Sie ist die Frontfrau gegen das tschechische Atomkraftwerk Temelin in Nordostbayern. Jetzt tritt sie im Stimmkreis Kulmbach an.

Der neue Stimmkreis ist sehr groß. Wie kann es ein Abgeordneter schaffen, dauerhaft in der Fläche präsent zu sein?
Als Abgeordneter bekommt man ausreichend finanzielle Zuwendung, um diesen Wahlkreis bereisen zu können. Problematisch ist es als Direktkandidat. Man fährt jedes Mal hin und zurück 160 Kilometer oder noch mehr. Besser wäre es, wenn man den öffentlichen Personennahverkehr benutzen könnte, jedoch die Zugverbindung Marktredwitz/ Kulmbach ist sehr zeitraubend.

Nach wie vor gibt es eine unterschiedliche Entwicklung der Teilregionen Oberfrankens, was sicher auch eng mit der demographischen Entwicklung zusammenhängt. Die spiegelt sich auch im Landkreis Kulmbach wider.
Wie kann der Freistaat hier entgegenwirken?
"Miteinander statt gegeneinander" heißt hier die Devise, man darf den Freistaat nicht mit der Konzentration auf den Speckgürtel Münchens durchkommen lassen. Abgeordnete, Kommunalpolitiker sowie Bürgerinnen und Bürger des Wahlkreises dürfen nicht locker lassen, dem Freistaat die Stärken ihrer Region zur Kenntnis zu bringen und um deren Förderung zu kämpfen. Wir haben sie, diese Stärken, neigen aber zu Bescheidenheit. Und was einer nicht schafft, schaffen viele - und erinnern damit den Freistaat an seine Pflicht, gleichwertige Lebensbedingungen zu schaffen.

Die Gemeinden Bad Berneck, Himmelkron, Marktschorgast, Neuenmarkt und Wirsberg wollen als ein gemeinsames Mittelzentrum ausgewiesen, Anträge gibt es auch aus Stadtsteinach/Untersteinach und Thurnau. Biser scheinen die Bemühungen nicht von Erfolg geprägt. Wie stehen Sie zu den Überlegungen?
In erster Linie müssen die örtlichen Vertreter ernst genommen und gehört werden. Eine Zusammenarbeit von so vielen Gemeinden sollte auf jeden Fall positiv gewürdigt werden.

Kulmbach ist ein Schwerpunkt für Lebensmittelproduktion und -forschung. Wie kann der Freistaat hier flankierend weitere Ausbaubemühungen unterstützen?
Einer meiner Söhne studiert Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Weihenstephan. Es gibt nur sehr wenige derartige Hochschulzweige in Deutschland, in Kulmbach würde sich also durchaus weitere Unterstützung zum Thema Hochschulstandort anbieten. Forschung und Entwicklung sowie Überwachung und Kontrollen müssen verstärkt werden, damit unsere Nahrungsmittel gesund und ökologisch erzeugt sowie verarbeitet werden. Hierzu bedarf es ausreichende finanzieller Mittel und einen starken politischen Willen. Das würde wieder junge Leute in unsere Region bringen.

Ein Thema, das ein brennendes, aber kein unmittelbar landespolitisches ist. Die Ortsumgehungen in Untersteinach und Kauerndorf kommen nicht voran. Kann der Freistaat helfen?
Hier müssen alle Seiten gehört werden und zuverlässige Zahlen auf den Tisch. Ob dann die Umgehung erste Priorität bekommt, ist zweifelhaft. Somit sollten hier andere verkehrsberuhigenden Maßnahmen vorrangig überlegt werden, um den Anwohnen Erleichterung zu verschaffen - wie Flüsterasphalt. Wir Grüne gehen davon aus, dass der Verkehr mit zunehmenden Spritkosten sich verlagern wird und wir vorrangig in den Erhalt investieren müssen.

Die Landwirte - auch im Landkreis Kulmbach - sind in keiner einfachen Situation. Vorschriften und Ansprüche, sinkende Preise für Lebensmittel und der demographische Wandel setzt ihnen zu. Sehen Sie Ansätze, ihnen zu helfen?
Man muss den biologischen Landbau voran bringen und regionale Vermarktungskonzepte fördern. Dazu gehören Lebensmittelerzeugung wie nachhaltige, intelligent Erzeugung von regenerativer Energie. Im naturnahen Anbau und bei regionaler Vermarktung können neue Wege motivierend wirken, denn dafür braucht es gutes Fachwissen und eine gute Ausbildung, was wieder zu regionalen Ausbildungskonzepten und zu vernetzten Schul- und Hochschulstandorten führen kann.
Stichwort "Verbesserung des ÖPNV" - was fällt Ihnen für die Region dazu ein?
Kürzlich besuchte ich eine Tagung der EU-Kommission in Luxemburg. Allein auf einem Kilometer Straße zwischen Bahnhof und Altstadt zählte ich völlig fassungslos 20 Linienbusse. Der ÖPNV in der Stadt Luxemburg ist traumhaft. Das Gegenteil erlebte ich, als ich den Bahnhof Kulmbach mit Rollstuhlfahrern getestet habe. Inklusion und UN-Menschenrechtskonvention haben hier viel Potenzial, umgesetzt zu werden. Auch dem gemeinsamen Fremdenverkehr im Wahlkreis würde es gut tun, durch einen ÖPNV-Workshop Kulmbach/Wunsiedel/München aufgewertet zu werden. Mittel müssen fließen, um Kulmbach den Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) zu erleichtern.

Auf welche Themen wollen Sie noch setzen?
Selbstverständlich auch auf die Energiewende und deren Potenzial in der Region. Bundesumweltminister Altmaier ist deren massive Bremse. Packen wir's also an, mit Windrädern Onshore für 9,6 Cent die Kilowattstunde und nicht Offshore für 16,9 Cent. 7,3 Cent davon sind Subvention für die großen Energieversorger. Es braucht noch intelligente Speicher - dann können wir uns den großen Netzausbau von Nord nach Süd sparen. - Da ich aus Wunsiedel komme, ist selbstverständlich, dass ich seit Jahrzehnten auch alle im Widerstand gegen Rechts unterstütze.