Thomas Hofmann spricht von einem "wenig rühmlichen Verlauf", wenn er auf den Fall blickt: Seit 2017 beschäftigt den Kulmbacher Rechtsanwalt die mehrfache Überschwemmung des Achat-Hotels in der Luitpoldstraße. Hofmann vertritt einen der rund 60 Anteilseigner des Hotels, der davon überzeugt ist, dass zu klein dimensionierte Kanäle die Ursache für die vollgelaufenen Keller und hohe Schäden in 2002, 2017 und 2018 sind.

Es reicht dem Anwalt

Es gab Schreiben, Telefonate. Mit Anwälten, der Versicherungskammer Bayern, dem Leiter der Kulmbacher Stadtwerke, dem alten und dem neuen Oberbürgermeister. Getan hat sich aber nichts. Jetzt reicht es Hofmann: "Ich werde einen Mahnbescheid über 750 000 Euro an die Stadt schicken", erklärte er.

Der Anwalt ist überzeugt, im Recht zu sein. Ihm liege ein hydrologisches Gutachten vor, das bescheinige, dass in dem Gebiet eine Entwässerungssteuerung "großräumig nicht gegeben ist".

Dieses Gutachten, so Hofmann, sei der Stadt bereits seit Oktober 2019 bekannt, damals sei Einigungsbereitschaft signalisiert worden.

Auch ein Gespräch mit der Haftpflichtversicherung, der Versicherungskammer Bayern, sei konstruktiv verlaufen. "Ich sollte meine Forderungen konkretisieren", erzählt Hofmann. Das habe er auch getan. "Das hat zwar etwas gedauert, aber es kam ein beträchtlicher Betrag heraus." Eben die genannten 750 000 Euro.

Diese Summe setzt sich unter anderem zusammen aus der Beseitigung von Elementarschäden, baulichen Kosten (Wiederherstellung von Fußböden, Wänden), Elektroinstallationen, und vielem mehr. Die Verfahrenskosten würden sich auch schon auf 40 000 Euro belaufen.

Danach herrschte wochenlanges Schweigen. Auf Nachfrage bei der Versicherungskammer habe es eine "erboste Reaktion" gegeben, mehr nicht. Auch Gespräche mit dem Anwalt der Stadt verliefen ergebnislos.

Ebenso ergebnislos blieb nach den Worten von Hofmann ein Kontakt mit Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD), der Gesprächsbereitschaft signalisiert sowie Kontakt mit dem Leiter der Stadtwerke, Stephan Pröschold, sowie dem Bayreuther Anwalt der Stadt vermittelt habe. Gebracht habe das alles nichts.

Nachdem die Versicherungskammer auch sein mehrseitiges Schreiben unbeantwortet ließ ("Das ist ungehörig, so was macht man einfach nicht"), reicht es Thomas Hofmann: "Wir werden jetzt wohl eine juristische Auseinandersetzung lostreten müssen, die viel Geld kostet, jahrelang dauert und in einem Vergleich enden wird", sagt Hofmann, der vom Verhalten der Stadt enttäuscht ist. "So geht man nicht mit seinen Bürgern um."

Dass der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung nun ein Überflutungskonzept verabschiedet hat, ist für den Anwalt, dessen Kanzlei nur wenige Schritte vom Achat-Hotel entfernt ist, reine Augenwischerei. "Weil die tatsächliche Ursache nicht angegangen wird." Nämlich: dass das Kanalsystem auf solche Regenfälle - die aufgrund ihrer Häufigkeit keine Jahrhundert-Ereignisse seien - nicht ausgelegt ist.

"Rechtzeitig gegenhalten"

Das Verhalten der Versicherungskammer wundert ihn dagegen nicht. Denn die sehe mit Blick auf die Klimaveränderungen einen Wust ähnlich gelagerter Fälle auf sich zukommen. "Und da wollen die rechtzeitig gegenhalten."

Doch damit gibt sich Hofmann nicht zufrieden. Mit seinem Mahnbescheid hofft er nun, Bewegung in die Sache zu bringen und stellt Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) die Frage: "Interessiert Sie das Schicksal Ihrer Bürger nicht?"

Für die Stadt Kulmbach ist der Fall noch nicht abgeschlossen.

Wie Pressesprecher Jonas Gleich mitteilt, dauern die Verhandlungen aus Sicht der Stadt Kulmbach und der Stadtwerke Kulmbach nach wie vor an. Sie sehen daher noch keinen Anlass für ein gerichtliches Vorgehen.

Die Stadt bestätigt, dass Ende Juli 2018 beim Landgericht Bayreuth einen Beweissicherungsantrag gestellt wurde, ein sogenanntes selbstständiges Beweisverfahren.

"Es erfolgte eine Begutachtung durch einen Sachverständigen, der wegen der Komplexität der Sache mehrere Co-Gutachter einschaltete. Das letzte Gutachten ging Anfang Oktober 2019 den Beteiligten zu. Im Anschluss daran wurden Vergleichsverhandlungen aufgenommen." Eine umfangreiche Bezifferung des Schadens sei erstmals im Mai 2020 vorgenommen worden.

"Diese Bezifferung bedurfte einer sorgfältigen Prüfung. Weiter werden wir uns zu diesem Fall nicht äußern", heißt es seitens der Stadt .