Weihnachtsfest werden. Die Bewohner werden in ihren Zimmern isoliert, bis sich die Situation entschärft hat.

Dass das Virus eine Einrichtung lahmlegen kann, das hatte im Frühjahr vor der Arbeiterwohlfahrt auch schon das Diakonische Werk leidvoll erfahren müssen, wie Geschäftsführer Karl-Heinz Kuch mitteilt. Während des ersten Lockdowns hätten sich vier Mitarbeiter und zwei Bewohner in einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung in Kulmbach mit Covid-19 infiziert. Alle 24 Bewohner mussten daraufhin in Quarantäne.

"Menschen, die ein geistiges Handicap haben, zu erklären, dass sie für 14 Tage auf ihrem Zimmer bleiben müssen, das war eine gewaltige Herausforderung", schildert Karl-Heinz Kuch, der von einem "Tanz auf dem Vulkan" spricht.