19,90 Euro: So viel verlangt der Schlosser im Internet für einen gravierten Liebesbeweis, der "klick" machen kann. In Preußisch-Blau und mit Kussmund-Andeutung oder wahlweise Feuerwehr-Rot, die Namen der Beteiligten weiß abgesetzt. So ein zur Botschaft umfunktioniertes Vorhängeschloss hängt jetzt im Grünwehr an der Brücke über den Main. Zu lesen steht: "GROSSE Liebe Silki & Madddin", drunter zwei Datumsangaben: 6.11.11 und 22.5.12.

Sehr kryptisch. Ob damit der Beginn (und womöglich auch schon wieder das Ende) einer Liaison angegeben werden sollen? Oder der Zeitunterschied, wann der eine gemerkt hat, dass er den/die andere gern hat, es aber sechs Monate dauerte, um die wahren Gefühle zu gestehen?

Wer Silke und Martin sind, steht da nicht. Und so lässt sich nicht nachfragen, warum sie ihre Verbundenheit dazu bewogen hat, ein Schloss als Symbol in die Öffentlichkeit zu hängen.
Ein Passant, der gerade vorbeikommt, als die BR Fotos der mittlerweile knapp zehn Schlösser schießt, stellt sich interessiert dazu. "Früher", sagt er und legt die Stirn in Falten, "da haben sich die Verliebten die Anfangsbuchstaben der Vornamen in den Stamm eines Baumes geritzt. Heute wird halt ein Schloss an die Brücke gehängt." Und nach ein wenig Zögern fügt der Mann mittleren Alters hinzu: "Aweng affig ist das schon." Immerhin schont es Gehölze, möchte man entgegnen. Und ein lukrativer Geschäftszweig ist es überdies.

Billig-Variante aus dem Baumarkt

Natürlich funktioniert auch die Baumarkt-Variante: das Vorhängeschloss von der Gartenhütte genommen und mit schwarzem Edding-Stift den Namen der Liebsten sowie des Holden aufgemalt. Der Informationsgehalt ist der gleiche. Susi und Matthias haben sich für diese günstige Version entschieden. An ihrem Schloss hat der Zahn der Zeit schon mächtig gekaut: Der Bügel weist deutliche Rostspuren auf - was hoffentlich keine Rückschlüsse zulässt auf das aktuelle Verliebtheitsstadium des Paares.

Ob die Brücken-Schlösser auf Gegenliebe bei der Stadt stoßen? "Wir finden, das ist doch eine sehr nette Geschichte", sagt Andrea Mandl, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Bestrebungen, den Brauch gleich wieder zu beenden und die Schlösser zu entfernen, gebe es nicht. "Ich kann nicht sagen, ob das Anbringen eventuell die Schutzschicht des Geländers angreift. Ich gehe mal davon aus, dass dies nicht der Fall ist."

In Metropolen etwa wie Paris oder Köln aber hat der Sturm der Verliebten auf die Brücken der Städte dazu geführt, dass die Verwaltung die Hinterlassenschaften bisweilen entfernen ließ. "Ich glaube nicht, dass wir zu so drastischen Maßnahmen greifen müssen", sagt Andrea Mandl und lacht.

Vielleicht kommt die - unseres Wissens bislang namenlose - Brücke über den Main so zu einer Bezeichnung. Wir schlagen vor: Schlossbrücke. Vielleicht gibt auch die bayerische Schlösserverwaltung demnächst ihren Segen und das Geländer im Schönen Hof der Plassenburg frei.

Liebesschlösser sind keine Erfindung der Neuzeit

Ursprung Der Brauch, dass Verliebte als Zeichen ewiger Verbundenheit Liebesschlösser an Brückengeländer hängen, könnte seinen Ursprung in Italien haben. Dort heißen sie "lucchetti dell'amore". Es wird vermutet, dass Absolventen der Sanitätsakademie San Giorgio in Florenz zum Ende ihrer Ausbildungszeit die Vorhängeschlösser ihrer Spinde an einem Gitter des Ponte Vecchio befestigten. Dies wurde wohl von den Verliebten Roms an der Milvischen Brücke zum Vorbild genommen.

Verbote Je mehr Schlösser an Brücken oder auch Laternen angebracht werden, desto höher wird das Gewicht. 2007 verbot Roms Bürgermeister Walter Veltroni den Brauch, nachdem eine Laterne unter der Last der Schlösser umgeknickt war. In Venedig und Berlin ist das Anbringen an Brücken strikt verboten. In Venedig steht das Anbringen mittlerweile unter Strafe; die Verwaltung verhängt bis zu 3000 Euro Bußgeld; in Berlin ist es immerhin eine Ordnungswidrigkeit und wird mit 35 Euro verwarnt.
Stabilitätsproblem In Bamberg nahm der Brauch an der Kettenbrücke derart überhand, dass die Stadtverwaltung einige der geschätzt mehr als 800 Schlösser abzwickte. Der Grund: Die Metallschlösser gefährden tatsächlich die Stabilität des Bauwerks.

Korrosion In vielen Kommunen wird der störende Eindruck im historischen Stadtbild als Grund für ein Verbot genannt. Es kann aber auch zu Schäden an den betreffenden Brücken kommen, und zwar durch elektrolytische Korrosion des edleren Messings der Schlösser gegenüber dem unedleren Eisen der Brücken. Das Problem kennen auch die Kölner an ihrer Hohenzollernbrücke, an der zigtausende Schlösser baumeln. Ein Verbot aber hatte die Bahn abgelehnt. Apropos Köln: Dort hat das Amtsgericht einen Mann verurteilt, der rund 50 Liebesschlösser von besagter Hohenzollernbrücke klaute. Die Strafe: drei Monate Gefängnis ohne Bewährung. Die Kölner Band Höhner hat das Thema Liebesschlösser im Lied "Schenk mir dein Herz" musikalisch aufgegriffen. red