Beim Bundesparteitag der AfD am Wochenende in Köln zeichnet sich Ärger ab. Einmal innerparteilich, denn Bundessprecherin Frauke Petry hat per Videobotschaft angekündigt, auf eine Spitzenkandidatur zu verzichten. Und zweitens vor dem Tagungshotel: Die Polizei bereitet sich auf ein einen Großeinsatz vor und erwartet 50.000 Gegendemonstranten in der rheinischen Metropole, darunter auch gewaltbereite Krawallmacher.

Wir haben dazu den Kulmbach-Lichtenfels AfD-Kreisvorsitzenden Georg Hock befragt, der am Parteitag in Köln in seiner Funktion als Mitglied des bayerischen AfD-Landesvorstands teilnimmt. Er wird dem rechten Gauland-Flügel der Partei zugerechnet.

Herr Hock, haben Sie ein mulmiges Gefühl, wenn Sie zum AfD-Bundesparteitag nach Köln fahren?
Georg Hock: Nein, überhaupt nicht. Ich habe an fast allen Bundesparteitagen teilgenommen. Es war schon immer mal schwierig, teilweise war Spießrutenlaufen angesagt. Aber Köln wird ganz sicher eine Steigerung sein. Die halbe Innenstadt ist gesperrt, die Geschäfte schließen, und es gibt eine Flugverbotszone. Wie in einem Notstandsgebiet. So einen Ausnahmezustand hatten wir noch nicht.

Wie bewerten Sie Frauke Petrys Verzicht auf die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl?

Das ist eine strategische Geschichte und auch nicht ganz koscher. Sie verzichtet auf etwas, was sie gar nicht hat. Die Mitglieder, der Parteikonvent und die überwältigende Mehrheit der Landesvorstände haben entschieden, keinen Spitzenkandidaten zu wählen. Das hätte sie gewollt, das hat aber nicht funktioniert. Man hat sich dafür entschieden, ein Team zu bilden. Dort will sie aber auch nicht dabei sein. Daraus ergeben sich leider Zweifel an ihrer Teamfähigkeit und an ihrer Teamwilligkeit.

Glauben Sie, dass es zu einem offenen Flügelkampf kommt? Steht die Partei vor einer Zerreißprobe?
Frauke Petry hat mehrere Anträge für den Parteitag vorbereitet, darunter einen so genannten Zukunftsantrag. Darin teilt sie die Mitglieder in Realpolitiker und Fundamentalisten oder in die Guten und die Bösen ein. Das hat tatsächlich etwas von Flügelkämpfen. Aber ich gehe davon aus, dass eine deutliche Mehrheit - und dazu zähle ich mich auch - dafür votieren wird, sich nicht mit ihren Anträgen zu befassen. Denn ihre Anträge zielen auf eine Spaltung der AfD ab.

Halten Sie es für möglich, dass Frauke Petry entmachtet wird, wie sie damals Parteigründer Bernd Lucke entmachtet hat?
Nein, in der Form kann es nicht passieren, weil keine Wahlen anstehen. Vorstandswahlen finden erst im Herbst statt. Dieser Parteitag ist in erster Linie für die Verabschiedung des Bundeswahlprogramms gedacht. Also wird niemand abgewählt - auch nicht Frauke Petry als eine von zwei Parteisprechern. Wie sie damit umgeht, wenn ihre Anträge nicht behandelt werden, das weiß ich allerdings nicht.

Was raten Sie Ihrer Partei, damit die AfD bis zur Bundestagswahl aus dem Umfragetief herauskommt?
Bei den Diskussionen mit Frauke Petry geht es weniger um inhaltliche Differenzen. Hier geht es darum, dass die eine oder andere handelnde Person einen, zwar nachvollziehbaren, aber für die Partei schädlichen Machtegoismus auslebt. Die Diskussionen sind überwiegend persönlichen Eitelkeiten geschuldet. Ich rate dazu, die Streitereien einzustellen und Sacharbeit zu machen. Dann steigen auch wieder die Umfragewerte.

Auch im eigenen Kreisverband haben Sie Ärger: Ihr bisheriger Stellvertreter Edwin Hübner musste wegen seiner "Reichsbürger"-Thesen und Angriffe gegen den Landesvorsitzenden Petr Bystron zurücktreten.
Das ist doch kein Ärger, wir sind eben eine lebendige, streitbare Partei. Ich bedauere seinen Rücktritt. Aber die Position ist schon wieder neu besetzt. Daniela Förster aus Kulmbach ist meine neue erste Stellvertreterin. Herr Hübner ist nach wie vor Mitglied bei uns.