Als ich klein war, hatte ich riesengroße Wünsche: Nach Herzenslust im Süßwarenladen in der Buchbindergasse einkaufen! All die Bücher mit nach Hause nehmen, die in der Buchhandlung in der Oberen Stadt im Schaufenster standen! Mit Freundinnen endlos lange telefonieren, ohne dass jemand von den Erwachsenen per Handzeichen nachdrücklich darauf aufmerksam machte, dass da Gebühren aufliefen. Und vor allem: Abends so lange aufbleiben dürfen, wie man will!

Das alles ist lange her. Die Zeiten haben sich geändert. Mein Einkommen fällt heute großzügiger aus als das Taschengeld von damals, und es gibt (meistens) niemanden mehr, der mir irgendwo reinredet.

Aber: Zu viele Süßigkeiten verbieten sich mittlerweile aus den uns allen gut bekannten, gewichtigen Gründen. Bücher kaufen? Könnte ich. Täglich. Aber der Stapel ungelesener Lektüre im Wohnzimmer wächst ohnehin immer schneller. Die Zeit gibt ausuferndes Lesen nicht her. Mein Telefon, für das ich längst eine Flatrate habe, schalte ich gerne mal stumm, weil ich meine Ruhe haben möchte.

Und was das "so lange aufbleiben dürfen, wie man will" angeht: Seit Jahren schon schaue ich am Abend spätestens um neun zum ersten Mal auf die Uhr und frage mich, ob ich denn jetzt schon ins Bett gehen darf.