Etwa ein Kilometer nach der Waldschänke, kurz vor der scharfen Linkskurve gegenüber der Heufuhr nach Frankenreuth, errichtete Joachim Glogger 1924 auf dem Grundstück des Anton Johann Kremer aus Frankenreuth mit eigenen Mitteln ein Turbinenhaus, um die Ortschaften Schwand, Römersreuth und Frankenreuth mit Strom zu versorgen. Der Bau des Elektrizitätswerkes stand wohl schon von Anfang an unter keinem guten Stern.

Der wagemutige Stromproduzent Joachim Glogger (1874 bis 1931) stammt aus dem schwäbischen Kirchhaslach, 25 Kilometer nördlich von Memmingen. Er war eigentlich von Beruf Holzhändler und ehelichte 1911 die Bäckerstochter Dorothea Weber (1871 bis 1933) aus der Forstamtstraße 12, beide wohnten im Anwesen Marktplatz 7.

Seine Vision von Stromerzeugung setzte er schon einige Jahre zuvor an anderer Stelle um. Im Jahre 1919 sicherte sich Joachim Glogger Wasserrechte des Waffenhammers, um dort ein Wasserkraftwerk zu bauen. Er versorgte damit die Dörfer der Gemeinde Wildenstein (Premeusel, Schlopp und Wildenstein) und den Grafengehaiger Ortsteil Seifersreuth mit Strom. Nach seinem Tod musste das Elektrizitätswerk versteigert werden.

Wildensteiner überboten

Der finanzstarke Sägewerksbesitzer Georg Thor aus der Neumühle überbot jedes Mal den Preis der Wildensteiner Gemeindeväter mit ihrem Bürgermeister Anton Hohner aus Premeusel, der selbst Besitzer werden wollte, und schnappte ihnen schließlich ihr "Schnäppchen" weg.

Nach fünf Jahren Rechtsstreit übernahm 1936 die BELG die Leitungen das Kraftwerk, Thor konnte seinen erzeugten Strom in das Netz der BELG einspeisen.

Doch mit dem zweiten Werk sollte es anders verlaufen. Technische Mängel und wirtschaftliche Schwierigkeiten wegen der in voller Blüte sich befindenden Inflation ließen den Plan scheitern. Scheinbar hatte man zunächst keinen Wert auf den Graben gelegt, in welchem das Wasser der Steinach durch eine Staumauer abgezapft und dem Werk zugeführt werden sollte. Ob unfachmännisch angelegt oder nachträgliche Schäden den Kanal undicht machten, kann man nicht mehr feststellen. Laut Auskunft älterer Stadtsteinacher wurden die Seitendämme von Wühlmäusen und Ratten durchlöchert und waren einfach nicht dicht zu kriegen. Die geringen, sehr unterschiedlichen Wassermengen der Steinach trugen ebenfalls nicht zum erfolgreichen Betrieb bei.

Joachim Glogger meldete Konkurs an, die Maschinen wurden ausgebaut und verkauft. Im Jahre 1931 starb der mutige Energiepionier, zwei Jahre später seine Frau Dorothea.

Heiligenfigur gespendet

Die Figur des Heiligen Antonius in der Pfarrkirche Stadtsteinach ist eine Spende der Familie Glogger. Der Heilige Antonius, der die Fürbitten derer erhört, die etwas verlegt oder verloren haben, im Volksmund deshalb auch als Schlamperl-Heiliger tituliert, stand in der Taufkapelle bis etwa 2005. Gespendet wurde er aufgrund eines Gelübdes, nachdem das lang ersehnte Kind Georg geboren wurde. Georg Glogger (1916 bis 1967) wurde wie sein Vater ebenfalls Holzhändler und arbeitete als Betriebsleiter bei der Firma Thor in Stadtsteinach. Im Jahre 1940 ehelichte er Käthe Gloßner aus Berlin, die bis zu ihrem Tod 2012 in Stadtsteinach lebte.

Als verlassene Bauruine im Steinachtal weckte das Gebäude in den 1930er und 1940er Jahren immer wieder das Interesse der Wanderer durch das Steinachtal. Aber auch die einheimische Bevölkerung hatte ein Augenmerk auf diesen Bau geworfen. So kam es, dass im Laufe der Jahre Fußbodenbretter und Balken herausgerissen wurden und zum Bau von Hasenställen und ähnlichen Arbeiten in der Stadt und den umliegenden Dörfern Verwendung fanden.

Der Eigentümer Josef Kremer aus Frankenreuth drohte jedem mit Strafanzeige, der Bretter, Dachziegeln oder Metallfensterrahmen entwendete. Bei Kriegsbeginn war das Dach fast noch voll in Ordnung. Das eigentliche Ende für den Bau und den Abriss bis auf die Grundmauern kam erst nach 1945.

1975 an Freistaat verkauft

In den 1950er Jahren standen nur noch die Betonmauern und die Fundamente aus grobem Beton. Alle Backsteinmauern waren abgebrochen, aus den Grundmauern heraus ragte das große Eisenrohr für den Wasserzufluss der Turbine, unter dem Rohr ein großer, tiefer Wassertümpel. Die Eheleute Josef und Johanna Kremer aus Frankenreuth verkauften 1975 das Grundstück (mit der Ruine des Turbinenhauses) an den Freistaat Bayern und deren Forstverwaltung.

Die letzten Steine verschwanden im Herbst 1975, als das Forstamt die Überreste der Ruine beseitigte. Seit dieser Zeit können nur noch Eingeweihte jene Stelle erkennen, wo einst mit Wasserkraft Strom erzeugt werden sollte. Der Umleitungsgraben ist zugewachsen, doch die Stelle, wo dieser wieder in die Steinach mündet, kann von aufmerksamen Wanderern entdeckt werden.